AbL kritisiert unsolidarische Berufskollegen

AbL-Plakat AbL-Plakat auf der Demo in Berlin im Januar
Bild: AbL

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert große Agrarbetriebe, die in Zeiten der Dürre ihre finanziellen Möglichkeiten zu Lasten der Kleinen ausnutzen.

„Bei einigen Berufskollegen scheint solidarisches Handeln ein Fremdwort zu sein. Wenn große Biogasunternehmen Milchbauern Mais zu Höchstpreisen vor der Nase wegkaufen, den diese Betriebe dringend zur Sicherung der Winterfuttergrundlage bräuchten, wird das die Diskussion untereinander um Strom oder Tierhaltung nur anheizen, statt um intelligente Lösungsmöglichkeiten zu ringen, mit denen beide Seiten gut wirtschaften könnten“, so die AbL in einer Pressemitteilung.
 
Pauschale Verurteilungen unterlassen!
 
Für einen gefährlichen Bumerang hält die Arbeitsgemeinschaft auch die pauschalen Verurteilungen der Landwirtschaft durch einige Politiker und Nichtregierungsorganisationen. „Wir müssen zusammen eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft auf den Weg bringen, statt zu spalten. Dabei ist das beliebte gegenseitige Ausspielen von konventioneller und biologischer Landwirtschaft kontraproduktiv“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Auch in der AbL gebe es Biomilchbetriebe, die auf Grund verdorrter Weiden vorzeitig Kühe zum Notschlachten bringen müssten. Hier sei man froh darüber, dass konventionelle Berufskollegen aus Nicht-Dürregebieten bereit seien, Futter zu fairen Preisen abzugeben und dies auch von Landesregierungen als Ausnahme genehmigt wird.
Wenn jetzt aber Verantwortliche aus der Politik den ökologischen und ökonomischen Sinn von Zwischenfrüchten entdeckten und die Futternutzung derselben auf ökologische Vorrangflächen zulassen möchten, sei dies zwar löblich, aber Zwischenfrüchte würden ohne nennenswerte Niederschläge auch nicht wachsen, so die AbL weiter. Daher müsse die Politik die Mehrkosten der viehhaltenden Betriebe in Dürreregionen bei Futterzukauf kurzfristig finanziell ausgleichen statt Transportsubventionen zu geben.

„Damit wir Planungssicherheit auf den Betrieben bekommen, brauchen wir zudem ein Aktionsprogramm und einen Innovationsfonds, damit Betriebe sich an Wetter- und Klimaschwankungen anpassen, selber klimaschädliche Gase reduzieren und eine Klimaschonende Landwirtschaft betreiben können.“

Die AbL bekräftigt deshalb die Forderung an Bundesministerin Klöckner nach Einberufung eines Agrargipfels, um Lösungsansätze zu beschließen und den verantwortungsvollen Beitrag aller Marktbeteiligten (Molkereinen, Schlachthöfe, Getreidehandel, Bauern- und Verbraucherorganisationen) abzufordern.

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Josef Straubinger · 1.
    Holzweiher

    Abl-Agarindustrie-Konventionelle-Solidarität Fehlanzeige wurde schon beim Milchstreik offenbart zum Nutzen der übrigen 98% kann mir jemand erklären wieso es für Zucker,Mich ,Fleisch den freien Markt gibt, jedoch bei Strom aus Biogas freier Markt Fehlanzeige,mit dem bekannten Eingriff in die Pachtpreise ! Landwirte produzieren Mittel zum Leben die Politik sollte sich überlegen ob es nicht für die Ernährung des eigenen Volkes sinnvoll wäre die Nahrungsmittelpreise nach oben sowie auch nach unten zu Deckeln. " Safety first ok" den Nutzen von Neid,wachsen(wo ist das Ende der Fahnenstange) ziehen nicht die Landwirte ans Land !!!

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  2. von Harald Finzel · 2.

