AbL schaltet sich in Debatte um Räumung des Hambacher Forsts ein

Tweet Die Polizei warnt vor einem "besonderen Gefahrenpotenzial für alle".
Bild: twitter@Polizei_NRW_AC

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mischt sich in die heftigen Diskussionen über die Räumung des Hambacher Forst ein. Sie fordert von der Landesregierung NRW deren Stopp und zieht einen Bezug zu den Problemen der Landwirtschaft mit dem Klimawandel.

Die AbL hält das Festhalten der Landesregierung NRW an den Rodungsplänen für den Hambacher Forst für ein falsches Signal im Klimaschutz. „Klimapolitische Unvernunft ist dafür noch ein harmloser Ausdruck - und wir Bauern müssen es in Zukunft büßen", sagte Bernd Schmitz, Landesvorsitzender der AbL NRW. Gerade in einem Jahr wie diesem, in dem die Dürre Hilfen für Land- und Forstwirte nötig gemacht hätten, verstehe er nicht, wie die Landesregierung weiter auf Braunkohle setzen könne. Gemeinsam hätten alle Verbände aus der Landwirtschaft im Jahr 2015 den Klimaplan NRW mit gestaltet. Diesen sieht Schmitz durch das Festhalten der Landesregierung NRW an den Ausbauplänen für die Braunkohle nicht ausreichend berücksichtigt.

Am Donnerstag hatten die polizeilichen Räumungen im Hambacher Forst begonnen. Als Grund wurde von den zuständigen Behörden der fehlende Brandschutz in den Baumhäusern genannt. Die Häuser wurden von Umweltaktivisten gebaut als Symbol gegen den Kohleabbau. Der Energiekonzert RWE will im Herbst weite Teile des Waldes zum Zweck des Braunkohleabbaus abholzen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) verteidigte die Räumungsaktionen. "Der Staat muss sich durchsetzen", sagte Reul im Deutschlandfunk. Gerichte hätten entschieden und nun sei es die Aufgabe des Staates, Recht und Gesetz anzuwenden. Dazu gebe es keine Alternative.

Es sei bedauerlich, dass RWE mit der Räumung den Streit um die Zukunft des Hambacher Forsts eskalieren lasse, sagte hingegen die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Deutschlandfunk. Damit schaffe das Unternehmen Fakten und provoziere auch die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission. „Wir können sehr viel schneller aus der Kohle aussteigen, als manche jetzt sagen. Und je schneller wir das tun, desto weniger muss man auch in Hambach noch roden und Braunkohle abbauen“, sagte sie. Aus ihrer Sicht sei es daher ratsam, die Diskussion in der Kohlekommission abzuwarten und dann erst zur Tat schreiten. Es sei möglich frühzeitiger aus der Kohle aussteigen, um damit auch die Klimaziele zu erreichen.

Lesen Sie mehr

16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Grimm · 1.
    Danke Bernd Schmitz !

    Und ich habe immer geglaubt, dass unsere Nutztiere das Klima kaputt rülpsen und furzen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Bernd Schmitz · 2.
    NRW und seine Treibhausgasemmissionen

    Treibhausgas-Emissionsinventar Nordrhein-Westfalen 2016 Fachbericht 87, LANUV 2018 Treibhausgasemissionen NRW im Jahr 2016 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 285,6 Mio. t CO2-Äquivalente emittiert. Dies bedeutet eine gegenüber dem Vorjahr praktisch unveränderte Emission (+0,1 %) und eine Minderung von 22,4 % gegenüber dem Bezugsjahr 1990. 52,7 % der THG-Emissionen entstehen 2016 im Sektor Energiewirtschaft. Weitere bedeutende Emissionssektoren sind die Emissionen der Industrie (19,1 %), der Verkehr (12,1 %) sowie Haushalte und Kleinverbraucher (10,6 %). Die Bereiche Landwirtschaft und Abfall verursachen 2,6% bzw. 0,2% der nordrhein-westfälischen Treibhausgas-Emissionen. Quelle: www.lanuv.nrw.de

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Heinrich Roettger · 3.
    Braunkohle zu verstromen ist unklug!

    Die restliche Braunkohle sollten wir in Deutschland lieber im Boden belassen .Diese Resource weiter zu nutzen ist rückwärtsgewandt.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Christian Bothe · 4.

    @Esser Kann das gut nachvollziehen.Bin im Wismutgebiet aufgewachsen und sehe was da an Rekultivierungsmassnahmen gemacht wird.Das LN bei Ihnen verbraucht wird,ist bedauerlich aber es ist nun mal 12 Jahre lang entschieden wurden...

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Heinrich Esser · 5.

    Danke, Herr Bothe, aber wir haben hier selber den oben besagten Tagebau vor der Haustür. Natürlich ist es schön zu sehen, wie das Land rekultiviert wird. Trotzdem wäre es mir lieber, dass es nicht so weit gekommen wäre. Und wie gesagt kostet der Abbau enorm viel wertvolles Ackerland, welches bei weitem nicht durch die Rekultivierung ersetzt wird.

