BUND und HBV fordern Stopp des Flächenverlustes im Offenland

Der BUND ist gegen neue Autobahnen in Hessen
Bild: BUND

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Hessen, und der Hessische Bauernverband (HBV) wollen mit einer gemeinsamen Broschüre ‘”Der Flächenverlust im Offenland muss gestoppt werden!” darauf aufmerksam machen, dass jeder Quadratmeter bisheriger Freifläche, der neu versiegelt wird, unwiederbringlich für die Produktion von Lebensmitteln und die Biodiversität verloren ist.

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“Dem muss Einhalt geboten werden, da natürlich gewachsener Boden auch durch Entsiegelungsmaßnahmen nicht wieder neu hergestellt werden kann”, betonen der Landesvorstandssprecher des BUND Hessen, Jörg
Nitsch, und der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, im Vorwort der Broschüre.

“Um die von vielen Verbrauchern gewünschte regionale Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen, brauchen wir in der Nähe von Städten und dichtbesiedelten Gebieten landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ohne Landwirtschaft vor Ort gibt es auch keine Versorgung mit regionalen Lebensmitteln – das muss allen klar sein”, hob Schmal mit Blick auf den von der Stadt Frankfurt geplanten neuen Stadtteil beidseits der Autobahn A5 hervor.

Die Landwirtschaftsfläche in Hessen habe im Zeitraum von 1992 bis 2015 von cirka 925.200 Hektar auf cirka 884.500 Hektar und damit um 40.700 Hektar abgenommen. Seit 1950 seien fast 200.000 Hektar Landwirtschaftsfläche anderen Nutzungen zugeführt worden.  

Und Jörg Nitsch ergänzt: “Nach Ansicht des BUND vergrößern Städte und Kommunen, die ihr Heil in immer neuen Flächenausweisungen für Siedlungs- und Gewerbegebieten suchen, zunehmend die Abhängigkeit der EU von Nahrungsmittelimporten aus den Entwicklungsländern und exportieren so den Hunger dorthin. Die EU nutzt derzeit außerhalb Europas bereits rund 640 Mio. Hektar Land. Das ist eineinhalb Mal so viel wie die Landesfläche aller 28 Mitgliedsstaaten zusammen.”

Um die Flächenversiegelung zu stoppen, fordern BUND und HBV die hessische Landesregierung auf, in der Nachhaltigkeitsstrategie einen Zielwert beim Flächenverbrauch festzulegen, der sich am Zielwert der Bundesregierung orientiert: Ein Hektar pro Tag bis 2020 und eine schnellstmögliche Reduktion des Flächenverbrauchs auf Netto-Null.

Als Sofortmaßnahmen fordern BUND und HBV, dass alle Planungen, insbesondere für Siedlungs- und Verkehrsflächen, ab sofort mit dem Ziel der minimalen Neuversiegelung überprüft werden.

Konkret müssen

  • Straßenneubauvorhaben flächensparend und vorrangig durch Tunnel- oder Verdolungsvarianten realisiert werden.
  • Parkplätze bei der Ansiedlung von Gewerbe (hier vor allem Einkaufsmärkte) durch den Bau integrierter Parkmöglichkeiten (Unter- bzw. Erdgeschoss) geschaffen werden.
  • Gewerbegebäude (einschließlich Einkaufsmärkte) nur noch in mehrgeschossiger Bauweise genehmigt werden.
  • vor einer Genehmigung neuer Versiegelungsflächen landesweit die derzeit vorhandenen Gewerbebrachen erfasst und einer Wiedernutzung bzw. Umnutzung (z. B. auch zu Wohnsiedlungszwecken) sowie alle Baulücken erfasst und einer Nutzung zugeführt werden.
  • für Wohngebiete flächensparende Formen des Geschosswohnungsbaus mit ausreichender Durchgrünung bzw. Gemeinschaftlich nutzbaren Grünflächen als Standard angestrebt werden.
  • Städte und Gemeinden verpflichtet werden, Leerstandskataster aufzustellen.
  • Bauleitplanungen strikt nach dem Prinzip “Innenentwicklung vor Außenentwicklung” stattfinden.

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Leserkommentare

  • Paul Maier

    08.03.2018 - 19:29 Uhr

    Und so sieht die Wirklichkeit aus.

    Gestern stand ein Bericht in der Lokalzeitung, nach dem in unserer Kreisstadt (mit Ortsteilen ca. 25 000 Einwohner) ein neues Baugebiet mit 101 Bauplätzen erschlossen wird. Da aber schon mehr Anfragen vorliegen, muß der Stadtrat demnächst über einen Antrag beraten, die als weitere Reserve vorgesehenen 40 Plätze ebenfalls gleich zu erschliessen. Natürlich handelt es sich um bisherige Landwirtschaftsflächen. In dem Bericht stand dann auch noch, dass durch diese neuen Wohnhäuser schließlich Wohnungen im Stadtgebiet für den Mietmarkt frei würden. Treibende Kraft ist aber auch die Gier nach steigenden Kommunalsteuern, sowie Einkommenssteuranteilen und und sog. Schlüsselzuweisungen. Schließlich werden auch die Bürgermeister nach der Größe der Kommune besoldet. Dann wird mit dem ökologischen Ausgleich wieder auf Kosten der Landwirtschaft auch noch echtes Greenwashing betrieben, als ob versiegelte Fläche irgendwo neu erschaffen werden könnte.

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