    Ich bitte um Verzeihung, Herr Ilchmann. Mein Fehler. Natürlich steigt die AbL nicht mit Greenpeace bei WHES ins Bett! Sondern mit BUND, Nabu usw. Mit Greenpeace hat die AbL ja lediglich den Mist vor dem letztjährigen Bauerntag abgekippt. Das ändert die Sachlage natürlich völlig. Nicht. --- Aber sagen Sie mal: Warum haben AbL-Mitglieder denn eigentlich plötzlich Interesse am völlig überdüngtem, pestizidverseuchten Mais der Agrarindustrie, der womöglich noch unter Zuhilfenahme von Glyphosat angebaut wurde? Man kann doch allerorts lesen, dass sich die Kleinbetriebe, die nicht gegen, sondern mit der Natur arbeiten, viel besser für derartige Trockenphasen gerüstet sind? Sollten diese Betriebe dann nicht gestärkt aus diesem Dürrejahr hervorgehen, auch ohne Futterzukauf?

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  3. von Ottmar Ilchmann · 3.
    @Gebken

    Wenn man die Situationsbeschreibung von Herrn Koch und von Ihnen mal gelten lässt, bleibt genau die Frage, die Sie stellen: Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort ist ganz einfach: Wir Bauern haben es so weit kommen lassen und lassen all das mit uns machen! Daran hat auch die "Berufsvertretung " durch den BV einen großen Anteil, aber es sind letztendlich die Bauern selbst, die sich unsolidarisch verhalten und sich ins Hamsterrad jagen lassen.

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  4. von Ottmar Ilchmann · 4.
    @Finzel

    Schlecht informiert, Herr Finzel, bei der Demo für bäuerliche Landwirtschaft in Berlin, die Sie wahrscheinlich meinen, ist Greenpeace gar nicht dabei. Wahrscheinlich sind Sie über alles andere ebenso gut informiert wie über die Teilnehmer.

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  5. von Harald Finzel · 5.
    Bin ich beim Postillion gelandet?

    Das ist jetzt ein Witz, oder? Die AbL wirft ausgerechnet denjenigen mangelnde Solidarität unter Berufskollegen vor, gegen die sie jeden Januar in Berlin mit Greenpeace und Co ins Bett steigt?

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  6. von Wilhelm Gebken · 6.
    Die Angst des Politikers ...

    Herr Koch hat die Realität sehr gut beschrieben. Die Frage ist: Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort darauf ist eigentlich banal: Die größte Angst der Politik besteht darin, dass die Bevölkerung in eine existenzbedrohende Situation gerät. Das wäre bei einer Hungerkrise der Fall. Keine Regierung dieser Welt kann so etwas auch nur eine Woche überleben. Die Weltgeschichte ist voller Beispiele. Das Einzige was dagegen getan werden kann und es wurde in Deutschland getan, ist: Soviel produzieren wie möglich, wenigstens das Doppelte des Benötigten, damit eine Dürre den Bürger nicht erreichen kann. Das Problem sind die dabei entstehenden Überschüsse. In einer Marktwirtschaft sinkt sofort der Preis wenn zuviel produziert wird und das führt zu einer Drosselung der Produktion. Nicht so bei uns. Alle Überschüsse werden in einem intelligenten System umgeleitet. Z. B. wird aus überschüssigem Brotgetreide Futtergetreide. Die Maßnahmen sind komplex. Sie haben nur einen Nachteil: Für die Bauern gibt es keine "guten Zeiten" in denen sie Rücklagen bilden können und das Dürrerisiko wird vom Verbraucher, der bei Mangel ja eigentlich mehr zahlen müsste, auf die Bauern verschoben. Trotz "Mangel" ändert sich der Verbraucherpreis bei Aldi und Lidl nicht. Es ändern sich nur die internen Bedingungen und Preise der Bauern und des Handels. Brotgetreide kann nicht steigen, es ist ja trotz Dürre genug da. Das die Kalkulation mit 25% Minderertrag nicht mehr aufgeht ist angeblich "Unternehmerrisiko!"Futter wird teurer. Fleisch wird billiger. Das heißt: Die einzigen die überhaupt um Preise konkurrieren sind die Landwirte untereinander. Sie stehen im ständigen Wettbewerb. Solidarität funktioniert aber nur dann, wenn ein gemeinsames äußeres Ziel vorhanden ist, z. B. die Durchsetzung besserer Preise beim Verbraucher, was, wie oben beschrieben, nicht funktioniert. Wenn also Solidarität eingefordert wird, so sollte auch ein gemeinsames Ziel formuliert werden können.

