Bürgschaften, Liquiditätshilfen und steuerliche Erleichterungen JETZT!

Gegen staatlich verordnete Eingriffe in den Milchmarkt hat sich Landvolkvizepräsident Albert Schulte to Brinke in einem Interview mit der Zeitschrift Land & Forst ausgesprochen. Den Ruf einiger weniger Akteure am Milchmarkt nach staatlichen Eingriffen stuft er „als wenig hilfreich“ ein. Er erinnert an 30 Jahre Milchquote, die zeitweise auch mit katastrophalen Preisen verbunden war, die wirtschaftenden Betriebe aber viele Millionen Euro gekostet habe.

Gleichwohl müsse die Vermarktung nochmals kritisch durchleuchtet werden. Die Landwirte erwarteten auch Antworten auf drängende Fragen wie: Bieten Verkaufskontore Chancen? Wie finden Terminbörsen mehr Akzeptanz? Wie werden Signale des Marktes schneller an die Landwirte weitergegeben?  Gemeinsam mit Vermarktungsunternehmen und Genossenschaften müssten auf diese Fragen langfristig  Antworten gegeben werden.

Kurzfristig fordert das Landvolk Bürgschaften, Liquiditätshilfen und steuerliche Erleichterungen, um möglichst viele Betriebsleiter durch das lange Tal der Tränen zu bekommen. Die Analyse des Milchsektors durch das Kartellamt dürfe nicht zu Einschnitten in die freie Vertragsgestaltung zwischen Molkereien und Milcherzeugern führen.

Zielführender sei vielmehr auch ein Blick auf die Außenbeziehungen der Molkereien zum Handel. Einen Trinkmilchpreis von 49 Cent je Liter, wie er derzeit in der Diskussion ist, nennt Schulte to Brinke „schockierend“. Ein solcher Preis blende völlig aus, dass zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, wie sie Niedersachsens Landwirte praktizieren, auch eine ökonomische und soziale Facette gehörten.

Schulte to Brinke äußert sich in dem Interview weiter zu den Beschlüssen der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern. Als „erfreulich“ bezeichnet er die etwas realitätsnähere Beurteilung von Umweltauswirkungen der Landwirtschaft. So empfehlen die Minister erstmals eine Abwägung zwischen Belangen des Tierschutzes und des Umweltschutzes. „Ansonsten müssten wir Landwirte die gesellschaftliche Forderung nach mehr Tierwohl durch Weidehaltung oder Offenställe ignorieren“, verdeutlicht Schulte to Brinke.

Schließlich weist er auf Zweifel an der gesetzten Zeitschiene beim betäubungslosen Kastrieren von Ferkeln sowie dem Verzicht auf das Kupieren der Ringelschwänze hin. Alternativen seien ebenfalls mit Problemen behaftet und ließen keine Verbesserungen im Tierschutz erwarten. Sobald sich echte Lösungen abzeichneten, seien die Landwirte aber sofort dabei, sagte der Landvolkvizepräsident.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Staatliche Eingriffe

    Sind den Bürgschaften, Liquiditätshilfen und steuerliche Erleichterungen keine staatlichen Eingriffe, nur weil das Landvolk es fordert? Wenn man schon Eingriffe ablehnt, dann bitte konsequent oder gar nicht.

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  2. von Doris Peitinger · 2.
    Die alte Quote

    Gut, dass Herr Schulte to Brinke an die alte Quote erinnert. Ein gutes Beispiel, wie die Bauern veräppelt wurden. Sobald die steigende Nachfrage in die Nähe des Angebots kam, wurde sie flugs erhöht, damit der Preis ja wieder nach unten geht. Und auf dem gleichen Niveau wird die Verarschung der Bauern fortgesetzt, indem so getan wird, als ob Liquiditätsdarlehen und Bürgschaften tatsächlich aus der Krise helfen. Detmar hat es hervorragend dargestellt. Beieindrucken, die krampfhaft versucht wird, dass ja die Menge nicht gesenkt wird, damit der Markt in Ordnung kommt!

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  3. von Gerd Schuette · 3.

    Die Menge muss runter! JETZT!

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  4. von Dieter Müller · 4.
    Die Angst ist dem Herrn Schulte to Brinke ins Gesicht geschrieben.

    Warum? Sollte der DBV einer Mengenregulierung zustimmen, wäre zwar den Milchbauern geholfen, jedoch das zahlungskräfte Mitglied Milchindustrieverband, könnte dann seine Zahlungen einstellen. Ob das der DBV finanziell verkraften kann?

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  5. von Gerd Oncken · 5.
    Peinlich

    Es gibt wohl nur eine Lösung für das Dilemma mit dem DBV: kündigen und die Zahlungen an den Verband einstellen. Das ist dann die erste Liquiditätshilfe, die wirkt, denn dann können diese Herren so einen Mist nicht mehr verkaufen. Gerd Oncken

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  6. von Detmar Kleensang · 6.
    Die Fragen des Herrn kann ich beantworten.

    Bieten Verkaufskontore Chancen? Nein! Nicht, wenn das Hauptproblem zu viel Produktionsmenge am Markt im Vergleich zu gewinnbringenden Absatzmärkten ist! In einer Überschusssituation ist es unerheblich, wie viele oder wie wenige Anbieter verhandeln: Sie können keine besseren Preise generieren, weil die Preise am Markt durch Angebot und Nachfrage gebildet werden und nicht durch die Anzahl der Verhandler beeinflusst werden können! Wie finden Terminbörsen mehr Akzeptanz? Durch Werbung. Bringt aber keine besseren Preise! Daher ist die verstärkte Nutzung von Terminbörsen unnütz! In der Diskussion um Spekulationen mit Lebensmitteln an Börsen hatte der Bauernverband ewig gepredigt, solche Spekulationen würden die Preise nicht erhöhen. Wieso meinen Landvolk und Bauernverband nun plötzlich, dies wäre möglich und ein Teil der Lösung in Marktkrisen? Das ist unlogisch! Wie werden Signale des Marktes schneller an die Landwirte weitergegeben? Gegenfrage: Wieso „schneller“? Sie werden dich gar nicht oder bestenfalls kaum an die Landwirte weitergegeben! Aber gesetzt den Fall, man wolle dies ernsthaft, dann: Abschaffung von Staffelpreisen, Stopkosten und Milchgeld-Rückstellungen durch Genossenschaftsmolkereien! Abschaffung von Preisbildungen durch Orientierung an umliegenden Molkerei-Auszahlungspreisen! Vollumfängliche Auszahlung an Bauern gemessen an den von den Molkereien erzielten Erlösen je nach Fähigkeit der jeweiligen Molkerei am Markt! Natürlich abzüglich derer Verarbeitungskosten und einem etwaigen Unternehmensgewinn, so eine Dreiviertelmehrheit der liefernden Milcherzeuger dies zubilligt. Allerdings widersprechen all diese Antworten dem Grundsatz Schulte to Brinkes, Landvolk und Bauernverband, es dürfe keine Einschnitte in die „freie Vertragsgestaltung zwischen Molkereien und Milcherzeugern“ geben…

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  7. von Detmar Kleensang · 7.
    Witzig! Peinlich! Sich selbst widersprechend!

    Das ist Albert Schulte to Brinke. Er ist gegen staatlich verordnete Eingriffe in den Milchmarkt, hält den „Ruf einiger weniger Akteure am Milchmarkt (wen er damit wohl meint???) nach staatlichen Eingriffen für wenig hilfreich, fordert aber selber munter und anscheinend völlig unbedenklich staatliche Eingriffe in den Milchmarkt! Oder was sollen Bürgschaften, Liquiditätshilfen und steuerliche Entlastungen sein, die er im Namen des Landvolkes/Bauernverbandes fordert? Wer soll denn Steuererleichterungen bewilligen wenn nicht der Staat in Einmischung in den Markt? Wer soll Liquiditätshilfen gewähren, wenn nicht der Staat in Einmischung in den Markt? Und selbst in die Außenbeziehungen der Molkereien zum (internationalen) Handel soll sich doch der Staat einmischen mit sogenannten Exportoffensiven, die Landvolk/Bauernverband fordern! Wirklich „schockierend“ ist, dass Schulte to Brinke, Landvolk und Bauernverband selber nicht müde werden, nach Einmischung des Staates in den Markt zu rufen! Und zwar in der völlig unsinnigen Weise, dass der Staat (also der Steuerzahler) für die Verluste der Landwirtschaft aufkommen soll. Anderen, die ein Eingreifen in den Markt dahingehend fordern, dass dieser überhaupt erstmal funktioniert und sie aktiv am Markt teilnehmen können, werfen genannte vor, dies wäre „wenig hilfreich“ bis schädlich. Sowas ist eine in höchstem Maße unehrliche Argumentation! Wenn ein Markt nicht funktioniert ist es Aufgabe der Politik und des Staates, einzugreifen und ihn so zu regeln, dass er gleichermaßen für alle Akteure funktioniert! Es ist NICHT die Aufgabe des Staates, einen nicht funktionierenden Markt, der sichere Gewinne für einige und sichere Verluste anderer Akteure, durch Steuerzahlergelder aufrechtzuerhalten!

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  8. von Gerd Uken · 8.
    hat der Mann eine

    Ahnung von Milch? Die Schweinebetriebe lässt man vor die Hunde gehen zumindest die Familienbetriebe u. wo sollen denn Steuerentlastungen helfen,,wenn man auf Antrag vom Finanzamt seine Vorauszahlungen schon zurückbekommen hat? Ich meine wir schliddern geradewegs in ein Wirtschaftskrise,denn die Getreidepreise lassen ja auch nochts gutes erwarten. Was sagt denn jetzt Herr Korte der ist doch der Experte?

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  9. von Martin Siekerkotte · 9.
    Korte

    Heinz hat gesagt die Menge ist das problem hier müsste dringend gehandelt werden was haben die Landwirte da bloß für eine Berufsvertretung wo alle in eine andere Richtung ziehen ich Habe Angst

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  10. von Hans-Hermann Nohring · 10.
    Täglich grüßt das Murmeltier

    .

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  11. von Hans Nagl · 11.
    Gehts noch ?

    Bürgschaften, Liquiditätshilfen was soll der Käse.

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  12. von Steffen Hinrichs · 12.
    Natürlich sind die neuen Preisverhandlungen "schockierend "

    und es gibt viele Fragen, aber eines steht außer Frage : "Es ist zuviel Milch am Markt ". Darum sind Molkereien, DBV usw. jetzt aufgerufen zu handeln bevor der Staat eingreift.

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