Ambitioniert: AbL schlägt Neuland-Kriterien für alle Tierhalter vor

„Für uns Bauern ist dieses Gutachten eine wissenschaftliche Bestätigung, dass an einer artgerechten Tierhaltung auf den Höfen kein Weg vorbei geht. Es ist deshalb an der Zeit, dass die Bundesregierung ein Umbauprogramm für die Tierhaltung auf den Weg bringt, das Tierschutz und Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe in Einklang bringt.“ Das erklärte Martin Schulz, Bauer aus dem Wendland (Niedersachsen) und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zu den am Mittwoch vorgestellten Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats.

Die Gesellschaft will seiner Meinung nach zu Recht wissen, wie ein Tier gehalten, gefüttert, medizinisch behandelt, transportiert und geschlachtet wird. „Industrielle Massentierhaltung in Deutschland mit Beständen über 10.000 Zuchtsauen, über 50.000 Mastschweine, über 200.000 Masthähnchen sind nicht nur die Totengräber einer bäuerlichen Landwirtschaft –sie müssen verboten und der Bau solcher industrieller Anlagen umgehend gestoppt werden“, schimpft der Neuland-Schweinehalter.

Für ihn gelten als Orientierung für eine bäuerliche Landwirtschaft die Tierbestandsobergrenzen des von der AbL mitbegründeten Neuland-Programms (z.B. zur Zeit 950 Schweinemastplätze, 150 Sauen). „Wir sind für Stroheinstreu und Weidehaltung für die Wiederkäuer. Das Schnäbelkürzen bei Geflügel, die Tötung von männlichen Küken und das Schwänzekürzen bei Schweinen müssen umgehend verboten werden.“ Zahlreiche Bio –und Neulandbetriebe würden seit Jahren in der Praxis beweisen, dass eine artgerechte Nutztierhaltung geht und wirtschaftlich sein kann.

Ebenso ist es für Schulz selbstverständlich, dass die Tiere so weit wie möglich mit einheimischem GVO-freiem Futter versorgt werden, beim Eiweiß insbesondere mit einheimische Leguminosen (z.B. Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen etc.). „Uns ist bewusst, dass durch den ruinösen Preis- und Rationalisierungsdruck auch in kleinen und mittleren Betrieben eine nicht artgerechte Tierhaltung vorkommen kann. Jahrelang haben Politik, Wissenschaft und Beratung auf „Wachsen oder Weichen“ gesetzt. Deshalb müssen jetzt staatliche Förderungen für ein „Umbauprogramm Tiergerechte Haltung“ als Anreiz für den Bau artgerechter Stallungen gegeben werden“, fordert Schulz.

+++++ Alle Infos und Stimmen zum WBA-Gutachten finden Sie auf unserer Themenseite Tierwohl +++++

Lesen Sie mehr

12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von paul-maier · 1.
    Ausgerechnet Neuland.

    Die setzen wohl auf das Kurzzeitgedächtnis der meisten Mitbürger, sonst würden sie sich schämen, nach all den Skandalen gerade in ihrem Bereich schon wieder so weit die Klappe aufzureissen. Aber denen wird ja offensichtlich alles verziehen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von xf1 · 2.
    Mit "Neuland" und dessen Programm können

    ...sich die wenigsten Bauern identifizieren - unabhängig dessen, ob möglicherweise ein sinnvoller Punkt dabei wäre. Neuland wird gedanklich sofort mit Tierschutzbund und BUND verbunden. Gäbe es eine getrennt erfasste Kriminalitätsstatistik, könnte man auch klar zwischen Tier- und Umweltschützern und Bauern differenzieren. Mit solchen Leuten unter eine Decke zu schlüpfen, ist unter der Würde eines JEDEN Bauern. Die Bauern sind gut beraten, wenn sie sich auch künftig gegenüber Randgruppen aller Art auf Distanz bleiben. Ich möchte als Bauer weder mit den Lügen eines BUND in Verbindung gebracht werden, noch mit der Tierquälerei eines NABU, oder den Haltungsbedingungen von Tieren in Tierheimen unter der Schirmherrschaft des Tierschutzbundes. Auch die Führungspersonen vieler Randgruppen sind nicht mit dem Verständnis von Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit von Bauern vereinbar. Was hat Hubert Weiger als Mitglied des Nachhaltigkeitsrates von der Täuschung der EU über den Gewässerzustand Deutschlands gewusst? Wenn er davon gewusst hat, was hat er dagegen unternommen? Ich glaube, wer mit solchen Leuten einen Bund eingeht, lädt einen gewissen Teil von Schuld auch auf sich selbst.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Doris Peitinger · 3.

