Backhaus: Boden für Landwirtschaft wird knapper

Dr. Till Backhaus Dr. Till Backhaus
Bild: Bundesrat

Die konventionelle Landwirtschaft muss nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus ökologischer werden. Auf der 15. Agrarpolitischen Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Güstrow stellte der Minister den Zwiespalt dar, dem moderne Agrarwirtschaft unterworfen ist.

Einerseits sei die Produktion gesunder und preiswerter Lebensmittel unter Berücksichtigung von Tierwohl, Gewässer- und Bodenschutz, Artenvielfalt und Klimaschutz gesellschaftlich gefordert. Andererseits seien Landwirte neben zunehmenden Extremwetterlagen und schwer vorhersehbaren Preisentwicklungen einem starken Wettbewerbsdruck sowie hohen Pachtkosten und Flächenpreisen ausgesetzt. Obendrein hätten sie zahlreiche nationale und europäische Rechtsvorschriften und Berichtspflichten einzuhalten.

„Verfügbare Acker- und Grünlandflächen in Deutschland werden immer knapper und treiben die Kauf- und Pachtpreise in die Höhe“, berichtete Backhaus. Die Kaufpreise für Boden in MV waren nach einer 20- bis 30-prozentigen Steigerung in den Jahren 2009 bis 2011 im Jahr 2016 erneut kräftig gestiegen und hatten sich seit 2010 mehr als verdoppelt. „2015 haben die Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen in MV erstmals den bundesweiten Durchschnitt überschritten. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern die höchsten Preise der neuen Bundesländer“, so der Minister.

Auch die Pachtausgaben der Landwirte sind gestiegen. Stärker als die Bestandspacht – sie lag 2016 in MV bei 245 Euro je Hektar – stiegen die Neupachten, also die Preise für Pachtungen in den zurückliegenden zwei Jahren. Lagen sie 2016 noch bei 342 Euro je Hektar, so stiegen sie bis zum 31.10.2017 auf 361 Euro je Hektar. Bei der anhaltenden Verknappung von Boden spielten auch Geldanlagen nichtlandwirtschaftlicher Investoren eine Rolle, sagte der Minister.

Öko wächst

Indessen wächst der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in MV. Derzeit bewirtschaften 883 landwirtschaftliche Betriebe etwa 135.827 Hektar Ackerland ökologisch. Von Juni 2015 bis Juni 2017 wuchs der Anteil der Öko-Ackerfläche um 16.750 Hektar auf 10,1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche an. Insgesamt sind 1.141 Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft in MV nach EU-Ökoverordnung zertifiziert.

„Das Verbraucherbewusstsein für ökologisch, regional und saisonal erzeugte Produkten steigt“, so Backhaus. Deshalb müsse die konventionelle Landwirtschaft ökologischer werden. „Mit Blick auf nachfolgende Generationen ist es unser Auftrag, die natürlichen Ressourcen zu bewahren“, sagte er.

Grundprämie statt Direktzahlungen

Minister Backhaus verwies auf sein Anfang Dezember in Berlin und Brüssel vorgestelltes Modell für eine gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP) nach 2020. Sein Modell sieht unter anderem vor, die bisherigen Direktzahlungen an die Landwirte auf eine Grundprämie zu kürzen und deren Zahlung an das Erbringen freiwilliger ökologischer Leistungen zu koppeln.

Die Vergütung für ökologische Leistungen – sie könnten die bisherigen AUKM und den ökologischen Landbau umfassen – soll dazu um 15 bis 30 Prozent gegenüber dem jetzigen Niveau angehoben werden. „Damit bauen wir die Zahlungen zu ökologischen Direktzahlungen um“, erklärte Dr. Backhaus. Erstmals könne der Landwirt mit dem Erbringen ökologischer Leistungen sein Betriebsergebnis aufstocken. „Das ist ein deutlicher Leistungsanreiz, um die europäischen Umwelt- und Klimaschutzziele zu erreichen“, so Minister Backhaus.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Alfons Hümmer · 1.
    Boden wird knapper

