Der bayerische Weg: "Vielfalt und Qualität" statt „Wachsen oder Weichen"!

Diskussion v.l. Martin Baumgärtner, Maria Kurz, Helmut Brunner, Rudolf Erhard, Alois Glück, Sabine Groß und Günther Felßner.
Bild: www.stmelf.bayern.de

Vielfalt und Qualität statt „Wachsen oder Weichen“: So beschreibt Bayerns Agrarminister Helmut Brunner den Weg der Staatsregierung, die auch künftig auf einen eigenständigen bayerischen Weg in der Agrarpolitik setzen werde.

„Wenn wir unsere führende Rolle als Agrarstandort weiter ausbauen wollen, müssen wir dauerhaft besser und erfolgreicher sein als Andere“, sagte der Minister am Montag bei einer Tagung in München. Der Freistaat biete dafür beste Voraussetzungen und Perspektiven, es brauche aber auch künftig die richtigen politischen Weichenstellungen – und zudem den Mut, Probleme entschlossen anzugehen und gesellschaftliche Veränderungen als Chance zu begreifen.

Als besondere Stärke der bayerischen Landwirtschaft sieht Brunner die große Vielfalt und Kreativität der bäuerlichen Familienbetriebe. Deshalb bleibe es Schwerpunkt bayerischer Agrarpolitik, gerade diese Betriebe zu stärken – ob durch passgenaue Förderprogramme, Investitionsanreize, Bildung oder Forschung. „Wir werden unseren Bauern auch künftig Zukunftsperspektiven eröffnen, unabhängig von Betriebsgröße und Bewirtschaftungsform“, so der Minister. Ziel sei, möglichst viele Betriebe dauerhaft und flächendeckend zu erhalten. Das komme der Attraktivität und Vitalität der ländlichen Räume zugute und sichere das soziale und kulturelle Leben auf dem Land.

Brunner appellierte an die Bauern, die wachsende Sensibilität für Fragen des Tierwohls, der Gesundheit und des Umweltschutzes nicht als Bürde, sondern im Gegenteil als Chance zu sehen. Denn gerade die bayerischen Strukturen würden den Anliegen der Verbraucher nach Regionalität, Überschaubarkeit und Transparenz am besten gerecht. „Wir brauchen auch künftig die Akzeptanz der Bevölkerung für unsere Arbeit“, so der Minister.

Agrarpolitik könne nur erfolgreich sein, wenn sie sich als Gesellschaftspolitik verstehe. Mehr denn je komme es deshalb darauf an, grundlegende Entscheidungen frühzeitig mit gesellschaftlich relevanten Gruppen vorzubereiten und Kompromisse zu finden. Brunner: „Nur so können dauerhaft tragfähige und rasch umsetzbare Lösungen erreicht werden.“

Was ist denn der bayerische Weg?

Der vom früheren Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann eingeschlagene und von Brunner weiterentwickelte bayerische Weg in der Agrarpolitik setzt auf eine flächendeckende, multifunktionale, nachhaltige und bäuerlich geprägte Landwirtschaft. Dieser ganzheitliche Ansatz hat nach Aussage des Ministers entscheidend dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit bäuerlicher Strukturen und die Attraktivität der Kulturlandschaften in Bayern zu erhalten.

Nicht ohne Grund stehe heute jeder dritte Bauernhof Deutschlands im Freistaat. Eisenmann war von 1969 bis zu seinem Tod 1987 bayerischer Landwirtschaftsminister. Den „Bayerischen Weg“ hatte er als Gegenentwurf zum sogenannten Mansholt-Plan entworfen, mit dem der damalige EG-Agrarkommissar die Agrarstruktur in Europa planwirtschaftlich ausrichten wollte. Die Grundsätze des bayerischen Wegs waren 1970 gesetzlich verankert worden. Ziel war unter anderem, den Strukturwandel in der Landwirtschaft sozial verträglich zu gestalten und Strukturbrüche zu vermeiden.

Lesen Sie mehr

2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Martin Lindermeir · 1.
    Der Bayerische Weg heißt schlichtweg nur Kulap und Förderung von Hofladen und Co

    Der Bayerische Weg heißt schlichtweg nur Kulap und Förderung von Hofladen und Co. Die Betriebsprämie unterscheidet sich auch kaum gegenüber den anderen Bundesländern. Der Strukturwandel konnte in den letzten Jahren nicht aufgehalten werden, das beweist alleine der Strukturwandel der Milchviehhaltung außerhalb der Grünlandgebiete. Wem bringt den das Kulap heute noch etwas außer den Biobauern und reinen Milchbauern im Grünlandgebiet? Ich komme trotz Milchviehhaltung aus einer reinen Ackerbaugegend dort wird das Kulap nahzu nicht mehr beantragt. In Anbauextensivierung und Gewässerrandstreifen im Zuge des Kulap bei steigenden Flächenkosten zu Investieren ist für die meisten Landwirte nicht mehr Interessant! Neuerdings wird der Umbau vom Anbindestall zum Laufstall bis 25 Milchkühe gar noch mit 40% gefördert, hier zeigt sich wie weit unser Landwirtschaftsminister Brunner schon von der Realität in den Betrieben entfernt ist. Im Gegenzug wurde von Herrn Brunner in der Milchpreiskrise 2016 aus der allgemeinen Investitionsförderung für Stallbau Geld ins unsinnige Kulap umgeschichtet. Für einen neuen Stall (egal ob Schwein, Geflügel oder Milchvieh mehr als 25 Kühe) muss man sich nun mit höchstens 125000€ statt 300000€ Förderung zufrieden geben. So soll die Bayerische Landwirtschaft vorwärts kommen? Wie sieht es denn in den Landwirtschaftsämtern mit der Beratung aus, die wurde in den letzten 20 Jahren stillschweigend komplett abgebaut. Den Mehrfachantrag darf man ohnehin nur noch online abgeben, die Landwirtschaftsämter haben ihre Aufgabe überwiegend nur noch für Betriebskontrollen. Wirklich Bemerkenswert der Bayerische Weg! Es wird Zeit das Herr Brunner im nächsten Jahr den Platz für einen neuen Landwirtschaftsminister frei macht!

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Harald Finzel · 2.
    Das ist dummes Gelaber, mehr nicht.

    Brunner ist unfähig, die überdurchschnittliche Belastung kleiner Betriebe zu verhindern. Sei es beispielsweise die Düngeverordnung (ab 2025 auch auf Grünland nur noch Schleppschlauch - damit ist das Aus für viele Kleinbetriebe gerade im Voralpenland vorprogrammiert), die mangelnde Planungssicherheit bei der Tierhaltung (z.B. Ferkelkastration: Wo bleibt die Zusage für den "vierten Weg"?) oder auch nur der "ganz allgemeine" immer mehr ausufernde Bürokratie-Wahnsinn. Übrig bleiben ein paar Nischenbetriebe, die ihr Geld vorwiegend im spezialisierten Lebensmitteleinzelhandel (Markt, Hofladen), Tourismus oder Landschaftspflege verdienen aber nicht mehr in der "klassischen" Landwirtschaft. Für den Rest geht das "Wachsen oder Weichen" weiter, und zwar noch schneller als bisher. Danke Herr Brunner fürs Nichtstun.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren