CETA: AbL warnt vor Preisdumping durch kanadisches Fleisch

Nächste Woche wollen die EU-Abgeordneten über den Handelsvertrag zwischen der EU und Kanada (CETA) abstimmen. Bei einer Zustimmung würde der größte Teil des Vertrages vorläufig in Kraft treten, noch bevor alle 28 EU-Mitgliedsstaaten darüber abgestimmt haben.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert die EU-Abgeordneten auf, CETA nicht zuzustimmen. „Mit CETA wird der Ausverkauf einer bäuerlichen und sozial gerechten Landwirtschaft in ganz Europa und auch in Schleswig-Holstein massiv voran getrieben“, kritisiert Berit Thomsen, die AbL-Geschäftsführerin aus Schleswig-Holstein. Der CETA-Vertrag sieht vor, die Rind- und Schweinefleischimporte aus Kanada um das Zwölf-Fache bzw. 14-Fache zu steigern.Dabei gebe es in Kanada kaum Tierschutzgesetze, weshalb Fleisch viel billiger produziert werden kann.

„Diese Importe werden ein Preisdumping in Europa auslösen“, sagt Thomsen. „Europa hat in keinster Weise für die Bauern verhandelt. Es wäre möglich gewesen mittels einer vertraglichen Agrarschutzklausel Importstopps einzuführen, wenn es zu Marktstörungen kommt. Solch eine Agrarschutzklausel soll künftig nicht für Europa gelten, sondern nur für Kanada – so steht es im Vertrag.“

Die Region Wallonie hat bei der Abstimmung im EU-Rat letzten Jahres eben diesen Sachverhalt kritisiert und zunächst verweigert, CETA zuzustimmen. „Die Wallonie und ihre Landwirte haben richtig gehandelt, sich gegen CETA zu verteidigen und sie haben die Unterstützung aller bäuerlichen Bewegungen in Europa verdient“, sagt Thomsen.

Sie befürchtet, dass die soziale Ungerechtigkeit durch CETA im Agrarsektor zunehmen wird. "Es ist beängstigend zu sehen, dass plötzlich Politiker auch kritischer Parteien Abkommen wie CETA als positiv und sozial gerecht darstellen. Das spielt rechten Populisten in die Hände“, sagt Thomsen.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Bernhard ten Veen · 1.
    tja... so is dat wohl...

    das Fleisch von unseren Tieren wollen die Schlachter ja jetzt schon nicht mehr. Wir können NUR noch QS , Tierwohl , und all das PAPIERFLEISCH was uns in den nächsten Monaten vor der Wahl noch zugemutet wird. Und das dann zu BILLIG !!! Aber wenn dann die Container aus Kanada (oder sonstwo her) in den Häfen stehen , ist den Zerlegern EGAL ob QS oder Tierwohl. Das gibts da wo es herkommt nicht. Und NUR der Preis ist entscheident... SONST NIX. Also stellt euch alle auf "Arbeiten und Klinkenputzen ein"... zu Verdiehnen gibts hier nichts mehr als Tierhaltender Betrieb.

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  2. von Josef Doll · 2.
    Seit wann

    hat eine "grün " angehauchte Organisation Angst das sich bei uns die Massentierhaltung nicht mehr lohnt ?? Nur die haben keine Angst vor 80,000 To . Nun Landwirtschaft wird es auch noch geben wenn die Landwirtschaftlichen Betriebe auf 10.000 relevanten Betiebe gefallen ist ! Da ja heute schon die 25 % der grösseren Betriebe bis zu 70 % der Produktion liefern ........

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  3. von Erwin Schmidbauer · 3.
    Zum Kommentar von Schröder vom DTB in Top agrar 2/2017 passend

    Da kommt ja einiges an Arbeit auf dem DTB zu, wenn wir Fleisch mit geringen Tierschutzstandards importieren dürfen! Aber der Verbraucher wünscht angeblich höhere Standards. Die Zeichen hör ich wohl, aber allein mir fehlt der Glaube ;-(

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  4. von Paul Maier · 4.
    Zu denen,

    die den Tierschutz immer noch teurer gestalten wollen und damit die Kostendifferenz zu Kanada immer weiter vergrössern, gehört gehört die AbL ganz gewiss auch dazu.

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  5. von Doris Peitinger · 5.

    Die Landwirtschaft soll geopfert werden, auf beiden Seiten des Atlantiks. Während bei uns die Fleischpreise angegriffen werden, soll in Kanada am Milchmarkt gerüttelt werden, der den Global Playern schon längst ein Dorn im Auge ist! Wie sieht es mit Gentechnik aus? Mit Fracking? Die EU zeigt mit dieser undemokratischen Entscheidung erneut, dass gerade bei dieser ( an sich immens wichtigen ) Institution dringender Reformbedarf nötig ist. Sonst wird sich die Bevölkerung irgendwann sagen, dass man sich diesen teuren Wasserkopf, der nicht in ihrem Sinn agiert, sparen kann und sich ganz abwenden!

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