Backhaus: EU-Ökoverordnung ist herber Rückschlag für Tierschutz und Verbraucherinteressen

Dr. Till Backhaus Dr. Till Backhaus
Bild: tv-schwerin.de

Am kommenden Montag, dem 17. Juli 2017, wird der Agrarrat über die weiteren Verhandlungen zur EU-Ökoverordnung entscheiden. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhauszeigte sich am Freitag  maßlos enttäuscht, dass sich die Verhandlungen so lange hingezogen haben und man am Ende weit hinter dem zurückbleibe, was ursprünglich geplant war. Viele äußerst wichtige Details, die derzeit in der aktuell gültigen Verordnung geregelt sind, seien im Text der Revision noch nicht berücksichtigt. Bereits enthaltene Bereiche seien teilweise schlechter gelöst als heute, so Backhaus.

„Ein K.O.-Kriterium ist für mich ganz klar Artikel 20 der Verordnung. Mit diesem Artikel wird u.a. das Verursacherprinzip in Frage gestellt. Bio-Landwirte sollen für Einträge die Verantwortung übernehmen, die nicht in ihrer Verantwortung stehen. So lässt sich zum Beispiel eine Abdrift von Pflanzenschutzmitteln von angrenzenden konventionell bewirtschafteten Flächen nicht gänzlich ausschließen. Damit sind Konflikte vorprogrammiert“, kritisierte der SPD-Politiker.

Und zum Bereich Tierhaltung sagte er: „Wo ist der Fortschritt, wenn das Schnäbelkürzen im ökologischen Landbau weiter zugelassen wird und damit Erreichtes in unseren Ökobetrieben, wo aktuell kein Schnäbelkürzen mehr erfolgt, konterkariert wird. Hinzu kommt, dass in Deutschland aber auch in anderen Mitgliedsstaaten das Schnäbelkürzen auch in konventionellen Betrieben eingestellt werden soll. Es ist völliger Irrsinn, dass wir im konventionellen Bereich zu Recht hohe Anforderungen an das Tierwohl stellen, diese im Ökolandbau unter dem Deckmantel einer fortschrittlichen Verordnung zukünftig aber hinten anstellen. Ein herber Rückschlag für den Tierschutz und Verbrauchererwartungen!“

Ein weiteres Beispiel sei, dass Vorgaben für den Anteil regionalen Futters gemacht würden, aber keine Definition für die ‚Region‘ erfolgt, da man sich wohl nicht einigen konnte. "Einige Mitgliedsstaaten definieren die EU als Region, wir in Deutschland das Bundesland und angrenzende Bundesländer. Wollen wir in Deutschland keine Wettbewerbsnachteile, müssten wir die Regelung aufweichen. Leidtragende wären am Ende auch hier die Verbraucher.“

Kompromisse machen seiner Meinung nach nur Sinn, wenn man, wie ursprünglich angestrebt, insgesamt tatsächlich Fortschritte bei der Weiterentwicklung der ökologischen Erzeugung im tierischen und pflanzlichen Bereich erzielen. Das ist aktuell nicht der Fall. Stattdessen hat ein grüner EU-Abgeordneter den Öko-Bauern einen Bärendienst erwiesen. Ich fordere Bundesminister Schmidt daher auf, dem Kompromiss im Agrarrat nicht zuzustimmen.“

Mehr zum Thema:

Lesen Sie mehr

2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Alfons Hümmer · 1.

    Herrn Stroman ist offensichtlich ein konventionell wirtschaftender Landwirt, der peinlichst darauf achtet, dass er keine Abdrift verursacht. Darüber werden sich ökologisch wirtschaftende Betriebe in seiner Nachbarschaft freuen. Leider gibt es genügend Betriebe, denen die Abdrift völlig egal ist. In den letzten Jahren verminderte sich die Zahl der Stunden, an denen man sorglos Pflanzenschutzmittel ausbringen konnte. Selbst die Verlagerung von Pflanzenschutzmaßnahmen in die Nachtstunden (sofern man sich die dafür benötigte Technik leisten konnte) garantierte nicht die Freiheit von Abdrift. Weiterhin hatte Herr Stroman offensichtlich noch keine Probleme mit Haftpflichtversicherungen, denn dann wüsste er, wie schwierig es ist, ein Verschulden des Versicherungsnehmers nachzuweisen. Die Abdriftprobleme müssen nicht vom direkten Feldnachbar verursacht worden sein, der Verursacher kann auch mehrere 100 Meter entfernt Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt haben. Alle Landwirte haben das Problem, dass ihre Flächen für jedermann zugänglich sind und jedermann die Flächen mit Müll, Altöl und sonstigen Abfallstoffen verseuchen kann. Die Problematik, dass man sich seine Flächen auch mit zertifizierten Kompost und sonstigem Dünger verseuchen kann, brauche ich gar nicht erst anzusprechen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Diedrich Stroman · 2.
    Ökosorgen

    Was ist das für ein Gejammere um die Bioschiene, letzten Endes dreht sich alles um günstig genauso wie bei uns konventionellen und damit das der Import von Bio auch schrankenlose funktioniert aus dem großen EU Raum, in Deutschland gibt keinAbdriften von Pflanzenschutzmitteln mehr soweit ist die gute fachliche Praxis und Technik schon, und wenn's mal malört, hat man auch noch eine Haftpflich!

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren