Bauernbund wehrt sich gegen Landwirtschaft 4.0: "Es geht auch ohne Digitalisierung!"

Smart Farming Smart Farming
Bild: Archiv

Als „Osterhasengeschichte“ hat der Bauernbund Brandenburg die Aussage von Brandenburgs Forschungsministerin Martina Münch (SPD) bezeichnet, die Digitalisierung der Landwirtschaft sei unverzichtbar. „Es ist gut, dass die Ministerin sich für die Agrarforschung im Land stark macht, aber sie muss den Wissenschaftlern nicht alles glauben“, kommentierte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel, der in Barsikow im Ruppiner Land 400 Hektar Acker bewirtschaftet.

„In Zeiten, wo jeder Schüler ein Smartphone und jeder zweite Rentner einen Laptop besitzt, finde ich es nicht besonders aufregend, wenn auch in der Landwirtschaft digitale Technik angewendet wird“, so Kiesel. Diese sei aber bestenfalls ein Hilfsmittel und könne Naturbeobachtung, Wissen und Erfahrung des Bauern nicht ansatzweise ersetzen.
 
Insbesondere widerspricht der Bauernbund der von Münch letzte Woche beim Besuch des Leibnitz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg geäußerten Einschätzung, die Digitalisierung könne helfen, die Erträge zu steigern und die Umwelt zu schützen. „Alle praxisrelevanten Einsatzgebiete wie GPS-gesteuerte Parallelfahrsysteme oder Teilbreitenabschaltungen oder automatische Melksysteme haben Arbeitserleichterung und Bedienungskomfort gebracht, aber so gut wie keinen Einfluss auf die Produktionsergebnisse gehabt“, berichtet Kiesel: „Wir haben bisher ordentlich gewirtschaftet und wir werden das auch in Zukunft tun, mit oder ohne digitale Unterstützung.“
 
Gefahr im Verzug sieht Kiesel allerdings in den ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen der Datenverarbeitung auf dem Acker: „Wir müssen aufpassen, dass wir über die EDV nicht in Abhängigkeit von wenigen landtechnischen Anbietern geraten, und noch mehr, dass nicht von außen zugegriffen werden kann.“ Eine Vernetzung der verschiedenen auf einem Betrieb eingesetzten Systeme sollte der Landwirt deshalb im eigenen Interesse vermeiden: „Wie ich zu meinen Produktionsergebnissen komme, geht niemanden etwas an, schon gar nicht den Staat.“ Der Bauernbund kündigte an, sich künftig intensiver mit dem Thema befassen und Stragegien gegen die totale Agrarüberwachung entwickeln zu wollen. 

Mehr zum Thema:

Lesen Sie mehr

2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Kirsten Wosnitza · 1.
    kritisches Denken

    Anstelle von Blindem Hinterher laufen ist auch hier gefragt. Vor der Anwendung neuer Verfahren sollte vor allem die Kosten Nutzen Relation geprüfte werden. Sowohl auf betrieblicher Ebene als auch in Umwelt und Tierwohlfragen. Wer profitiert - Hersteller oder Anwender? Wer hat die Erhebung der Daten finanziert und wem nutzen Sie am Ende wirklich?

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Schon biblische Erkenntnis!

    Das Auge des Herrn mästet das Vieh! Oder auf Neudeutsch und dem digitalen Zeitalter angepasst: "das Problem ist nicht der Computer, sondern sitzt 50 cm davor". Soll heißen, was hilft die ganze Technik wenn das Umfeld nicht passt. In der Landwirtschaft gibt es zudem noch erheblich mehr Unwägbarkeiten als nur den Menschen vor dem Rechner. Hier gibt es nach wie vor noch Natur pur und die ist nach wie nicht immer berechenbar. Aber wir haben ja jetzt Wahlkampf und da ist anscheinend jeder Blödsinn recht sich ins Rampenlicht zu rücken.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren