Bürgerinitiativen sind heute hochprofessionell

Wenn ein Landwirt in Ortsnähe einen neuen Stall bauen will, bilden sich immer häufiger Bürgerinitiativen, die dies verhindern wollen. Laut Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein sind sie neben den Nichtregierungsorganisationen und den Medien eine der drei entscheidenden Kritikergruppen, mit denen es die Bauern heute zu tun haben.
 
Besonders fällt bei den Bürgerinitiativen die hohe Professionalität, die soziale Vernetzung über das Internet und damit verbunden eine schnelle Mobilisierung der Kritiker auf, erklärt Hauschild in seiner Broschüre Bauern unter Beobachtung. Die neuen Medien werden genutzt, um gezielt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und Aktivitäten abzustimmen.
 
Nicht wenige Kritiker würden auch mit dem Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zusammenarbeiten. Dort gebe es neben aktuellen Informationen über geplante Aktionen auch Unterschriftenlisten sowie vorformulierte Mustereinwendungen zum Immissionsschutz, Brandschutz und Umweltschutz bereit. Die Mustereinwendungen sind jeweils mit der Formulierung versehen „Der Unterzeichner ... möchte das Recht in Anspruch nehmen, dass sein Name und seine Anschrift für die Antragstellerin und den Antragsteller unkenntlich gemacht werden“.

„Kritisch könnte man anmerken: So viel zum bürgerschaftlichen Engagement und dem von der Initiative postulierten fairen Umgang miteinander“, merkt Hauschild an.

AbL gibt Gegnern Tipps

AbL AbL
Daneben liefere das Netzwerk wichtige Argumentationshilfen zum Thema „Was tun gegen Tierfabriken“. Die teilnehmende Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gibt laut Hauschild sogar schriftliche Tipps zur Verhinderung von „Agrarfabriken“, die aus der „jahrelangen Erfahrung vieler Bürgerinitiativen und Rechtsanwälte erwachsen sind“.
 
Das Protest-Credo der AbL lautet: „Widerstand muss auch Spaß machen“. Das Lesen der AbL-Ausarbeitung werde mit großem Erkenntnisgewinn über die Philosophie dieses Verbandes belohnt. „Spaß macht es weniger. Es zeigt aber die große Notwendigkeit, aufseiten der investitionswilligen Landwirte aktiv zu werden. Längst sind die Bürgerinitiativen dem reinen Protest auf Ortsebene entwachsen und verfassen Moratorien an die Minister“, so der Bauernvertreter. In einem Moratorium aus Schleswig-Holstein werde z.B. behauptet, die derzeitige Genehmigungspraxis für Ställe widerspreche völlig dem geltenden Standard des Gesundheitsschutzes, des Naturschutzes, des Gewässerschutzes, des Tierschutzes, des Klimaschutzes und des Baurechts.
 
Ähnliches finde sich zum Thema Biogasanlagen im weltweiten Netz. Auf der Seite www.biogasanlagen-versus-anwohner.de kann der interessierte Anlagengegner sich intensiv mit dem Thema befassen, angefangen bei Geruchs- und Lärmimmissionen über Explosionsgefahr, Grundwasserbelastungen und Monokultur bis hin zu Verkehrsgefahren, Straßenschäden und dem Thema „Tank oder Teller“. Erklärt werden die TA Luft und TA Lärm ebenso wie das EEG, die Wirtschaftlichkeit der Anlagen und vieles mehr. 

Mehr:
Warum wir uns mit Agrarkritikern beschäftigen müssen... (7.8.2014)

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15 Leserkommentare Kommentieren

  1. von toddelg · 1.
    Wie

    bitte? Die "AbL" gibt Tips, wie Landwirten die Zukunft verbaut wird? Warum darf sich so eine bauernfeindliche Organisation AbL nennen? Lächerlich solche Organisationen mit der Landwirtschaft in Verbindung zu bringen. Bauernhasser sind keine vom Land und sicher keine Landwirte.

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  2. von xf1 · 2.
    @User10

    Es gab schon, und gibt ganz andere "Eroberer", die mit dieser Bewegung wesentlich besser vergleichbar sind und waren. Schuld ist aber nicht die mitspringende dumme Masse, sondern die Drahtzieher, welche ganz genau wissen, zu was sie die fremdgesteuerten Bürger missbrauchen.

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  3. von user10 · 3.
    @jubodo12

    Ja, könnte was dran sein; auch die weißen Eroberer hielten sich für die Gutmenschen. Der Zweck heiligt anscheinend i m m e r die Mittel

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  4. von jubodo12 · 4.

    Irgendwie erinnert diese Entwicklung an die Vertreibung der Indianer in Amerika. Letzendlich sind die BI`s angetretten um die Bauern zu vertreiben . Problem ist nur das die Flächen für Nahrungsmittel nicht zu verschieben sind . Fragt sich nur ob Russland wirklich die Menschen in Deutschland ernähren würde?

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  5. von nitnet · 5.
    Bitte an die Redaktion: Mehrfachbeiträge zusammenfassen

    Die Unsitte der vielfachen Einträge durch einige wenige "sendungsbewußte" Personen sollte nicht weiter Einzug halten. Danke !

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  6. von Bauer-Berni · 6.
    Sekten

    Na, warum führen ABL und co denn ein Sektendasein bei den Landwirten? Ganz einfach: Weil sie keine bäuerlichen und landwirtschaftliche Interessen vertreten.

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  7. von grubber7 · 7.
    Rausschmeißen!!

    Raus mit den AbLern und den BDMlern aus den bäuerlichen Verbänden!! Was zu weit geht, geht zu weit !!! Wer gegen Berufskollegen demonstriert, Broschüren druckt sich mit BUND, NABU und PETA auf Demos zusammenrottet mit dem möchte ich nichts mehr zu tuen haben !! Es muss Grenzen geben!

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  8. von hurti · 8.
    Hochprofessionell?

    Klar, so klug, dass diese meist nicht mal den Unterschied zwischen Aufzucht und Mastplätzen kennen, geschweige den, ein Gefühl für "Große" Tierbestände haben. Da wird doch gleich jeder Geflügelstall und Schweineaufzuchtstall als "Massentierhalter" beschimpft, nur weil die Tierzahlen da meist schnell in die tsd Gehen. BI sind zwar gut vernetzt, hochprofessionell sind diese aber bei weitem nicht

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  9. von meyenburg33 · 9.
    Demonstrationstouristen

    nannte man das früher. Manche klappern sogar Strassenfeste ab, um öffentliches Eigentum vollzuschmieren. Es gibt BIs die in ihren Programmblättern die Verhinderung jeglicher Stallneubauten als Ziel erklären. Wo die Hofnachfolger herkommen sollen, die ihre Vision von Bauerei umsetzen soll, darauf bekommt man leider nur wischiwaschi Antworten.

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  10. von ramsdorf · 10.
    Leider haben die Meisten kein gespür für die Grenze von der Agrarfabrik

    zum Landwirtschaftlichen Betrieb, wenn es an dem so wäre würden sie an so manche DEMO gar nicht erste Teilnehmen. Das der ABL hier noch unterstützend mitwirkt ist nix neues, der BDM macht es genau so. Es ist schon traurig das sich hier Landwirte öffentlich am Misserfolg der Berufskollegen ergötzen!

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  11. von eniemann · 11.
    Sorge unbegründet

    Die allermeisten Mitglieder von Bürgerinitiativen haben gottlob ein sehr feines Gespür dafür, wo die Agrarindustrie anfängt, und auch das wichtige Bewusstsein darüber, wie wichtig Bauern bzw. ein konzernunabhängiger Mittelstand auf dem Land ist. Nehmen Sie gern Kontakt auf zu den Bürgerinitiativen in ihrer Region, dann werden sie das bestätigt sehen. Natürlich gibt es zuweilen auch andere Stimmen und Meinungen, die sich aber nicht durchsetzen - gerade weil bäuerliche Vertreter in diesen Bürgerinitiativen mitarbeiten und sich in die Debatte einmischen.

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  12. von bananenbaer · 12.
    @e...mann,

    hoffentlich erklären Sie Ihren Kumpanen dann auch, wo der Bauer aufhört und die "Agrarfabrik" anfängt. Ihre Mitstreiter machen nämlich in der Regel keine Unterschiede. Wenn man nicht gerade einen zerzausten Pullover anhat und in Holzschuhen auf dem Mist steht, wenn man nicht mit Hofladen und Streichelgehege punkten kann, wenn man einige Attribute eines Einkommens zeigt, das der Arbeitsleistung angemessen ist, dann steht man bereits auf Ihrer Abschussliste. Ich möchte das mal anhand eines frei ausgelegten Zitates verdeutlichen : "Wer Bauer ist bestimme ich!"