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  7. von Ottmar Ilchmann · 7.
    @Erwin Koch

    Finden Sie das von Ihnen so wortmächtig geschildete Szenario gut, Herr Koch? Möchten Sie in so einem sozialen Umfeld gerne leben?

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  8. von Erwin Koch · 8.
    Wettbewerbsfähig und solidarisch geht das ???

    Im Gegensatz zu den Kritikern der Landwirtschaft aus Gesellschaft und Politik die überhaupt nicht wissen welche Landwirtschaft sie nun tatsächlich wollen, dabei eher äußerst konfuse Vorstellungen von der Landwirtschaft der Zukunft haben. Hat der Bauernverband klare Vorstellungen. Er setzt auf den wettbewerbsfähigen Wachstumsbetrieb der auch in einem Jahr wie in diesem steuerliche Rücklagen bilden kann. Wer das schafft und auch in Zukunft den weltweiten Wettbewerb auf dem globalisierten Agrargütermarkt bestehen will der kann sich mit Verlaub keine "Gefühlsduseleien" erlauben. Der muss täglich um seinen Vorteil, und dem seines Betriebes kämpfen auch bei Dürre und Unwetter. Der darf keine Kollegen mehr kennen der hat nur noch Mitbewerber um Flächen, Produktionskapazitäten und lukrative Märkte. Solidarität wie es dies vielleicht zu anderen Zeiten in der Landwirtschaft ein mal gegeben haben sollte kann der Zukunftslandwirt nur dem Kollegen gegenüber zeigen von dem er ausgehen kann das er dessen Flächen oder den ganzen Betrieb in wenigen Jahren sicher übernehmen wird. Sorry AbL; hier geht es nicht um Anstand oder Mitmenschlichkeit wenn schon die obersten Politiker, Parteienvertreter und sozial immer und für alle aktiven Organisationen ein riesen Kasperletheater machen wenn es um die Hilfe und ein paar Euro für einige durch die Dürre ruinös geschädigte "Kleinbauern" geht, kann man da einem cleveren Zukunftslandwirt der auch in diese Jahr gut geerntet hat und jetzt das Geschäft des Jahres machen will Egoismus und unsolidarisches Verhalten vorwerfen?? Gut man kann und sollte es auch tun! Aber wo bleibt die Solidarität der NGOs, der Verbraucher, der sonstigen immer nur Guten, einschließlich der Kirchen? Wir Bauern müssen erkennen das die Agrarpolitik in Brüssel ,Berlin und in vielen Organisationen und Parteien (auch die, die sich immer gerne von uns wählen lassen) vom Recht des Stärkeren geprägt ist und eben keine "solidarische Landwirtschaft" mit Chancen, auch für kleiner bäuerliche Familienbetriebe und Betriebe in benachteiligten Regionen (Wolfsregionen) haben will.

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  9. von Michael Raffenberg · 9.

    Solidarität ist für die meisten "Kollegen" doch schon lange ein Fremdwort!

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  10. von Gerhard Steffek · 10.
    Realität!

    An der Realität zerprallt doch zurecht immer wieder die Ideologie. Es ist schade, daß sich auch die ABL zu einer Schlagwortagitation hinreißen läßt im Angesicht der Realität. Wenn es ums Überleben geht, dann ist im Grunde genommen noch immer ein jeder sich selbst der Nächste. Altruismus hin oder her, die Natur hat nicht ohne Grund den Willen zur Selbsterhaltung, Selbstbehauptung vor der Selbstaufgabe, Selbstlosigkeit gestellt. "Safety first" ist schließlich auch der Grundsatz eines jeden Feuerwehrlers, Polizisten, und sonstiger Ersthelfer. Zumindest sollte er es sein. Denn oftmals gibt es sonst keinen zweiten Versuch.

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