Ausbau der Initiative Tierwohl steht an

Albert Schulte to Brinke Albert Schulte to Brinke
Bild: Landvolk

Für Niedersachsens Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke ist die Initiative Tierwohl ein Erfolgsmodell, im Gegensatz zu anderen Versuchen, mehr Tierwohl in die Ställe zu bringen, die im Sande verlaufen seien. Als Beispiel nannte Schulte to Brinke gegenüber dem NDR das Tierschutzlabel des Tierschutzbundes.

Fast ein Viertel der Schweine in Deutschland seien in diesem Jahr hingegen im System der Initiative Tierwohl. "Das hat es vorher mit keinem Label gegeben", sagt der Bauernvertreter. Die Initiative habe mehr Wohlergehen auf breiter Ebene in die Ställe gebracht.

Allerdings müsse sie sich jetzt weiterentwickeln, so Schulte to Brinke. Auch DBV-Präsident Joachim Rukwied fordert: "Das dürfen wir nicht gefährden, weil das die einzige Initiative ist, die bis dato erfolgreich ist." Tatsächlich stehen bei der Initiative für das neue Jahr einige Änderungen an: Mehr Geld und mehr teilnehmende Betriebe. Bislang wurden 3.400 Betriebe gefördert, mit jährlich rund 14 Millionen Schweinen und 232 Millionen Hähnchen und Puten. Ab diesem Jahr sind nach Angaben der Initiative 6.000 Betriebe dabei, weil das Jahresbudget deutlich angehoben wurde. Der Anteile der Schweine im System steigt auf mehr als 20 Prozent, der von Geflügel auf bis zu 60 Prozent.

Kritik

Der Deutsche Tierschutzbund und der Verein Pro Vieh kritisierten dagegen zuletzt, dass die Initiative auf Quantität statt auf Qualität setze. Zudem wolle man mit minimalen Anforderungen den Eindruck erwecken, es gehe den Tieren gut. Tatsächlich seien die Verbesserungen aber nur marginal im Vergleich zu den gesetzlichen Standards. Mehr Tierschutz sei damit nicht gegeben. Auch der Lebensmittelhändler Real zog sich als Reaktion auf den Ausstieg der Tierschutzorganisationen aus der Initiative zurück.

Kritik kommt auch von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. So spreche die Initiative Tierwohl und andere Label zur Zeit freiwillige Teilnehmer an, die ohnehin offen für diese Anliegen seien. "Die 10 bis 20 Prozent der Tierhalter mit den größtem Problemen fallen dabei unten durch", sagte der Ex-Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Thomas Blaha. Doch genau das seien die schwarzen Schafe der Branche, über die immer wieder berichtet werde.

Blaha schlägt stattdessen laut NDR auch regionale Programme vor, um betroffenen Betrieben bei der Verbesserung der Tiergesundheit zu helfen. Darüber hinaus hatte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) Kriterien für ein staatliches Tierwohl-Label vorgestellt, es bis zur Bundestagswahl aber nicht mehr umgesetzt. Ein solches Label könnte in möglichen Koalitionsgesprächen von Union und SPD wieder Thema werden.

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