75 % weniger Fluginsekten in Schutzgebieten

Kleiner Fuchs Kleiner Fuchs
Bild: Gabriela Neumeier / pixelio.de

Naturschutzfreunde haben über einen Zeitraum von 27 Jahren in Schutzgebieten das Vorkommen von Fluginsekten festgehalten. Nun schlägt das Wissenschaftsjournal PLOS ONE Alarm: Die Zahl der Insekten sei um 75 %  zurückgegangen.

Für Naturschutzverbände wie den NABU ist das Beleg dafür, dass es das Insektensterben wirklich gibt. Mit der neuen Untersuchung stehe fest, dass dieser Verlust nicht spezifisch für bestimmte Biotoptypen gilt, sondern vielmehr das ganze Offenland betreffe. Die ermittelten Biomasseverluste würden für die Sommerperiode 81,6 % (79,7 bis 83,4 %) und für die Vegetationsperiode von April bis Oktober 76,7 % (74,8 bis 78,5) betragen, erklärt der NABU.

Die Verluste in der Sommerperiode seien höher, da die Insektenbiomasse in diesen Monaten am höchsten ist. Die Ergebnisse bestätigten auch, dass die bekannten Rückgänge von Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern einhergehen mit den drastischen Biomasseverlusten bei Fluginsekten. Dies betrifft nicht nur seltene und gefährdete Arten, sondern die gesamte Welt der Insekten.

Landwirtschaft muss einfach schuld sein!

Was die Ursachen angeht, konnten die Naturschützer keine Gründe finden. Sie bedauern, dass es bei den Zählungen keine Daten zum Einfluss der Landwirtschaft gebe. Daher sei nicht klar, wie groß der Einfluss durch die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Zustand der Insektenwelt tatsächlich ist. Der NABU spekuliert allerdings, dass es an der Landwirtschaft liegen müsse, weil 90 % der Standorte im Umfeld der Untersuchungsgebiete intensive Landwirtschaft aufweisen würden. Damit seien diese Standorte ganz typisch für Schutzgebiete der heutigen Kulturlandschaft Deutschlands.

Etwa 60 % aller Naturschutzgebiete sind hierzulande kleiner als 50 ha. Die Gebiete würden daher durch ihre Insellage und durch ihre langen Außengrenze stark von ihrer Umgebung beeinflusst – äußere Einflüsse, wie der Eintrag von PSM oder Nährstoffen (Eutrophierung) könnten nicht ausreichend abgepuffert werden. So liegt es laut den Naturschützern nahe, dass durch Praktiken der intensiven Landwirtschaft der Erhaltungszustand vieler Schutzgebiete massiv beeinträchtigt wird – und nicht zuletzt der von Insekten.

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hans Nagl · 1.
    Zuerst !

    Zuerst das Bauernsterben , dadurch kommt auch das Insektensterben .

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  2. von Hans-Heinrich Meyer · 2.
    Stabile/steigende Erträge

    Nur eine Anmerkung am Rande. In den letzten 27 Jahren sind die Erträge und Qualitäten in der Obst-, Gemüse- und Landwirtschaft massiv gestiegen trotz/wegen des angeblich auf ein Viertel gesunkenen Insektenpopulation? Zur nachhaltigen Nahrungsproduktion sind wenige Insekten genug.

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  3. von Georg Geers-Lünnemann · 3.
    Es fehlt das Wasser

    Meiner Meinung nach liegt das Artensterben ausschließlich am mangelnden Regen bzw der regenverteilung in den sommermonaten. Trockene frühjahre sind ja quasi standart weswegen es in der Landschaft kaum noch nasse Wälder und Tümpel gibt. Das gleicht sich zum Herbst und Winter zwar oft wieder aus, nützt den Insekten aber nichts. Es ist dann einfach zu spät für ein exponentielles Wachstum der population

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  4. von Torsten Deye · 4.
    Die eigentlichen schuldigen sind die Grünen und die NGO´s