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  13. von eniemann · 13.
    Noch ein Nachtrag: Viele Bauern sind beim Widerstand gegen Agrarfabriken aktiv dabei

    Noch ein Nachtrag: Viele Bauern sind beim Widerstand gegen Agrarfabriken aktiv dabei - mit viel Erfolg und deshalb auch viel Spaß. Zum Beispiel bei der Verhinderung der Ausweitung einer Milchviehanlage auf 3.200 Kühe in Barver im Kreis Diepholz...

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  14. von eniemann · 14.
    Nachtrag zum "fairen Umgang" und Dank für Herrn Hauschilds anerkennende Worte

    Nachtrag: Der von Herrn Hauschild behauptete Passus, wonach "der Unterzeichner ... das Recht in Anspruch nehmen möchte, dass sein Name und seine Anschrift für die Antragstellerin und den Antragsteller unkenntlich gemacht werden“, ist - wie Herr Hauschild weiß - nicht in unseren Mustereinwendungen enthalten. Soviel zum "postulierten fairen Umgang miteinander“. Ansonsten vielen Dank für die vielen anerkennenden Worte.

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  15. von eniemann · 15.
    AbL-Tipps für den Widerstand - gegen Agrarfabriken und für Bauern

    Erfolgreicher Widerstand gegen Agrarfabriken kann deshalb Spaß machen, weil er Bauern und Bürgern gleichermaßen nützt. Deshalb heißt es in den von Herrn Hauschild zitierten AbL-Tipps für den Widerstand: ----- „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ – so lautet ein zentrales Motto der AbL. „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ – das ist auch das Motto von mittlerweile 250 Bürgerinitiativen und Verbänden im erfolgreichen bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, in deren Koordination die AbL neben zahlreichen anderen Umwelt-, Tierschutz- und Eine-Welt-Verbänden mitarbeitet. ----- Um mittelständisch-bäuerliche Betriebe zu erhalten, muss man einen klaren Trennungsstrich zu agrarindustriellen Strukturen ziehen und das Vordringen von Agrarfabriken verhindern. ..... ----- Es geht uns um den Widerstand gegen agrarindustrielle Großanlagen, die allein von ihrer Größe her keine artgerechte Tierhaltung ermöglichen, die die Umwelt beeinträchtigen und die mit ihrer ruinösen Überschussproduktion die mittelständisch-bäuerlichen Betriebe weiter aus dem Markt drängen. Dies gilt zunehmend auch für Agrarfabriken im Biosektor, die mit ihrem Pseudo-Bio (vor allem auch beim „Bio-light“ der laschen EU-Bio-Verordnung) keine wirklich artgerechte Tierhaltung praktizieren und zudem echtes „Bauernhof-Bio“ verdrängen. ----- Gemeinsam mit vielen Bürgern und Landwirten wehren wir uns gegen agrarindustrielle Strukturen, gegen Konzernabhängigkeiten und gegen Agrarfabriken, deren Grenze wir in Anlehnung an das Bundes-Immissionsschutz-Gesetz bei 1.500 Schweinemast-, 560 Sauen-, 600 Rinder- und 15.000 Geflügelplätzen sehen. Wir sind durchaus für gut strukturierte und wettbewerbsfähige Betriebe in diesem Rahmen und beileibe nicht nur für „kleinbäuerliche“ Betriebe. ----- Die bisherigen Regelungen in Bau-, Verfahrens-, Immissions- oder Tierschutzrecht begünstigen die Investoren und die Agrarindustrie-Lobby (unter deren Einfluss sie ja gemacht wurden). An deren Veränderungen arbeiten wir vernetzt auf politischer Ebene sehr intensiv (und haben dabei auch schon deutliche Erfolge, z.B. bei der Novellierung des Baurechts oder der Erstellung des Tierschutzplans der Niedersächsischen Landesregierung). Gleichzeitig nutzen wir die bisherigen Regelungen möglichst effektiv und versuchen diese Regelungen durch bessere Auslegungen und bessere Urteile zu verbessern und zu erweitern. So haben wir bereits Hunderte von Agrarfabriken durch den direkten Widerstand vor Ort oder durch vorbeugende Abschreckung von Investoren verhindert." Wäre das nicht auch was für einen "Bauern"-Verband, der seinen Namen wirklich ernst nähme?

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