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Rudolf Rößle · 6.
    Falsch

    von Seiten der Demonstranten und der Polizei, sich unnötig in Gefahr zu bringen. Bei dem Stuttgart 21 Projekt waren sich Alle danach einig, dass durch mehr Ruhe und bessere Gesprächsführung viel mehr erreicht wird. Wer will da noch Polizist sein und wenn es auf beiden Seite Verletzte oder Tote gibt? RWE hat so viel Geld, dass sie auch nächstes Jahr beginnen können. Kohleabbau gehört eh aus Abstellgleis. Der regenerative Ausbau wäre schon viel weiter , wenn sie uns Privatpersonen nicht so viel Hindernisse in den Weg legen würden.

    Das meinen unsere Leser:
  7. von Wilhelm Gebken · 7.
    Sehr geehrter Eike Bruns : Ich stimme ihren Argumenten zu - bis auf die Rolle der AbL

    Denn auch Ihre Argumentation führt zu dem Ergebnis dass die AbL (wieder einmal) voll daneben liegt. Völlig richtig schreiben Sie von Rechtstaatlichkeit und verweisen auf Stalleinbrüche, die eben nicht rechtskonform sind. Exakt dasselbe passiert im Hambacher Forst. Wir haben einen 12 Jahre andauerndes Verfahren, dass 2016 mit dem Ergebnis zu Ende gegangen ist, dass der beabsichtige Tagebau rechtskonform und die Baumbesetzung illlegal ist. Mehr geht nicht! Bestimmte Gruppierungen aus dem links/grünen Millieu, die offensichtlich über die nötige Zeit und die nötigen finanziellen Mittel verfügen (von wem?), scheren sich einen Dreck um die höchstrichterlichen Entscheidungen und greifen Polizeibeamte mit Waffengewalt an. Wer eine Zwille mit Stahlkugeln benutzt, nimmt den Tod der betroffenen Polizeibeamten billigend in Kauf! Es geht hier also gar nicht um die auch von der AbL als moralisch überlegen dargestellte Legitimation zur Rettung des Klimas. Es geht darum, dass diese angebliche "moralische Überlegenheit" missbraucht wird, um sich über unser aller Rechtsstaat zu erheben. Sowohl bei Stalleinbrüchen als auch zur "Rettung des Klimas". Niemand kann mehr auf die ehemalige Sicherheit unserer Verfassung vertrauen, wenn sie jederzeit durch Dritte, die sich dazu "moralisch legitimiert" sehen oder als "Opfer" darstellen, ausgehebelt werden kann. Die Spaltung unserer Gesellschaft in "Gute" (links/grüne) und "Böse" (alles was nicht links von Merkel ist) ist bereits weiter fortgeschritten, als sie ahnen und die AbL lässt sich dafür instrumentalisieren, anstatt sich für die Rechte der Landwirte einzusetzen.

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Eike Bruns · 8.
    Bei Anne Will wurde zum Klimathema

    nur ein Vertreter der Landwirtschaft eingeladen. Auto, Verkehr und Industrie wurden "übersehen". Die Landwirtschaft macht angeblich unter 10 % der schädlichen Klimagase aus. Braunkohle Verstromung ist angeblich klimaschädlich. Wir hier in diesen Foren, in denen Landwirte Meinungen äußern, sollten versuchen nicht darauf zu achten WER etwas sagt sondern WIE er etwas sagt und vor allem WAS er sagt. Es ist absolut richtig den Braunkohleabbau zu kritisieren( wie man das macht sollte aber rechtskonform sein). Wir Landwirte sind dabei uns den schwarzen Peter für den Klimawandel anziehen zu lassen, darum ist in diesem einen Fall der Hinweis der AbL richtig. Wenn wir das anerkennen werden wir sicherlich von ernsthaften Politikern wahr genommen und in sachlichen Diskussionen könne wir dann auch sensiblere Themen wie die Legalisierung von Stalleinbrüchen ansprechen. Eine Streit Kultur wie sie mittlerweile in den Deutschen Bundestag eingezogen ist, in dem Herr Gauland sagt es ist verboten den Hitlergrus zu zeigen und ausgebuht wird Herr Schulz für die gleiche Aussage stehenden Applaus bekommt (bitte den Kontext beachten), sollte hier nicht weiter gepflegt werden. Bleibt sachlich!!!

    Das meinen unsere Leser:
  9. von Lucia Heigl · 9.
    Text verändert?

    Warum wurde die ursprüngliche Meldung so verändert und die Hinweise zu den gefällten Bäumen im Hinblick auf den Holzmarkt und damit die direkten Folgen für Waldbauern und Waldbesitzer rausgenommen?

