Ausrottung des Wolfes war früher Staatsangelegenheit

Gedenkstein bei Herbern: "Der letzte Wolf in Westfalen. Am 19. Januar 1835 wurde hier vom Gastwirt Joseph Hennemann – Herbern der letzte Wolf in Westfalen zur Strecke gebracht. Am hundertsten Jahrestage wurde dieser Gedenkstein gesetzt. 19. Januar 1935"
Bild: Deter

Die Ausrottung des Wolfes war vor Jahrhunderten von der Obrikeit befohlen und wurde nicht nur von der Kanzel gepredigt, sondern auch mit hohem finanziellen und personellen Aufwand betrieben. Daran erinnert ein Artikel im Soester Anzeiger vom 9. März 2016. Basis sind die Aufzeichnungen aus dem Archiv des verstorbenen Biologen und Heimatkundler Dr. Reiner Feldmann.

Der letzte Wolf wurde in Westfalen am 17. März 1839 erlegt; bei Herbern im Münsterland steht dazu ein Denkmal. Doch 200 Jahre früher war den Menschen nicht für ein Wolf-Denkmal zu Mute. Er war eine gefürchtete “Bestie”. Der Wolfsjagd mit Wolfsangeln, Fangeisen und Fallgruben wurde mit enormem Aufwand an Geld und Personal nachgegangen, heißt es dazu im Soester Anzeiger.

Die Teilnahme an den Wolfsjagden wurde von der Obrigkeit befohlen und von der Kanzel organisiert. 1641 beklagte sich der Erzbischof von Köln, der auch Jagdherr im Arnsberger Wald war, über die Zunahme der Wölfe und setzte Fangprämien aus. Nicht weniger als 825 Männer nahmen 1623 an der Wolfsjagd teil. Bis in die Totenbücher drang die Kunde vom “raublustigen Gesindel”.

Bürgermeister und Rat von Brilon beklagen sich bei der Regierung in Arnsberg noch 1790, ein Wolf habe unter den Schafen großen Schaden angerichtet. Früher schon hatten Wölfe im Revier des Landesherrn 16 Hirsche gerissen. Das öffentliche Interesse an der Ausrottung der “Schädlinge” war groß. Und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war sie definitiv geschafft. “In unserer dicht besiedelten Landschaft wird der Wolf nie wieder Fuß fassen können”, war im vorigen Jahrhundert die allgemein verbreitete Meinung.

Doch seit Beginn unseres Jahrhunderts sieht man das anders. Außerordentlich schnell hat sich der Wolf von Osten her wieder ausgebreitet, so die Zeitung weiter. Viele Naturschützer in den Verbänden und vor allem auch in den Ministerien begrüßen die Rückkehr der Wölfe als besonderen Erfolg. Der Wolf steht inzwischen unter Naturschutz und darf in ganz Deutschland nicht mehr bejagt werden. Doch nicht alle Naturfreunde, Heimatkundler und Wanderer würden so begeistert den Wandel in der Einstellung des Menschen zum Wolf begrüßen. Sie fragten sich, ob der Naturschutz nicht genug unerledigte Arbeitsfelder und zu wenig Geld für näherliegende Aufgaben habe. Über die Rückkehr der Rebhühner und Kiebitze würde man sich mehr freuen.

Die Zukunft werde es zeigen, ob man den Wölfen die Dezimierung überhöhter Wildbestände überlassen kann, ob etwaige Verluste an Haustieren vor allem an Schafen abzugelten sind und Wanderer und Spaziergänger auch in großen Waldgebieten wie dem Arnberger Wald ein angemessenes Verhalten gegenüber den Rückkehrern einüben, heißt es.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Überflussgesellschaft

    In der Gesellschaft vergangener Jahrhunderte war der Wolf ein Nahrungkonkurrent und dadurch schon gefährlich. Durch Nutztier- und Wildrisse war er ganz real ein Schädling, der das Überleben von Bauern zur damaligen Zeit in Frage stellte. Nur eine Gesellschaft, wie heute, die 80 kg Lebensmittel pro Person und Jahr wegwerfen kann, hat keine Probleme mit dem Wolf als Konkurrent. Der Schaden einzelner interessiert die Mehrheit nicht.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Zum Kotzen!

