BMEL erwartet Verkauf von KTG Flächen an Investoren

Mit unendlicher Fläche und großem Gerät präsentierte sich die KTG Agrar gern in guten Zeiten.
Bild: KTG

Die Bundesregierung geht davon aus, dass bei Flächenverkäufen aus der Insolvenzmasse der KTG Agrar, Investoren zum Zug kommen. Die Bundesbehörden haben an KTG-Unternehmen mehr als 1000 ha verkauft und mehr als 3000 ha verpachtet. Die Höhe der Agrarzahlungen an die KTG Gruppe beträgt mindestens 6 Mio. € jährlich.

Die Bundesregierung hält sich bedeckt dazu, welche Auswirkungen das Insolvenzverfahren der KTG Agrar SE auf die Agrarstruktur und den Bodenmarkt haben wird. In ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion lässt sie jedoch erkennen, dass sie davon ausgeht, dass bei einem möglichen Verkauf von Einzelflächen oder ganzen Betrieben der KTG Gruppe, diese an Investoren gehen. „Der Finanzbedarf für die Losgröße von Einzelflächen oder ganze Tochtergesellschaften überschreitet in der Regel die Kaufkraft ortsansässiger Landwirte“ schreibt das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in seiner Antwort. Im Ergebnis werde die Flächenkonzentration weiter zu nehmen, lautet die Einschätzung des BMEL weiter.

KTG steht mit Pachtzahlungen beim Bund im Verzug

Der Bund ist nicht nur mit der Ausgabe von Agrarzahlungen mit der KTG in Kontakt gekommen sondern tritt auch selbst als Verkäufer und Verpächter von Boden auf. Die bundeseigene Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) hat seit 2005 rund 1.100 ha landwirtschaftliche Nutzfläche an rund 20 Unternehmen, die zur KTG Gruppe gehören, verkauft, teilt das BMEL in der Antwort mit. Die Summe der Kaufpreise gibt das BMEL mit 6,1 Mio. € an. Außerdem hat die BVVG derzeit insgesamt 3.200 ha Ackerflächen und Grünland an 30 Tochtergesellschaften der KTG Agrar SE verpachtet. Das sind laut BMEL etwa 2 Prozent der insgesamt von der BVVG verpachteten Fläche. Die insolvente KTG Agrar SE selbst sei nicht Pächterin, heißt es weiter. In einigen Fällen seien Tochtergesellschaften der KTG Agrar derzeit mit den Pachtzahlungen in Verzug.

BMEL plant keine Sondermaßnahmen für freiwerdende Flächen

Eigene Maßnahmen für eventuell frei werdende bundeseigene Pachtflächen aus der KTG Gruppe plant die Bundesregierung nicht. „Die BVVG wird frei werdende Pachtflächen entsprechend den zwischen Bund und Ländern vereinbarten Privatisierungsgrundsätzen nach öffentlicher Ausschreibung neu verpachten bzw. verkaufen“, schreibt das BMEL in seiner Antwort. Bis jetzt ist die KTG Agrar die einzige börsennotierte Kapitalgesellschaft, mit der Pachtverträge für bundeseigene Flächen abgeschlossen wurden.

Grüne fordern Flächenreservierung für bäuerliche Landwirtschaft

Der Agrarsprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, nennt es einen „Skandal, dass der jetzt insolvente, börsennotierte KTG-Agrarkonzern über Jahre hinweg in Millionenhöhe von Agrarzahlungen und Flächenverkäufen profitiert hat“. Aus seiner Sicht bedeutet diese Unterstützung einen Ausverkauf der Landwirtschaft und eine massive Verschwendung von Geldern. Nach Berechnungen von Ostendorff auf Basis der BMEL Antwort hat es allein 2014/15 staatliche Agrarzahlungen von mindestens 6 Millionen Euro an die KTG Unternehmen gegeben. Ostendorff forderte für die von der KTG Gruppe freiwerdenden Flächen eine Nutzung für eine bäuerliche Landwirtschaft.

Nun auch KTG Tochter Naturoel Anklam insovent

Unterdessen teilte die KTG Agrar mit, dass deren Tochtergesellschaft NOA Naturoel Anklam AG einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Stralsund gestellt habe. Hintergrund sei eine streitige Steuernachforderung.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Karl Wunder · 1.
    ca. 5.500 Euronen

    Das waren doch nur die Beraterhonorare für die Verkäufe.....

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  2. von Gerd Schuette · 2.

    Der Bund hat über die BVVG 1100 ha an die KTG Gruppe verkauft. Die haben dafür insgesamt 6,1 Mio Euro gezahlt. Das sind 5546 Euro je Hektar.

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  3. von Eckehard Niemann · 3.
    Warum haben die "Insider" denn nichts öffentlich gesagt?

    Die AbL hat bereits im Dezember 2007 in der „Unabhängigen Bauernstimme“ vor „teuren agrarindustriellen Ideologien“ der KTG gewarnt : Bei Analysten und Journalisten gebe es eine „bizarre Mischung aus agrarrohstofflicher Goldgräber-Mentalität, Agrarhype und Agrarindustrie-Bewunderung“ – es bleibe abzuwarten, wie viel Geld diejenigen „spekulativen Investoren“ schließlich verlieren würden, die sich „mit der KTG auf den agrarindustriellen Pfad begeben“ wollten. ---- Jetzt brauchen BVVG und Bundesregierung massiven Druck, damit das Land nicht an agrarindustrielle Investoren oder an agrarindustriell-neofeudale LPG-Nachfolger geht, sondern an mittelständisch-bäuerliche Familienbetriebe und Existenzgründer!

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Die verantwortlichen Bundesbehörden sind schuld.

    Diese sind Herrn Hofreiter auf den Leim gegangen. Insider haben schon immer gewusst, dass KTG viel Wind um Wenig macht.

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  5. von Karl Wunder · 5.
    Kauf einer Fläche

    bringt noch keinen realen Ertrag, ausser wenn man auf Flächen-Preissteigerung spekuliert , dann...Könnte ein Gewinn möglich sein. In dem Falle der Landwirtschaft muss aber erst ein Bauer für lau schaffen. Nun sterben die dummen Bauern aus. Oh je, oh jeh. Saat und Ernte sterben, Ähm hören niemals auf. Was, wenns keine Dummen Bauern mehr gibt?

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