    Herr Backhaus stellt fest, dass der Boden für die Landwirtschaft immer knapper wird. Diese Aussage ist richtig. Leider sagt er aber nicht, wie er und seine Partei sich dafür einsetzen will, dass nicht noch mehr Fläche der landw. Produktion entzogen wird. In den letzten Jahren haben viele Politiker versprochen, den Verbrauch von bisher landw. genutzten Grund und Boden durch Umwandlung in Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsfläche zu verringern, dieses Versprechen hat aber kein einziger Politiker eingehalten. In keinem Bundesland gibt es ein Kataster, in dem festgehalten wird, welche Fläche zwar bebaut, aber nicht mehr genutzt wird. In keinem Bundesland gibt es eine Vorschrift, die die Grundstückseigentümer verpflichtet, nicht genutzte Baufläche wieder zu rekultivieren. Stattdessen werden aufgelassene Zechen und ehemalige Stahl herstellende Betriebe als Industriedenkmäler bezeichnet. In Unterfranken wurde nicht auf dem stillgelegten Atomkraftwerk das neu zu errichtende Umspannwerk errichtet. Dort wäre zwar genügend Platz für das Umspannwerk gewesen, die Stromtrassen bestanden auch, aber offensichtlich war es für Tennet billiger, bisher landw. genutzte Fläche aufzukaufen und dort das neue Umspannwerk zu errichten. Abschließende Bemerkung zum Beitrag von Herrn Steffek: Wenn die Landwirtschaft Lebensmittel erzeugt, so müssen diese gesundheitlich in Ordnung sein. Aber wieso müssen sie auch billig sein? Wenn mir der Staat für Agrarumweltmaßnahmen mehr Geld bezahlt als ich auf der gleichen Fläche durch die Erzeugung von Lebensmittel erzielen kann, dann werde ich keine Lebensmittel erzeugen, Wenn ich für Heizöl mehr Geld bezahlen muss als ich für selbst erzeugtes Rapsöl erlöse, werde ich meinen Raps pressen, das Öl für die Heizung der Wohnung verwenden und den Pressrückstand verfüttern. (Vorausgesetzt, der Ölbrenner verträgt Rapsöl). Im übrigen kann jeder Landwirt für sich selbst entscheiden, ob er seine Flächen ökologisch oder konventionell bewirtschaften will. Gott sei Dank haben wir einen freien Markt, so dass jeder Verbraucher entscheiden kann, welche Lebensmittel er einkaufen und essen will. Ebenso kann jeder Landwirt entscheiden, ob und wenn ja, wie er Lebensmittel erzeugen will. Ein Landwirt sollte Unternehmer sein und sollte seine Entscheidungen nach der jeweiligen Rentabilität treffen. Im übrigen haben Verbands-Bio-Betriebe mit DON-Werte keine Probleme, diese Betriebe bauen nach Mais keinen Weizen an.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    zum Kotzen!

    Dieses übliche Gelabere mit Öko und so. Er soll mir mal erklären, wie er die Bevölkerung kostengünstig, gesund und nachhaltig mit der üblichen ideologischen Ökolandwirtschaft ernähren will. Wenn er sich hier auf Rudolf Steiner berufen will, wie es im Rahmen des Demetervereins ist, dann mißachtet er aber gewaltig den geschichtlichen Hintergrund dessen Überlegungen. Diese bestanden nämlich auch nur darin die Landwirtschaft effektiver zu gestalten, nur halt mit den damaligen Mitteln. Wegen der Nachhaltigkeit sollte Herr Backhaus sich einmal über die Esch- oder Plaggenwirtschaft kundig machen. Diese wurde betrieben um eine Düngung für die Felder zu haben und war in keinster Weise nachhaltig. Die Lüneburger Heide ist noch so ein Relikt davon und aus ehemaligen Waldflächen wurden mit der Zeit durch den Raubbau der Plaggenwirtschaft heute diese Magerstandorte. Wenn er noch dazu von "gesunden" Nahrungsmitteln redet und dies mit "Bio" verbindet, wieso geht er dann zum Arzt und läßt sich von dem unter Umständen auch das eine oder andere Antibiotika verschreiben? Würde zeitlich auch zu seiner "Biolandwirtschaft" passen. Denn vor Rudolf Steiner gab es auch keine Antibiotika. Hierzu kann ich nur sagen: dümmer, unüberlegter, verlogener geht es wohl nicht mehr, oder? Der moderne "Biolandbau" ist ja auch keineswegs gesünder. Ich brauche hier nur an den Pflanzenschutz denken. Wenn ich anstatt eines Herbizids dafür x-mal das Feld striegeln oder hacken muß, dann habe ich durch den Einsatz des Schleppers ebenfalls ausreichend Umweltverschmutzung durch den verbrauchten Diesel. Abgesehen davon das ich zudem weniger ernte und somit das einzelne Kilo Erntegut eine höhere "Treibstoffbilanz" aufweist. Bei Fungiziden beißt es doch grundsätzlich aus. Wie betreibe ich im Bioackerbau bei Getreide einen Fungizidschutz. Wenn ich an die DON-Werte denke, dann wird mir schwarz vor Augen. Dann ist das was er hier propagiert nur eine Schädigung der Gesundheit der Bürger.

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