CDU-Agrarpolitiker fordern Vermarktungsplattformen für Milch

Es sei höchste Zeit etwas zu tun, begründet die Sprecherin der CDU-Agrarpolitiker aller Bundesländer die Aktion.
Bild: Archiv

In die politische Debatte um die Milchpolitik kommt weitere Bewegung. CDU-Agrarpolitiker aus sieben Landtagen fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Errichtung von gemeinsamen Vermarktungsplattformen mehrerer Molkereien. Das soll die Verhandlungsmacht gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel stärken.

Mit einer abgestimmten gemeinsamen Initiative in den Parlamenten wollen die CDU-Agrarsprecher von sieben Bundesländern nach eigenen Angaben faire Preise für die Erzeuger erreichen und dem Ungleichgewicht auf dem Milchmarkt begegnen. „Wir möchten den Molkereien die Möglichkeit geben, mit gemeinsamen Vermarktungsplattformen der Macht des Lebensmitteleinzelhandels ein größeres Gewicht entgegen zu setzen“, schreiben die Agrarsprecher aus den CDU-Fraktionen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bremen in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Landesregierungen sollen Initiative ergreifen

Die jeweiligen Landesregierungen sollten gemeinsam mit den Vertretern der Milchwirtschaft über eine Bündelung des Milch-Angebots unter Ausnutzung der kartellrechtlichen Möglichkeiten nachdenken, so die Forderung der CDU-Politiker. Diese Bündelung sei der richtige Weg und könne im Ergebnis dazu führen, die Existenz der bäuerlichen Milchlieferanten zu sichern. „Wir wollen ein Ende des ständigen Unterbietungswettbewerbs und faire und angemessene Preise für unsere Landwirte“, sagte Christina Schulze Föcking, Landtagsabgeordnete in NRW und Sprecherin der Agrarpolitiker der CDU/CSU-Bundesländer.

Milchwirtschaft soll kooperieren

Die Situation der Michwirtschaft und der meisten Milchviehbetriebe sei äußerst kritisch. Außerdem sei mittlerweile klar, dass der Milchpreis wird auch in diesem Jahr sinken wird, so Schulze-Föcking weiter. Ziel der gemeinsam erarbeiteten Initiative sei es, die Milchwirtschaft zur Kooperation bewegen. „Es wird höchste Zeit, dass wir hier etwas tun“, begründetet Schulze Föcking die Aktion.

Gegenpol zur Marktmacht des Handels

Als Problem machen die CDU-Agrarsprecher den konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel (LEH) aus.  „Wenn 85% aller Molkereiprodukte von nur fünf Handelsgesellschaften (Edeka, Rewe, Lidl, Aldi, Metro) abgenommen werden, dann wirkt sich dieses Ungleichgewicht spürbar negativ auf die Preise der Landwirte und Molkereien aus. Aus dieser Position wollen und müssen wir raus“, schreiben sie in ihrer Erklärung. Durch die Zustimmung von Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) zur Fusion von Edeka und Tengelmann sei die Marktmacht der Discounter aus ihrer Sicht noch einmal vergrößert worden.

Hintergründe:

Norddeutschland: Verkaufskontor für Molkereiprodukte? (9.2.16)

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Reinhard Schnell · 1.
    Kontrakte weiterreichen an die Erzeuger würde alles regeln

    Wenn die Molkereien die Vorkontrakte mit dem LEH bei den Erzeugern gegenzeichnen lassen müssten, wäre die Situation schon viel besser für die Landwirte. Hier könnte die Politik nicht nur Druck machen sondern auch Taten folgen lassen, die schnell zu einer Normalisierung der Märkte führen wird. Kontrakte mit dem LEH oder Großhandel sollten mit Rohmilchkontrakten zwischen Erzeugern und Molkereien abgedeckt sein.

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  2. von Karl Watermann · 2.
    Wieder nur Nebelkerzen

    Gleich werden wieder einige über den nörgelden BDMler herziehen, das hält mich aber nicht vom selbstständigen denken ab! Wie soll das funktionieren? Einige Molkereien vermarkten einen Teil ihrer Milch (40% der Milch geht in den deutschen LEH als H-Milch, Butter, Käse, Quark, Joghurt usw.) und bekommen eine Verwertung, die deutlich über der Verwertung der restlichen Milch liegt ? 1. Jede Molkerei möchte dann natürlich möglichst viel Milch in diese Schiene drücken. Wie soll eine solche Preis- und Mengenabsprache unter den vielen Molkereien funktionieren? Wer entscheidet, wer wie viel liefern darf? Etwa eine LEH-Quoten!? für Molkereien?? 2. Wie soll verhindert werden, dass einzelne Molkereien das System unterlaufen? 3. Da wir einen europäischen ( mit Schutzzöllen) bzw. globalen Milchmarkt haben, kann der LEH auch im Ausland einkaufen, Mengen dafür stehen ausreichend zur Verfügung. 4. Das DMK ist doch schon Angebotsbündelung mit dem Ziel durch mehr Marktanteile einen besseren Preis zu erzielen, das Ergebnis ist bekannt. Fazit: Der Ansatz ist absolut nicht marktwirtschaftlich (Marktwirtschaft = Angebot und Nachfrage regeln den Preis) und ist deshalb zum scheitern verurteilt. Ist es wirklich so schwer Ursache (Überangebot an Milch) und Wirkung (Preisverfall) zu unterscheiden?