    Durch die immer stärker werdende Einschränkung der Düngung mit Wirtschaftsdüngern geht die Anzahl der Insekten zurück. Insekten benötigen nicht nur Nahrungsmöglichkeiten durch das Anlegen von Blühstreifen und Ähnlichen sie benötigen vor allem auch Brutstätten. Das Einarbeiten von Gülle und Mist gleich nach dem Ausbringen oder sogar direkt in den Boden injiziert gibt den Insekten nicht die Möglichkeiten hier ihre Brut aufzuziehen. Es gibt keine Misthaufen oder Kuhfladen mehr. Hier entstehen Insekten. Seit Jahren beobachte ich schon die Naturschutzgebiete in denen nicht gedüngt wird. Es bilden sich zunehmend Magere Heidelandschaften in den kein Boden leben mehr stattfindet. Niederwild ist hier schon seit Jahren nicht mehr anzutreffen höchstens in den Randgebieten zu den Intensiv genutzten Ackerflächen. Wir brauchen Flächen auf denen auch mal die Gülle oder der Mist länger uneingearbeitet liegen bleibt um überhaupt Insekten züchten zu können.

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  5. von Willy Toft · 5.
    Das die Industrienationen mit dem luxuriösen Konsum und der Reisefreudigkeit keinen Einfluss........

    auf das Artensterben haben, glauben die Experten doch selber nicht! Aber sie müssten sich selber einer Mitschuld bezichtigen, wo es doch so einfach ist, alles der Landwirtschaft zuzuschreiben. Ich sehe die Wiesen bei uns, die für Naturschutz-Zwecke extensiv genutzt werden, wo sich Jakobskreuzkraut(Hochgiftig) verbreitet, und die Wiesenvögel haben keinen Lebensraum mehr, weil diese nicht mehr oder nur einmal spät gemäht werden. Das frische Grün fehlt mehr und mehr.... Der Mensch will beeinflussen, sieht aber das Wesentliche nicht, Hauptsache aber der Landwirt hat die Schuld!!!!!

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  6. von Paul Maier · 6.
    Nur ca. 50 % der Landesfläche sind landwirtschaftlich genutzt.

    Allein mehr als ein Drittel ist mit Wald bedeckt, wo weder gedüngt noch Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Also müsste in sehr grossen, zusammenhängenden Waldgebieten der Insektenbestand sich doch ungestört entwickeln können. Wenn aber auch dort die Insekten auf dem Rückzug sind, wird es wohl auch andere Ursachen dafür geben. Natürlich muss ich eingestehen, dass ich mir noch nie die Mühe machte, Insekten zu zählen, aber ein Rückgang der äußerst lästigen Fliegen im Sommer fiel mir bisher nicht auf. Die in diesem Fall zitierten "Experten" zeichnen sich allesamt dadurch aus, dass sie bei jeder Veränderung in unserer Umwelt ausser der Landwirtschaft nie eine Schuldigen finden werden, weil sie dort auch nie suchen wollen.

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  7. von Wilhelm Gebken · 7.
    Wir überlassen die "Schöpfung" den Dummschwätzern

    Schon der Ansatz von Grünen und NGO´s ist vollständig falsch. Stichwort "Eutrophierung": Bis Anfang des 20 ten Jahrhunderts konnten auf der Erde maximal 1 Milliarde Menschen mehr schlecht als recht existieren. Dann wurde das Haber-Bosch Verfahren zur Gewinnung von reaktivem Stickstoff aus Luftstickstoff erfunden. Mit der Folge das derzeit ca. 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben. Die moderne Landwirtschaft könnte locker (also ohne unfähige und korrupte Regierungen und Verwaltungen) die doppelte Anzahl ernähren. Das aber bedeutet, dass sich auch dauerhaft eine deutlich höhere Menge reaktiven Stickstoffs im Stickstoffkreislauf befinden muss, sonst geht das nicht. Grüne und NGO´s weichen mit ihrem Dummgeschwätze der alles entscheidenen Frage aus. Wollen sie den "Ist-Zustand" von 1910 mit nur 1 Milliarde Menschen wiederherstellen oder der Evolution ihren Gang lassen? (Ich weiß übrigens genau was diese Leute tief in ihren Herzen, äääh Mördergruben, wollen). Die Evolution hat sich bereits anders entschieden: Sofern keine menschenverachtende Ideologie bzw. Religion die Herrschaft übernimmt, wird die Anzahl der Menschen mit Hilfe des Haber-Bosch verfahrens dauerhaft über 10 Miliarden Menschen ansteigen. Ich halte das im Sinne der seit 13,85 Milliarden andauernden Entwicklung unseres Universum nur für folgerichtig. Eine Folge dieser Entwicklung: Da sich überall mehr reaktiver Stickstoff befindet wird sich das Leben auf diesem Planeten daran anpassen. Es werden sich diejenigen Arten durchsetzen, die an höhere Stickstoffwerte besser angepasst sind. Wer jedoch glaubt, man könne per Verwaltungsverordnung vorschreiben, welcher "evolutionäre Stichtag" (1910 oder vielleicht doch der Tag als Adam und Eva aus dem Paradies geworfen wurden?) als "Gottes Schöpfung" definiert werden muss, der hat schlicht und ergreifend den Schuss nicht gehört.

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  8. von Hermann Färber · 8.
    Sicherheit der Studie

    Vielleicht wäre es angebracht die Aussagekraft solcher Studien zu hinterfragen. Entspricht sie irgendwelchen Standards, gibt es Wiederholungen die das Ergebnis absichern, ist sie von der Breite der Anlage her überhaupt allgemein aussagekräftig ? Das wäre doch auch einmal eine interessante Aufgabe für die Fachpresse.

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  9. von Michael Behrens · 9.
    Lichtverschmutzung!

    Das Verhalten der Insekten liegt doch an der Lichtverschmutzung! Die Städte, Gewerbegebiete, Wohnsiedlungen im "Grünen" etc werden Nachts immer heller! Aber immer erst die Landwirtschaft an den Pranger stellen!

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  10. von Heinrich-Bernhard Münzebrock · 10.
    Die Bauern haben immer schuld

    Der Klimawandel, Insektensterben usw. - immer haben die Bauern schuld. Das ist der Gedanke des NABU und der Grünen!!. Dagegen hilft nur ein Verbot der konventionellen Landwirtschaft und das Zurückdrehen der Zeit in die Nachkriegszeiten. Die Ausserdeutschen werden weiter produzieren und dafür sorgen, dass die Regale und Kühlschränke gefüllt sind. Hauptsache billiges Essen für ein sattes Volk. Glyphosat wird verboten und die Natur sich selbst überlassen. Schöne heile Welt. Noch eine kleine Anmerkung: Mir ist noch garnicht aufgefallen, dass die Schwalben im Sommer vom Himmel gefallen sind oder an Hunger gestorben sind. Dabei ernähren sie sich von den paar Insekten die noch übrig geblieben sind. Oder sind die Schalben am Ende Schuld am Insektensterben?

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  11. von Karlheinz Gruber · 11.
    Das die Landwirtschaft alleine Schuld hat,

    ist ja wohl schon gesetzt. Wobei man schon auch sagen muß, wenn man keinen Lebensräum wie Feldraine mehr stehen läßt, ist das schon auch ein Grund dafür, das denen die Nahrungs und Lebensgrundlage abgeht. Etwas anderes sind dann noch die Gesetzte, die Landwirte, die was dafür getan haben, daß es auch solche Lebensräume gibt, immer mehr mit Auflagen einschränken. Wer z.B. Hecken gepflanzt hat, wird jetzt mit Biotopauflagen/ Abstände usw. so weit getrieben, daß die Pflege so weit geht, das dieser Lebensraum sich selber abschafft, mangels Pflege. Für mich ist aber der größte Insektenkiller der Straßenverkehr. Der durchzieht alle Lebensräume und wenn man in den Kommentaren der Zeitungen ließt, das es auch den Teilnehmern im Straßenverkehr auffällt, das es weniger gibt, dann muß man aber auch bei steigenden Verkehrszahlen sagen, das diese immer mehr "Todesfälle" verursachen, die definitiv nicht mehr zu kompensieren sind. Die Massentötungen im Verkehr beginnen im Frühjahr vor dem schlüpfen der neuen Generation und gehen bis zum Ende im Oktober. Woher sollen sich denn die Insekten auf diesen Massenerschlagen einstellen können oder dies Kompensieren. Es wäre doch eher mal angebracht hier eine sinnvolle Studie zu machen, wie viele Käfer pro Auto und Fahrstrecke auf der Strecke bleiben, die mit dem Verkehr hochgerechnet und dann hat man Verläßliche Zahlen. Von dem werde ich mich nicht abbringen lassen, daß der Verkehr der größte Killer ist. Aber auch wir sollten unseren Beitrag über Feldraine (sind auch gut für Grenzsteine) leisten.

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