Diebstahl auf den Feldern nimmt zu

Wie selbstverständlich halten sie am Feld an und packen sich Säcke und Wannen voll. Gemeint sind Mitbürger, die sich frei an Erdbeeren, Kartoffeln, Möhren oder Obst auf den Feldern der Landwirte bedienen. Manche sind sogar so dreist und fahren in den Erntepausen mit den Autos über Uferrandstreifen oder die abgeernteten Reihen direkt zu den Feldfrüchten und packen ein.
 
Auch wenn es keine Statistik gibt, die betroffenen Bauern wissen, dass die Verluste wegen Diebstahls in den vergangenen Jahren immer größer geworden sind. Der Einzelfall mag dem Landwirt zwar keinen großen finanziellen Schaden zufügen. Allerdings spricht sich die kostenlose Obst- und Gemüsequelle meist sehr schnell herum und die Zahl der „Besucher“ steigt rapide, wenn man nicht frühzeitig eingreift. Osteuropäische Sammler bringen auch gerne ihre Familien mit.
 
Dass die Diebstähle zunehmen, merkt auch Norbert Klanten vom Wickrather Bauernladen in Kamp-Lintfort. "Die Diebe werden immer dreister. Mir wurden gerade 200 frisch gepflanzte Erdbeerpflanzen gestohlen", erklärt er in einem Artikel der Rheinischen Post.

Der Einfallsreichtum der Diebe kennt keine Grenzen, vor allem, wenn Klanten sie nachts auf dem Feld zur Rede stellt. Dort hat er für seine regulären Erntehelfer ein Toilettenhäuschen aufgestellt. Als er in den frühen Morgenstunden eine ihm unbekannte Person mitten im Feld antraf und zur Rede stellte, wollte die "eigentlich nur das Toilettenhäuschen aufsuchen", erzählt Klanten. Auch zwei Ordensschwestern in männlicher Begleitung hatten auf seinem Blumenfeld 40 Gladiolen geschnitten. Auf Nachfrage entgegneten sie: "Die sind Schmuck für die Kirche." Eher widerwillig wurden die Blumen bezahlt. Klanten: "Das ist schon keine Lappalie mehr, sondern Diebstahl."

Auch wenn manche dieser Erlebnisse eher kurios anmuten, gehört der Diebstahl von Feldfrüchten mittlerweile zum Alltag, wie im Frühjahr dreiste Spargeldiebe zeigten. "Im Sommer, zur Grillzeit, sind es kofferraumweise die Maiskolben", klagt Landwirt Johannes Leuchtenberg aus Neukirchen-Vluyn. Ein klarer Fall von illegalem Ernten. Für Leuchtenberg und seine Kollegen gehen die Schäden in die Tausende. Auch wenn der Diebstahl zur Anzeige gebracht wird, "passiert es, dass die Staatsanwaltschaft wegen Geringfügigkeit das Verfahren einstellt. Wir bleiben auf dem Schaden sitzen", sagt Klanten.

Ähnlich die Erfahrungen von Stefan Bonsels, der seinen Betrieb in Niep hat. Bei ihm wurde der Kartoffelacker geplündert. "Rund eine Tonne Kartoffeln war einfach verschwunden", sagt Stefan Bonsels. "Das läppert sich." Ähnliches passiert beispielsweise bei Kollegen, die Speisezwiebeln anbauen. Nach der Ernte trocknen die Zwiebeln zunächst auf dem Feld und sind schnelle Beute. Mitgenommen werden auch aus öffentlichen Anlagen frisch gesetzte Blumenzwiebeln, wie am Klostergarten in Kamp, "die dann zu Hause in den Garten gepflanzt werden", weiß Klanten, der den Klostergarten zeitweilig betreute.

Und auch die Tiere sind nicht mehr sicher: Mittlerweile häufen sich Fälle von gestohlenen Schafen und Kälbern von der Weide. Teilweise findet der Landwirt nur noch die fachgerecht zerlegten Überreste am Wegesrand. (ad)

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von cairon · 1.
    Wenn es wirklich Hunger wäre....

    Als Kartoffelbauer kenne ich dieses Thema auch zu genüge. Wenn die Menschen wirklich aus Hunger stehlen würden, dann hätte ich ja Verständnis. Wenn es wirklich um Hunger ginge, dann könnten die Leute gerne zum Hof kommen und ich würde ihnen einen Sack Kartoffeln schenken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade die Leute die nichts haben die ehrlichsten sind. Im letzten Jahr habe ich einen Kartoffeldieb erwischt, der mit einem nagelneuen E-Klasse-Mercedes auf "Raubzug" war. Das Erntegut wird vom Acker geklaut und dafür dann der Gartenabfall und jeder andere Unrat in die Flächen gekippt. Und es stimmt schon, mit jedem Jahr wird es schlimmer. Nicht die vierbeinigen Wildschweine im Acker sind das Problem, es sind die Wildschweine die auf zwei Beinen laufen.

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  2. von preuße · 2.

    Wäre schön, wenn die Innenminister der Länder ihre Ordnungsbeamten auch mal zur Ermittlung diesen Volkes eingesetzt würden, statt nur für Blitzmarathons....

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  3. von paul-maier · 3.
    Wie war es nach dem Kreig?

    In den Städten herrschte vielfach Hungersnot. Die Leute kamen scharenweise zu den Bauern, arbeiteten für Kartoffeln, lasen die liegengebliebenen Ähren von den Feldern ab, oder tauschten ihre restliche Habe gegen Lebensmittel ein. Trotz größter Not hörte ich nichts über Diebstähle von den Feldern zu jener Zeit. Dann muß es wohl an einer damals noch vorhandenen und jetzt völlig verloren gegangenen Moral der Leute liegen.

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