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  3. von Andrea Rahn-Farr · 3.
    Druck auf die Führungen der Genossenschaftsmolkereien

    Die Idee ist richtig und die Umsetzung überfällig! Jetzt müssen wir alle als Genossenschaftsmitglieder genug Druck "von unten" aufbauen, um die Gremien der verschiedenen Genos an einen Tisch zu kriegen. Niemandem hilft es, wenn sich wenigen großen Genos bei den Preisverhandlungen weiter unterbieten - dabei gibt es keine Gewinner. Die Politik kann helfen, wenn es um die Vermeidung von kartellrechtlich relevanten Fragestellungen geht. Es gibt ein Marktstrukturgesetz - jetzt muss es genutzt werden!

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  4. von Erwin Schneiderbauer · 4.
    Schön die Faru,

    aber das wars dann schon, sonst zu nix zu gebrauchen......................

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  5. von Eike Bruns · 5.
    Da hatte die AfD aber eine bessere Idee! Muß ich die jetzt wählen?????? Ja die Grünen haben die gleiche!!

    Das Politik Risiko nimmt wieder zu!!! Wir haben in Deutschland seit Jahren einen gesättigten Markt wer soll denn noch mehr Produkte verzehren, Frau Schulze F.? Wenn wir Landwirte unseren Vermarktungspartner nicht auf Augenhöhe( = Mengenbestimmt) gegenüber treten wird es nichts mit besseren Preisen. Die mengen müssen runter und der Markt muss mal einige Tage unterversorgt sein mit Rohstoff dann wird das Rohprodukt auch teurer nur leider will die CDU so etwas nicht Frau Schulze F.! Wenn die großen Händler mit Ihren 85 % auf eine "Plattform" treffen, haben diese nur einen geringeren Verwaltungsaufwand weil sie nur noch einmal fragen müssen. Ein alter Kaufmannsspruch sagt Konkurrenz belebt das Geschäft sie wollen das Gegenteil keine Konkurrenz um den Rohstoff Milch und schon gar kein belebtes Geschäft. Wie lange wollen wir Landwirte noch auf Politik und Beratung hören? Haben diese nicht schon genug Schaden angerichtet. Wir sollten wieder mehr unseren gesunden "Bauernverstand " einsetzen. Seit Jahren hören wir schon man soll sich auf die Zeit nach der Quote vorbereiten. Gemeint war man soll mehr Kuhplätze schaffen(voller Markt) weiter sollte man die Quote verkaufen um das Wachstum zu finanzieren! Was für ein Blödsinn wer ohne Fehler mit drei Fingern bis eins Zählen kann wusste das das schief geht. Was hätte wohl der DBV und die Beratung und die Politik gemacht wenn nicht das Russland-Embargo gekommen wäre wer hätte dann die Schuld. Das was wir jetzt in der EU mehr produzieren und da sind wir Deutschen die die am meisten Menge mehr Produzieren, weil bei uns 3 % genau soviel sind wie in Holland und Irland 10 und mehr, überflutet den Weltmarkt mit oder ohne Russland und China. Wir brauchen von der Politik eine Europäische Lösung die uns ermöglicht die Verwaltungskosten (Dünge VO , QS, QM, etc.) aufzufangen. Wir brauchen von der Beratung Ehrlichkeit zu sagen Ihr könnt nicht zu Weltmarktpreisen produzieren und EU Standards einhalten und wir brauchen vor allem Landwirte die sich einig sind und kaufmännische Forderungen stellen. Ach ja was wir sehr stark benötigen ist ein Deutscher Bettel Verband der endlich die Klappe hält.

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  6. von Hermann Hollerbach · 6.
    Wie

    kann man so einer schönen Frau widersprechen das gehört sich bzw geht ja nicht, das ist vermutlich auch der wahre Sinn an ihrem Posten

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  7. von Michael Ruscher · 7.
    Unfähig aus der Vergangenheit zu lernen

    Es sind noch nicht mal fünf Jahre vergangen, als Humana und Nordmilch fusionierten. Kooperation statt Konkurrenzkampf. Synergieeffekte sollten erschlossen werden. Heute zahlt der größte deutsche Milchkonzern DMK mit den schlechtesten Milchpreis. Also die größere Vermarktungsplattform kann es nicht sein. Es gibt so viele sinnfreie Gesetze, da könnten doch mal die Politiker, die sich solche Sorgen um die Landwirtschaft machen, ein Gesetz auf den Weg bringen, dass beim Erzeuger die adäquaten Gewinnmargen der Verarbeitung und des Handels sichert. Auch wäre es sinnvoll darüber nachzudenken, dass politische Fehlleistungen beim Betroffenen zu Entschädigungen führt.

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