Bauernverband schlägt Haltungskennzeichnung für Fleisch vor

Bisher hat sich der DBV zur Haltungskennzeichnung immer bedeckt gehalten, jetzt schlägt DBV-Präsident Joachim Rukwied ein eigenes Modell vor.
Bild: Messe Berlin

Am Wochenende vor dem Regierungsstart überrascht der Deutsche Bauernverband (DBV) mit einem Vorschlag für eine Haltungskennzeichnung für Fleisch. Bauernpräsident Joachim Rukwied brachte ein Modell mit mehreren Stufen ins Spiel. Außerdem plädiert er auch noch für eine Herkunftskennzeichnung.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) schlägt eine neue Kennzeichnung für Fleisch im Supermarkt vor, um die Haltungsbedingungen von Schweinen erkennbar zu machen. «Damit können wir Transparenz und Vertrauen schaffen», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Der Verbraucher soll selbst entscheiden können, welches Produkt er kauft», sagte er weiter.

Konkret könne es ein Modell mit mehreren Stufen geben. Stufe 1 sei gesetzlicher deutscher Standard. Stufe 2 seien höhere Standards - etwa mit mehr Platz im Stall. Stufe 3 sei «Premium», zum Beispiel mit Auslauf ins Freie, erläuterte Rukwied. «Und 0 ist alles, was nicht deutscher gesetzlicher Standard ist.»

Dies könne man auch verpflichtend und in staatlicher Regie umsetzen. «Da sind wir offen», betonte der Bauernpräsident. «Wir erhoffen uns dadurch auch, dass mehr Produkte aus besseren Bedingungen gekauft werden. Das eröffnet dann zusätzliche Perspektiven für die Landwirtschaft

Dazu könne eine Herkunftskennzeichnung kommen. «Zum Beispiel D-D, das heißt, das Ferkel kommt aus Deutschland, und gemästet wurde das Schwein dann auch in Deutschland.» Wenn das Ferkel aus Dänemark stammt, würde die Kennzeichnung «DK-D» lauten, wie Rukwied erklärte.

Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister und Grünen-Parteichef Robert Habeck begrüßte den Vorschlag. «Dass der Bauernverband offen ist für ein verpflichtendes staatliches Label, verdient Respekt.» Die Bauern seien offensichtlich viel weiter als die Große Koalition: «Ein verbindliches Label für alle schafft mehr Fairness und Planbarkeit als das Stückelwerk der GroKo.»

Die künftige Bundesregierung aus Union und SPD will ein staatliches Label für Fleisch aus besserer Tierhaltung einführen. Landwirte, die teilnehmen wollen, sollen etwa mehr Platz für Schweine im Stall schaffen. Bereits seit 2015 gibt es eine «Initiative Tierwohl» der Branche. Dabei werden Zusatzleistungen freiwillig teilnehmender Höfe aus einem Fonds honoriert, in den Supermarkt-Ketten einzahlen.

Rukwied sagte mit Blick auf die vorgeschlagene Kennzeichnung, dies sei «ein sinnvoller und aus Sicht der Landwirte gangbarer Weg». Der Verbraucher könne nachvollziehen: «Dieses Fleisch kommt aus dem Stall dieses Landwirts. Und er kann erkennen, nach welchen Kriterien die Tiere gehalten wurden.» Höhere Standards hätten höhere Kosten. «Das muss sich auch in einem etwas höheren Verkaufspreis widerspiegeln.» Bio-Fleisch stehe mit eigenen, höheren Standards für sich: «Da brauchen wir keine eigene Spezifikation in diesem System.»

Rukwied machte das Ziel deutlich, damit auch heimische Produzenten zu unterstützen. «Es geht darum, überhaupt eine deutsche Ferkelerzeugung zu erhalten.» Der Anteil importierter Ferkel sei deutlich gestiegen, die Hälfte der deutschen Ferkelerzeuger habe seit 2010 aufgehört: «Da wollen wir Stabilität reinbringen.»

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Christ · 1.
    neuer Aufkleber

    noch ein neuer Aufkleber, Fleisch aus Kuschelhaltung

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  2. von Klaus Goller · 2.
    Naiv

    Wie Naiv muss man sein, um zu glauben, das man daraus einen Mehrwert für seinen Betrieb generieren kann. Hier werden nur neue Standards als Basis geschaffen. Es wird keinen Cent mehr geben - nur mehr Arbeit und Auflagen. Das hat die Vergangenheit gelehrt. Kann man auch aktuell bei ITW beobachten. Der Abbau der Zuschläge hat schon begonnen. Viele haben damit ihre Investiitions- und Produktionsmehrkosten nicht decken können. In spätestens 2 Jahren wirds nix mehr geben.

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  3. von Jens Haman · 3.

    Bei den Eiern aus Käfighaltung gab es damals eine sehr umfangreiche Debatte. Irgendwann sah die Politik sich genötigt zu handeln und so kam zu 2010 der Paukenschlag. Ich hatte und habe kein Problem mit "Käfigeiern". Gut ein Jahr später kam Fukushima und damit der überraschende Atomausstieg. Finde ich auch schade, weil vorher nicht ausreichend drüber nachgedacht wurde, wie versorgungssicher und bezahlbar "schöner" Ersatzstrom produziert wird. Aber jeder darf drüber denken, wie er will. Jetzt sind unsere Schweine seit langem in der Kritik - sehr überzogen, wie ich finde. Wollen wir immer noch nicht aus der Vergangenheit lernen und uns später mal wieder was vom Staat überstülpen lassen? Geben wir den Rahmen vor, wird das Übel kleiner und jeder der will, darf seine Schweine weiter nach Mindeststandard halten. Andere können vielleicht eine Chance nutzen. Ich bin kein großer Fan von unserem DBV. Aber diesen Vorschlag finde ich gut.

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  4. von Edelhard Brinkmann · 4.
    Alles nur für die Bürokratie

    Wenn dann alles was anders gehalten wird draußen (BRD) bleibt ist das okay. Sonst ist das nur wieder ein Marktzugang für die Bürokratie. Der Wahnsinn lässt grüssen.

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  5. von Jörg Meyer · 5.
    Ja und ?

    5 xD gibts bei Geflügel schon lange, wir haben QS, Initiative Tierwohl und nun? Beim Schweine QS dürfen die Holländer mit niedrigen Auflagen aus ihrem System ins Deutsche QS liefern! Ich bin gespannt wie die "Nämlichkeit" sich bei ITW auswirkt, hoffentlich wird das vernünftig aufgearbeitet. Und nun Zusatzlabel ? macht ein Tierwohl EEG, Herr Barke hätte jetzt Zweit das vom Strom auf Tierwohl anzupassen. Neben Umweltgutachtern könnten wir viele neue Stellen für Tierwohlgutachter schaffen und Bonis gegen Gutachten auszahlen für : Intakte Ringelschwänze, intakte Schnäbel, längere Kalb-Mutterbeziehung, freilaufende Schweinemütter, WLAN für Kühe und Schweine, Therapien für Ferkel nach den absetzen die ihre Velustängste nicht in den Griff bekommen etc. All das ist ein echter Mehrwert für Wenige und eine Verringerung des knappen Verfügbaren Einkommens für viele. Wie wärs denn mal mit deutscher Nahrungsmittelsicherheit, Transparenz, dem Angebot an die Verbraucher STälle organisiert besichtigen zu können. etc......

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  6. von Gerd Uken · 6.
    seien wir mal ehrlich

    Ein in DK geborenes Ferkel in Spanien gemustert und vielleicht in Deutschland geschlachtet - was soll das bringen außer noch mehr Audits und Kontrollen und es dar dann nicht teurer werden als ohne Label? Wie soll das gehen? Alles Augenwischerei.........

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  7. von Klaus Goller · 7.
    Hirnlos

    Was soll eine Haltungskennzeichnung nur für Fleisch bringen? Der LEH lacht sich schon wieder tot bis zum Anschlag. Er kann sich das Tierwohlmäntelchen anziehen. Nur ein Drittel der Ware geht als Frischfleisch über die Theke. So lange die Kennzeichnung nicht auch auf Verarbeitungsware ausgeweitet wird, ist das ein Selbstmordkomando für die deutsche Schweinehaltung. Die großen LEH Konzerne haben längst eigene Verarbeitungslinien und eigene Marken aufgebaut, um dort dann billige anonyme Verarbeitungsaware aus jedeweder Herkunft einsetzen zu können. Da braucht man dann keine deutsche Ware mehr. Scheinbar haben Alle das warnende Beispiel aus der Eierbranche nicht verstanden.

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  8. von Hermann Stroemer · 8.
    Der Haken

    dürfte darin liegen, dass unsere Nachbarn gegen die "0" vor der EU (wahrscheinlich erfolgreich ) klagen werden. Das hieße dann mehr Aufwand ohne Abgrenzungsmöglichkeiten zum selben Preis.

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  9. von Martin Fries · 9.

    das betrifft die Herkunftskennzeichnung: dänisch heißt ja nicht gleich billiger, oder? vielleicht steht ja jemand bsonders drauf (den meisten wird es eh egal sein-der Preis steht ja groß auf der Vorderseite. Spannend (oder schon geklärt): wird ein ausländisches Schweine via Schlachtung zum deutschen? schwierig die Grundeinstufung: woher weiß ein deutscher Schlachthof unter welchen Bedingungen das Tier in NL oder DK gehalten wurde?

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  10. von Heinrich Esser · 10.
    Gute Sache

    Wenn es so kommt, liegt es an dem Verbraucher. Er kann durch die höhere Transparenz entscheiden, welche Haltung er unterstützt. Ich kann diesen Vorschlag unterstützen, auch wenn der DBV ein bisschen lang für diese Erkenntnis gebraucht hat...wobei besser spät als nie.

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  11. von Ernst Storm · 11.
    label

    jedes Label zahlt der Erzeuger!! alles andere ist Augenwischerei!!! ernst Storm

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  12. von Wilhelm Grimm · 12.
    Es leuchtet mir nicht ein,

    dass ein deutsches Schwein, welches durch dänische Liebe entstanden ist, billiger sein soll als ein deutsches Liebesschwein.

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