Studie beziffert Kosten für Auflagen in der Landwirtschaft auf 5,2 Mrd. €

Eine Studie hat die Kosten der Landwirte für die Einhaltung von Standards wie zum Beispiel auch das Greening auf durchschnittlich 315 €/ha veranschlagt.
Bild: Awater-Esper

Die Einhaltung von Umwelt- und Tierschutzauflagen kostet die deutschen Landwirte laut einer Studie 5,2 Mrd. €. Der Wert entspricht etwa der Höhe der EU-Direktzahlungen, die an deutsche Landwirte fließen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) will mit den Zahlen um ein hohes Budget zur EU-Agrarreform 2020 kämpfen.

Eine wissenschaftliche Studie hat die Kosten errechnet, die in der Landwirtschaft zur Erfüllung von Umwelt-, Klima- und Tierschutzauflagen anfallen. Diese summieren sich danach in ganz Deutschland auf 5,2 Mrd. €. Umgerechnet auf die Fläche beziffern die Autoren die Kosten, die zur Umsetzung der Standards anfallen, im Durchschnitt auf 315 €/ha. Dabei fallen diese je nach Betriebsstruktur unterschiedlich hoch aus. Für einen Futterbaubetrieb im Haupterwerb kommen die Wissenschaftler auf 278 €/ha, während ein durchschnittlicher Haupterwerbsbetrieb mit Tierhaltung und Ackerbau auf 367 €/ha kommt. Für Agrarbetriebe, die als juristische Person organisiert sind, gibt die Studie im Durchschnitt 356 €/ha Kosten für die Erfüllung von Auflagen an.

Gewässer- und Pflanzenschutz Auflagen verursachen die meisten Kosten

Die Studie erstellt haben die beiden Autoren, Professor Dr. Helmut Karl von der Ruhr-Universität Bochum und Dr. Steffen Noleppa vom Forschungsinstitut HFFA Research GmbH, im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes (DBV). In ihren Berechnungen berücksichtigt haben sie die Kosten beim Gewässerschutz zur Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie, die für die Einhaltung der neuen Düngeverordnung, für Einschränkungen beim Pflanzenschutz, für Standards in der Tierhaltung, für Bürokratie und Cross-Compliance, für das Greening und für die notwendigen Investitionen nach der TA-Luft.

Geringere Kosten bei Nicht-EU-Wettbewerbern

Die Auflagen für den Gewässer- und Pflanzenschutz sowie das Greening schlagen am meisten zu Buche.
Bild: DBV
In einem zweiten Teil haben die Wissenschaftler die Kosten für Auflagen der deutschen und EU-Landwirte mit denen von Landwirten im nicht EU-Ausland verglichen. Dafür ziehen sie Fallbeispielen etwa aus Australien, Argentinien, Brasilien, Kanada, Neuseeland, den USA, Thailand und der Ukraine an. Im Nicht-EU-Ausland würden mehr als 3 Mrd. € der Kosten, die die deutschen Landwirte tragen, gar nicht anfallen, schlussfolgern die Autoren. Denn dort seien zum einen die Standards teilweise geringer. Außerdem könnten die Landwirte in diesen Ländern die dort geltenden Auflagen teilweise billiger umsetzen.

DBV will mit den Zahlen Direktzahlungen rechtfertigen

Der DBV will mit der Studie die jetzigen EU-Agrarzahlungen in der Debatte um die Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik im Jahr 2020 rechtfertigen. „Wir wollen mit den Zahlen in die Diskussion gehen“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Präsentation der Studie heute in Berlin. Die Höhe der ermittelten Kosten entspricht in etwa der Höhe der Zahlungen, die die EU als Direktzahlungen an die deutschen Landwirte ausgibt. Rukwied sieht mit der Studie den Beweis in Zahlen erbracht, dass die Landwirte bereits öffentliche Leistungen erbringen und die Kosten dafür durch die Direktzahlungen kompensiert werden müssten. Die Unterschiede in den Kosten je nach Betriebsstruktur hält er nicht für ausreichend, um über eine Ausdifferenzierung der Direktzahlungen je nach Betrieb nachzudenken. Die Autoren der Studie warnten in dem Zusammenhang vor den Kosten, die eine solche Ausdifferenzierung je nach Betriebsart nach sich ziehen würde.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Reinhard Matzat · 1.

    Wenn man denn noch bedenkt das die Prämienzahlungen mit in dem Betriebsgewinn einfließen der dann versteuert wird!!!!!!!!! soll jeder mal seinen Steuerberater mal fragen um wie viel die Steuerlast sinken würde wenn er die Prämien nicht bekäme. 50% der Prämienauszahlung mehr Steuern an das Finanzamt sind keine Seltenheit!!!!!!!!!

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  2. von Jörg Meyer · 2.
    schlechte Idee

    mit den Kosten von Auflagen Subventionen zu rechtfertigen ist schwierig und zeigt dieses eigentlich deutlich, dass es hierfür immer weniger Argumente gibt? Das jetzige Prämeinsystem ist überholt und sollte auslaufen wie auch die Subventionen für vermeintlich nachhaltigere Landwirtschaft, es fehlen einfach sinnvolle Argumente hierfür. Dieses System dreht jungen motivierten Landwirten die Luft ein Stück weit ab wie es einst die Milchquote tat. Flächendeckender Vertragsnaturschutz auf begrenzten Flächen regional gleichmäßig verteilt mit Prämien, die sich an den Opportunitätskosten vor Ort orientieren! Es macht keinen Sinn Extensivierungsprämien auf extensiven Kleinräumigen Standorten überproportional häufig zu bezahlen!

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  3. von Willy Toft · 3.
    Das Auflagen- System frisst bald mehr als die Prämienzahlung bringt!

    An diesen Prämien möchte vor allem, der Bodeneigentümer partizipieren! Wir werden es wahrscheinlich nicht anders hinbekommen, aber der Bewirtschafter, also der die Arbeit macht, hat das nachsehen!

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