Polnische Bauern wenden sich in Brüssel gegen geplante Agrarkürzungen

Kampf um EU-Budget 2021-2027
Bild: EZB

Die Vertretung der europäischen Landwirte (Copa Cogeca) und die polnische Landwirtschaftskammer (KRIR) wenden sich gemeinsam gegen Kürzungen des EU-Agrarhaushaltes ab 2020. Bei einem am Mittwoch in Brüssel von der polnischen KRIR organisierten Veranstaltung zum künftigen EU-Haushalt nach 2020 zeigten sich die beiden Organisationen besorgt über die geplanten Kürzungen bei den EU-Agrarausgaben ab 2020.
 
KRIR-Präsident Wiktor Szmulewicz sprach sich entschieden gegen die geplanten Kürzungen der landwirtschaftlichen Ausgaben im Mittelfristigen Finanzrahmen (MFR) für die Siebenjahresperiode 2021-2027 aus. Er betonte, dass derartige Kürzungen kontraproduktiv seien und die EU bei den gesteckten Zielen für Umwelt und Ernährungssicherheit für eine wachsende Bevölkerung behindern würden.
 
Copa Cogeca Generalsekretär Pekka Pesonen
Bild: Copa Cogeca
Copa und Cogeca zeigten sich in Brüssel gleichermaßen solidarisch mit den polnischen Präsidenten: „Wir lehnen jedweden Vorschlag zur Kürzung der GAP-Ausgaben im künftigen EU-Haushaltsrahmen ab 2020 entschieden ab“, sagte Copa Cogeca-Generalsekretär Pekka Pesonen.
 
Das Einkommen der europäischen Landwirte sei bereits nur 40 Prozent des EU-Durchschnittseinkommens im Vergleich zu andern Wirtschaftsbereichen gesunken. Überdies hätten die Landwirte in den zurückliegenden vier Jahren Einkommenseinbußen von 20 Prozent erlitten. Haushaltskürzungen auf EU-Ebene würden nicht nur die Lebensgrundlage der Landwirte und weite Teile der ländlichen Gebiete Europas gefährden, sondern auch das Erreichen der Umwelt- und Sozialziele der EU in Frage stellen.
 
Landwirtschaftsverbände und Genossenschaften aus der ganzen EU appellierten ferner in einem gemeinsamen Statement an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, sich für einen ausreichenden Haushalt zur Sicherung dynamischer ländlicher Gebiete einzusetzen.
 
Dänische und schwedische Bauern appelieren an ihre Regierungen

Auch die dänischen und schwedischen Landwirtschaftsverbände wenden sich an ihre Regierungen, die angekündigt hatten, keine zusätzlichen Zahlungen als Nettozahler-Staaten nach Brüssel zur Sicherung des EU-Agrarhaushaltes leisten wollen, mit eindringlichen Appellen ihre Position zu überdenken.
 
Der Präsident des dänischen Landwirtschafts- und Lebensmittelrates, Martin Merrild zeigte sich in Brüssel besorgt: „Unseren Landwirten drohen aufgrund der Kürzungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik hohe wirtschaftliche Einbußen, wenn die Mitgliedstaaten sich hinsichtlich des Bedarfs an neuen Mitteln für neue Initiativen nicht einig sind und das Brexit-Defizit im EU-Haushalt nicht ausgleichen“.
 
Der schwedische Bauernverband- Präsident, Palle Borgstrom, pflichtete bei: „ Wir brauchen einen soliden Agrarhaushalt, um sicherzustellen, dass die europäischen Landwirte den Verbrauchern Lebensmitteln zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten und gleichzeitig die ambitionierten Erwartungen der europäischen Gesellschaft hinsichtlich der Erzeugung von Lebensmitteln unter Rücksichtnahme auf Umwelt, Klima und Tierwohl erfüllen können.“
 
EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger wirbt unterdessen auf seiner Tour durch die Hauptstädte der EU am Freitag in Kopenhagen um zusätzliches « fresh money » vom Nettozahlerstaat Dänemark, um das jährliche Haushaltsdefizit in der EU-Kasse von mindestens zwölf Milliarden Euro verursacht durch den Brexit ab 2020 ausgleichen zu helfen.
 

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Gebken · 1.
    Zitat: "EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger wirbt unterdessen auf seiner Tour durch die Hauptstädte der EU am Freitag in Kopenhagen um zusätzliches « fresh money » "

    Der gefrässige Moloch EU macht sich auf dem Weg, um das wenige noch vorhandene Geld der kleinen Leuten gierig aufzusaugen und damit seinen Bürokratenapparat noch fetter zu mästen! Oh, falsche Wortwahl? Sagt man so etwas nicht? Doch, das ist die einzige Möglichkeit um auf das Problem aufmerksam zu machen! Sie können es bei allen führenden Wirtschaftswissenschaftlern und bedeutenden Denkern nachlesen (Ludwig von Mises, Hannah Arendt, u.v.a.). Die überbordende planwirtschaftliche Bürokratie mit ihrer Alimentierung immer größerer Teile der Bevölkerung auf öffentlich bezahlten Stellen und durch ungerechtfertigte (nicht erworbene) soziale Zuwendungen, wird die europäischen Volkswirtschaften zusammenbrechen lassen, sofern das noch nicht geschehen ist (Griechenland, Italien, u. a.). P.S.: Den Großkonzernen ist das egal. Sie agieren global und haben sich schon jetzt entsprechend strategisch aufgestellt. Natürlich können auch Bauern flüchten, aber sie müssen ihr Land, das was ihre Vorfahren mühsam kultiviert haben, als Beute für den gefräßigen Moloch zurücklassen.

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  2. von Karlheinz Gruber · 2.
    Wie wärs, wenn schon Einsparungen

    dann bei den vielen Beamten und Politikern in Brüssel und den Ländern. Da käme auch mal ein nettes Sümmchen zusammen. Und wenn weniger Beamte da sind, wird es vielleicht mit den Auflagen/ Kontrollen auch wieder leichter. Ich glaube aber eher, ich muß jetzt aufwachen.

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