    Tja, was wäre, wenn die Tiere tatsächlich nach Neulandkriterien gehalten würden ( Die im Raum stehenden Vorschriften der EU werden ohnehin in den nächsten Jahren greifen )? Die Überschussproduktion würde ganz schön eingebremst werden, was sich nur günstig auf die Preise auswirken würde. Wichtig ist, dass es sich für die Bauern tatsächlich lohnt. Und nicht solange dagegen gewettert wird, bis es zu spät ist und dann mit merkwürdigen Tierschutzprogrammen, die dann wieder der Bauer zahlt, reagiert wird.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Slowfoot · 4.
    Naja

    zumindest hat Topagrar keine Mühen gescheut, den NEULAND Produzenten mit grosser Biogasanlage (mit Holztrocknung?), deren Immissionsfahne im Zusammenhang mit umfangreichen Stallanlagen sich mitten in ein Waldgebiet ergiesst in dem sich die Anlagen befinden, ins schmucke Bild christlichen Ursprungs zu stellen. Alle Achtung und Respekt für diesen Eifer! Die Pressekonferenz von Eu Agrarkommissar PhilHogan in Brüssel zum Ausstieg aus der seit 31 Jahren bestehenden Milchquote ist dieser fortschrittlichen Agrarzeitung Topagrar sichtbar keine Silbe wert

    Das meinen unsere Leser:
  5. von xf1 · 5.
    Innerhalb der Klammern im unteren Kommentar sollte in kurz das stehen:

    http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/nicht-besonders-artgerecht-fleisch-betrug-verbrauchertaeuschung-bei-neuland-siegel_id_3895916.html Wer hat bei diesen Trägern etwas Anderes erwartet?

    Das meinen unsere Leser:
  6. von xf1 · 6.
    Dass die Neuland-(...) ihre Stunde gekommen sieht,

    .... wenn Wissenschaft sich von der Politik kaufen lässt, war absehbar.

    Das meinen unsere Leser:
  7. von lürade · 7.
    Landeskirche Hannover,

    das Bild zeigt die Windrichtung.

    Anmerkung der Redaktion:
    Das Foto ist ein Schmuckbild, um Ihnen Martin Schulz zu zeigen. Die Landeskirche hat mit der Meldung und dem Thema nichts zu tun, ist nur Bildinhaber.

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Bauer-Berni · 8.
    AbL?

    Die schaffen es ja nicht einmal ihre eigenen Kriterien bei Neuland umzusetzen.

    Das meinen unsere Leser:
  9. von stabilo8 · 9.
    Ich

    bin dafür daß alle so produzieren müssen wie ich!!

    Das meinen unsere Leser:
  10. von Öko-Bauer · 10.
    Ist bäuerliche Landwirtschaft gleichbedeutend mit Tierschutz?

    Wo immer aktuell mehr Tierschutz in der Landwirtschaft proklamiert wird, fällt, als Zukunftsperspektive, auch die Begrifflichkeit "bäuerliche Landwirtschaft". Was ist denn das überhaupt? Es ist lediglich eine Phrase wie Massentierhaltung, industrielle Landwirtschaft uam. Dabei stellt sich doch die Frage, ob es den Nutztieren wirklich besser ging, als wir nur "bäuerliche Landwirtschaft" hatten. Ich kann mich da an sehr unangenehme Zustände erinnern!

    Das meinen unsere Leser:
  11. von bananenbaer · 11.
    "AbL schlägt Neuland-Kriterien ...

    ... für alle vor." Zeitgleich sucht man noch Mitarbeiter fürs Um-Etiketieren von konventionellen Produkten zu Neuland-Ware. ;-D "Zahlreiche Bio- und Neulandbetriebe... beweisen dass... es geht und wirtschaftlich ist."-> mit einem Marktanteil bei Schweinefleisch von 0,5 %. Schulz, geh nach hause und füttere deine Biogasanlage.

    Das meinen unsere Leser:
  12. von Slowfoot · 12.
    Mit Biogasanlage

    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Meyer-Schaerfere-Tierschutz-Regeln-bis-2016,schweine279.html

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren