Bodenmarktentwicklung bringt Agrarbetriebe an wirtschaftliche Grenzen

Landwirte Laut Destatis haben sich die Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen zwischen 2007 und 2015 bundesweit im Schnitt mehr als verdoppelt
Bild: top agrar

Die Kauf- und Pachtpreise am landwirtschaftlichen Bodenmarkt in Deutschland sind in der letzten Dekade kräftig gestiegen und haben damit auch nach Auffassung der Bundesregierung inzwischen für viele Betriebe eine wirtschaftliche Belastungsgrenze erreicht.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag zum Agrarstrukturwandel und zu flächenabhängigen Agrarzahlungen hervorgeht, haben die Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen zwischen 2007 und 2015 im bundesdeutschen Durchschnitt auf 19 578 Euro/ha zugelegt und sich damit mehr als verdoppelt.

Dabei hätten sich die Preise im alten Bundesgebiet von durchschnittlich 16 394 Euro/ha auf 29 911 Euro/ha erhöht, in den fünf neuen Bundesländern von 4 134 Euro/ha auf 14 197 Euro/ha. Im gleichen Zeitraum seien die Kosten für Neupachten im Schnitt von 215 Euro/ha auf 385 Euro/ha angestiegen, berichtet die Bundesregierung mit Hinweis auf Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Die Kauf- und Pachtpreise sind damit nach Einschätzung des Bundes in vielen Regionen auf ein Niveau geklettert, das es zahlreichen Agrarbetrieben betriebswirtschaftlich erschwert, sich vor dem Verlust von Pachtflächen zu schützen oder den Betrieb durch Flächenkauf zu erweitern.
 
Agrarfremde Investoren heizen Preise an

Die Bundesregierung geht davon aus, dass zu dieser Marktsituation auch die Aktivitäten außerlandwirtschaftlicher Investoren beigetragen haben. Die dadurch weiter angeheizte Entwicklung bei den Bodenwerten und die teilweise damit einhergehende gewinnorientierte Vernachlässigung der Bodenfruchtbarkeit und des Bodenschutzes könnten dem Ziel einer nachhaltigen Flächenbewirtschaftung zuwiderlaufen.

Die Bundesregierung pocht daher auf das agrarpolitische Ziel einer breiten Streuung beim Bodeneigentum. Die Umsetzung dieses Ziels erfordere aber eine Aktualisierung des landwirtschaftlichen Bodenrechts, um den Vorrang von Landwirten auf dem Bodenmarkt zu gewährleisten. Notwendig seien auch eine bessere Transparenz auf dem Bodenmarkt sowie die Schließung von Steuerschlupflöchern. Die Bundesregierung gibt in diesem Zusammenhang aber zu bedenken, dass die Ausgestaltung und der Vollzug des Grundstücksverkehrsrechts ausschließlich in die Zuständigkeit der Länder fallen.
 
Kappung vom EU-Recht gedeckt

Ernte Maisernte; Nach Einschätzung der Bundesregierung sind wegen der negativen Folgen der Preisentwicklung und Bodenkonzentration Änderungen beim Bodenrecht nötig
Bild: top agrar
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zeigt auch, dass die vollständige Kappung aller flächenabhängigen Agrarzahlungen oberhalb der Grenze von 150 000 Euro eine dreistellige Millionensumme an Fördergeldern freimachen würde.

Laut Bundesregierung sind im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) entsprechend dem EU-Recht Kürzungen der Basisprämie oberhalb von 150 000 Euro möglich, die bis zu 100 % der Prämie ausmachen können. Diesen Schwellenwert hätten im vergangenen Jahr insgesamt 1 972 deutsche Agrarbetriebe überschritten, von denen ein Großteil in den neuen Bundesländern wirtschafte.

Spitzenreiter bei den Zahlungsempfängern oberhalb des Schwellenwertes war nach Angaben von Destatis Mecklenburg-Vorpommern mit 479 Betrieben, gefolgt von Brandenburg mit 390 betroffenen Unternehmen sowie Sachsen-Anhalt mit 384 großen Höfen. Dem standen Bundesländer wie Hessen und Rheinland-Pfalz gegenüber, in denen jeweils nur ein einziges Unternehmen von der Kappung betroffen wäre.
 
Kappung fast nur im Osten

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Diedrich Stroman · 1.
    Steueroase Bauernland

    Nein,da geht der Schäuble nicht ran, die Umverteilung von Bauernland fing ja schon bei der Wiedervereinigung an und danach wurde die Bodenumverteilug gesetzlich weiter verfolgt durch unterschutzstellung von riesigen Flächen auch als Ausgleichsflächen für Straßen und Komunen plus Verschärfung an Nachweisflächen für die Tierhaltung, Stadt und Gewerbeflächen, Straßen bau, und alles in dreifacher Ausführung! Aber der Böden vermehrt sich nicht, er wird auf jeden Fall Tag für Tag weniger, unsere Vorfahren haben jedenfalls noch Landgewinnung betrieben durch Eindeichung, aber dafür haben wir einen Nationalpark und müssen für den Klei im Binnenland Löcher graben wenn die Deiche erhöht werden, bestes Ackerland weg! Und so verknappt der Staat das Land selber und Kirchen, Verbände öffentliche Hand sind die größten Besitzer von Boden und das i Tüpfelchen setzen jetzt Neureichen Spekulanten. Und Bauern könnten diese Preise die gezahlt werden imLeben nicht mehr bezahlen ihnen bleibt nur die Pachtung um die Reichen noch reicher zu machen! Getreidepreis und Ackerpreis passen schon lange nicht mehr!

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  2. von Torsten Kremershof · 2.
    Dann muss der Herr Schäuble endlich handeln !

    Wie kann es denn sein das Investoren aus ihren kapitalträchtigen Einnahmen aus außerlandwirtschaftlichen Geschäftsfeldern dieses Geld nehmen und es in der Landwirtschaft "anlegen" anstatt damit Steuern zu zahlen ? Die Gewinne werden als Verluste auf Landwirtschaftlichen Flächen geparkt und als Verzinsung noch mit Flächen Prämien versüßt. War es früher noch das Anlagekonto in der Schweiz , Lichtenstein oder dubiosen Briefkastenfirmen in der Karibik etc , so ist es jetzt die europäische Landwirtschaft die als Steueroase dienen. Wieviele Agrarholdings , Stiftungen , oder GmbH's sind denn in den letzten Jahren entstanden ,die lustig Flächen und ganze Betriebe kaufen . Darunter tummeln sich große bekannte Namen aus der Industrie, Entsorgungsbranche, Lebensmittelkonzerne, Optiker ,Versicherungen ....... ! Waren es früher Aktien , sind es heute Landwirtschaftliche Flächen. Und die. Bauern haben das Nachsehen! Also , Herr Schäuble ran an den Speck !!

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