    finde ich die Arroganz der "Großstadtfracken" gegenüber der Landbevölkerung. Hier meine ich nicht nur die Landwirte, sondern auch den einfachen Dorfbewohner. Harry Scheuenstuhl (SPD/Landtag Bayern) hat sogar die irrige Ansicht, dass dadurch der Münchner der im dritten Stock wohnt dann einmal die Gelegenheit hat einen Wolf zu sehen. Für Herbert Woerlein (ebenfalls SPD) ist eine Absenkung des Schutzstatus für einen Umweltpolitiker "unwürdig". Beides sagt mir viel aus. Der eine ist doch so etwas von weltfremd und der Andere ist nur ideologisch gepolt. Kann man mit den Beiden überhaupt vernünftig reden? Wenn der Münchner einen Wolf sehen will dann kann er jederzeit in den Zoo gehen. Da ist es sicher, daß er einen sieht. In freier Natur wird das nie der Fall sein. Was aber der Fall sein wird ist, dass sich die Dorfbevölkerung abends nicht mehr unbeschwert auf einen Spaziergang trauen kann, etc. Besonders wenn der Hund noch "Gassi" gehen muss. Kommt die Katze noch von ihrem "Streunern" nach Hause? In Bremervörde hörte ich es schon, dass das einzig "Gute" am Wolf ist, das es keine streunenden Hunde und Katzen mehr gibt. Welche Arroganz ist es doch, diese Ängste und Befürchtungen zu negieren, eigentlich Lächerlich zu machen, da der Wolf ja schließlich den Menschen "meidet". Warum, so Frage ich mich, warum wurde dann ausgerechnet der Wolf zum ersten Haustier des Menschen, wenn dieser denn Menschen so sehr meidet?

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  3. von Paul Maier · 3.
    Heute wird die Wiederansiedlung des Wolfes zur Staatsangelegenheit gemacht.

    Wer klüger handelte, unsere Vorfahren oder die heutige Gesellschaft, das können vielleicht erst kommende Generationen beurteilen. Fakt ist aber, dass die Wolfsbefürworter sämtliche Vorbehalte der betroffenen Weidetierhalter mit der Keule des absoluten, gesetzlichen Jagdverbotes, also mit staatlicher Autorität niederschmettern. Der Wolf jagt seine Beute normalerweise im Rudel und der Angriff auf eine Herde traumatisiert auch die überlebenden Tiere, so dass betroffene Herden kaum mehr zu händeln sind. Entsprechende Erfahrungen aus Alpentälern liegen schon vor, werden aber von unseren Wolfsromantikern negiert. So weit kommt es nur, wenn man durch gezielte, jahrelange Hetze gegen Nutztierhalter jede Form des Übergriffs auf deren Eigentum als rechtens im Sinne des Tierschutzes hingestellt hat, wie das bei uns inzwischen leider gängige Praxis geworden ist. Den Landwirten, besonders den Tierhaltern unter ihnen, sowie ihren Herden wird jeglicher staatliche Schutz verweigert, sie sind quasi zum Abschuss freigegeben. Andere Berufsgruppen hätten auf diese neue Art von Diskriminierung schon längst mit einer Radikalisierung geantwortet.

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  4. von Henrik Plaas-Beisemann · 4.
    Ob das Geld anderswo nicht besser angelegt sei, ist eine kluge Frage.

    Der Wolf wird jährlich Millionen kosten, sowohl dem Staat als auch den Bauern. Er gefährdet durch den Verlust der Weidehaltung die Biodiversität und da wo noch Weidehaltung stattfindet, sorgen die wolfssicheren Zäune für eine Zerschneidung der Landschaft und damit für Lebensraumverlust bei anderen Arten. Wer von Werne nach Herbern fährt, sollte kurz innehalten und den Verdiensten unserer Vorfahren gedenken.

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