Constantin Freiherr Heereman verstorben

Constantin Freiherr Heereman Constantin Freiherr Heereman
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Der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, ist am Mittwoch im Alter von 85 Jahren verstorben. Laut DBV-Präsident Joachim Rukwied verlieren die deutschen Bauernfamilien eine der bedeutendsten und profiliertesten Persönlichkeiten, die wie kein anderer die Agrarpolitik in Deutschland und Europa drei Jahrzehnte lang maßgeblich geprägt und gestaltet hat.

"Sein leidenschaftliches, unermüdliches und vor allem souveränes Engagement für die deutsche Landwirtschaft, für ein wiedervereintes Deutschland, für ein zusammenwachsendes Europa, für eine gemeinsame Währung und für eine soziale Agrarpolitik bleibt unvergessen und ist Teil unserer Geschichte geworden", so Rukwied.

Freiherr Heereman habe mit seiner ihm eigenen entschlossenen, stets praxiskundigen und offenen Art nicht nur für die Interessen der Bauernfamilien in Deutschland und Europa gekämpft, sondern auch die Bedeutung des ländlichen Raums und der Landwirtschaft stark im öffentlichen Bewusstsein verankert. Kompetent, kommunikationsstark und mit tief verwurzelter Bodenständigkeit habe er Politik und Gesellschaft seine Ziele, Botschaften und Anliegen vermittelt.


Stimmen von Weggefährten

Ralph Müller-Schallenberg Ralph Müller-Schallenberg
Bild: LJV
Ralph Müller-Schallenberg (Präsident des Landesjagdverbandes NRW):

"Baron Heereman wird als führungsstarker und charismatischer Verbandschef und Politiker in Erinnerung bleiben. Er hat Zeit seines Wirkens über Jahrzehnte in einer zunehmend verstädterten Umwelt dafür gesorgt, dass der ländliche Raum und die hier lebenden Menschen von der Politik beachtet werden und ein großer Teil des Landes trotz erheblichem Strukturwandel seine Identität bewahren konnte. Baron Heereman hat Gegensätze überwunden, Einigkeit gestiftet und Zusammenhalt gepflegt.

Auf diese Weise hat er Maßstäbe gesetzt, mit Sachverstand und Erfahrung, aber auch mit Witz und Pfiff das politische und gesellschaftliche Leben geprägt. Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen, an dessen Spitze Baron Heereman von 1976 bis 2004 stand, wird dieser herausragenden Gestalt seiner Verbandsgeschichte und dem hochpassionierten Jäger stets ein ehrendes Gedenken bewahren.


Franz-Josef Möllers Franz-Josef Möllers
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Franz-Josef Möllers (WLV-Präsident 1997-2012):

„Mein Verhältnis zu CFH war auch nach meinem Ausscheiden als WLV-Präsident sehr freundschaftlich. Natürlich haben wir weiter über Agrarpolitik diskutiert, noch wichtiger wurde aber das gemeinsame Kartenspiel. Er wird mir persönlich und auch der dt. Land- und Agrarwirtschaft sehr fehlen.“
 
 
Hans-Jürgen Kleimann (WLV-Vizepräsident 1992 -2009):
"Constantin Freiherr von Heereman ist in den langen Jahren seiner Prsidentschaft von hohem Rang gewesen. sein Einsatz für unseren landwirtschaftlichen Berufsstand auf allen Ebenen der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Genossenschaften und der Gesetzgebung nationaler und internationaler Politik ist beispielhaft.

Unermüdlich kämpfte er für uns Bauern. Durch die europäische und auch die deutsche Agrarpolitik wurden lange Zeit die Einkommen unserer Bauern niedrig gehalten. Das Überleben und vor allen Dingen die Geschlossenheit unseres Bauernverbandes mit seinen Familien ist dem Einsatz Baron Heereman´s und seinen Mitstreitern in allen Organisationen zu verdanken.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Eckehard Niemann · 1.
    Hier der Link zum Text über die Agrarpolitik der 60er bis 90er Jahre und die Rolle von Freiherr Heereman

    Link: http://www.abl-niedersachsen.de/fileadmin/Dokumente/AbL-Niedersachsen/Agrarhinweise/170726_AGRAR-HINWEISE_-_26.7.2017.pdf

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Eckehard Niemann · 2.
    Erinnerung an Freiherr Heereman

    Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ist in den siebziger und achtziger Jahren vor allem auch in der Auseinandersetzung mit Heeremans Politik entstanden und gewachsen. Das lag nicht nur an den klar unterschiedlichen Strategien von Heeremans Bauernverbandspitze einerseits und jungen kritischen Landjugendlichen andererseits - sondern auch daran, dass man mit Heereman noch wirklich debattieren konnte – mit Ecken und Kanten und klarer Sprache, wobei man dabei die gegenseitigen Argumente schärfen konnte. In diesem Sinne werden wir uns und viele Landwirte ebenso durchaus nicht verbittert an die Zeit mit dem Freiherrn zurückdenken. Das erübrigt nicht eine klare Einschätzung seiner damaligen Rolle: Im Jahre 1968 habe ich den jungen Freiherrn Heereman bei einer Bauernversammlung in Uelzen zum ersten Male erlebt, als er davon sprach, „landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten“ aufzubauen: Meinen Eindruck damals habe ich rückblickend in der Lokalzeitung so beschrieben: ------- „Der alte knorrig-rechte Bauernverbandspräsident Rehwinkel im dunkelgrünen Lodenmantel wurde vom jungen Heereman im schnittigen Nadelstreifenanzug abgelöst. Wir freuten uns, dass sich „die Landwirtschaft“ in der Gesellschaft jetzt nicht mehr so „rückwärtsgewandt und unmodern“ präsentierte. Allerdings, wir merkten schnell, was man uns da neu präsentierte: Ungehemmtes „Wachsen und Weichen“, Entsolidarisierung der Bauern, Höfesterben nach den Vorgaben des Mansholt-Plans , Unterordnung unter die Interessen der Chemie- und Ernährungsindustrie, Aufbau von Agrarfabriken, zunächst in der Geflügelindustrie….“ ------ Das alles ist ja beileibe nicht alles Heereman anzulasten, der ja nur einer der Akteure jener Zeit war. Aber seine Rolle muss in diesem Zusammenhang gewertet werden. Mehr dazu: http://www.abl-niedersachsen.de/fileadmin/Dokumente/AbL-Niedersachsen/Themen/Interessengeflecht.pdf

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