    Anmerkung der Redaktion:
    Weil das eine Tatsachenbehauptung ist, die derzeit nicht verrifizierbar ist. VG Die Redaktion

    Das meinen unsere Leser:
  10. von Bernd Schmitz · 10.
    Hambacher Kohle

    wird in den größten Klimakillern Europas verfeuert. Leider ist in diesem Bericht hier nicht die in der PM veröffentlichte Grafik des LANUV in NRW mit aufgeführt die zeigt, welch massiven Ausstoß an klimaschädlichen Gasen die Kohle hat und wie lächerlich der Anteil der Landwirtschaft dagegen wirkt, über den alle im Sommer gesprochen haben. https://www.lanuv.nrw.de/klima/klimaschutz/treibhausgas_emissionsinventar/ Am Ende wird dort ein Loch von 11 Quadratkilometer hinterlassen. Welche Auswirkungen der tolle Naherholungssee dann auf die Lw vor Ort hat, wird nirgenwo diskutiert

    Das meinen unsere Leser:
  11. von Alexander Audrit · 11.
    Was soll das?

    Nichts gegen die Mitglieder des AbL aber ich wüsste mal gern was die Leute vom AbL sagen würden wenn diese Typen auf dem Land der AbL Mitglieder ständig sitzen und protestieren würden? Die Sache ist rechtens und es wird Zeit das Recht auch nochmal durchgesetzt wird. Ansonsten haben wir Landwirte auch kein Rechte mehr auf denen wir bestehen können! Es wird höchste Zeit das diese A.... von den Bäumen geholt werden. Besser die Kohle wird noch 10-15 Jahre verbrannt als das uns ein Belgischer oder Französischer Atomreaktor um die Ohren fliegt! Nirgendwo sonst auf der Welt ist das Gefahrenpotenzial einer Nuklearkatastrophe höher als genau in der westlichen Mitte Deutschlands!

    Das meinen unsere Leser:
  12. von Wilhelm Gebken · 12.
    Zitat: "Gerade in einem Jahr wie diesem, in dem die Dürre Hilfen für Land- und Forstwirte nötig gemacht hatten, verstehe der Vorsitzende nicht, wie die Landesregierung weiter auf Braunkohle setzen könne."

    Dann will ich dem Vorsitzenden mal beim Verstehen unter die Arme greifen: 2016 hat die damalige rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen nach Verhandlungen mit der RWE entschieden, den riesigen Braunkohletagebau Garzweiler zu verkleinern und dafür den wesentlich kleineren Bereich des Hambacher Forstes abzubauen. Das geschah mit den Stimmen der Grünen und auch der Stimme der jetzigen Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Schulze war damals mit an jeder Entscheidung beteiligt – als SPD-Ministerin in der NRW-Landesregierung. Es liegen also alle politischen Entscheidungen zum Abbau vor, es liegen sämtliche Genehmigungen vor und alle Entscheidungen wurden durch höchstrichterliche Urteile bestätigt. Trotzdem gibt es eine Gruppe militantenter grün/linker , die den Wald besetzt hält und mit Gewalt gegen die Polizei vorgeht. Ganz anders dagegen in Hessen. Dort sollen im 23.000 ha großen Reinhardswald, einem wertvollen Naturschutzgebiet 40 Windräder mit 230 m Höhe gebaut werden. Dafür müssen riesige Schneisen durch dieses einmalige Gebiet geschnitten werden und für Schwertransporte befestigt werden. Jeder weiß, was das bedeutet. Merkwürdigerweise ist dort noch keiner von den militanten Baumbesetzern aufgetaucht.

    Das meinen unsere Leser:
  13. von Christian Bothe · 13.

    @Esser Sehen Sie sich mal im Osten um,wie man die Tagebaulöcher saniert hat.Es sind teilweise Naherholungszentren geworden.

    Das meinen unsere Leser:
  14. von Heinrich Esser · 14.

    Naja also ich hab lieber ein paar Windräder mehr hier rumstehen, als dieses fiese Loch vor der Türe. Ganz abgesehen davon, wie viel Ackerland wieder verloren geht. Aber das lässt sich jetzt nicht mehr vermeiden, Schuld ist einzig unsere hohe Nachfrage an Strom und nichts anderes. Der Umschwung auf andere Energiequellen hätte nun mal viel früher stattfinden müssen.

    Das meinen unsere Leser:
  15. von Christian Bothe · 15.

    So ein Unsinn,was da AbL und Co.publizieren.Die Sache ist rechtens wie wir wissen und endlich greift der Staat durch,scheinbar war Chemnitz eine Lehre...Was die Kohleverstromung betrifft,ist sie eben noch nicht ersetzbar,und das in Bezug auf die Dürre in diesem Jahr zu beziehen,weit hergeholt.Ein gesunder Energiemix mit möglichst wenig Windmühlen in unserer schönen dt.Landschaft wäre wünschenswert und andere Länder machen uns das vor,und auch unsere LW kann davon profitieren wie wir wissen(Biogas etc.)

    Das meinen unsere Leser:
  16. von Wilhelm Grimm · 16.
    Wenn die Kohle nicht aus dem Hambacher Forst kommt,

    kommt sie aus dem Ausland. Und die Bäume ? da wird es doch wohl Rekultivierungspläne geben.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren