EU-Kommissar warnt Mitgliedstaaten vor nationalem Glyphosat Verbot

Der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis sieht erheblich Arbeit auf die Mitgliedstaaten zukommen, wenn sie im Alleingang Glyphosat verbieten.
Bild: EU-Kommission

Der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat sich skeptisch über die Pläne einiger EU-Mitgliedstaaten geäußert, Glyphosat eigenmächtig in ihren Territorien zu verbieten. Er reagierte damit vor allem auf Frankreich, dass national ein Auslaufen der Zulassung für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel plant.

Er wünsche Frankreichs Behörden alles erdenklich Gute bei der Unternehmung, den Wirkstoff Glyphosat binnen drei Jahren vom Markt zu verbannen, zitiert das Brüsseler Politikmagazin Politico eine süffisante Reaktion von EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. “Wissen Sie, wie viele Glyphosat-Produkte in Frankreich zugelassen sind? Ungefähr 700”, sagte Andriukaitis der französischen Nachrichtenagentur AFP. “Wenn die französischen Behörden sie alle zurückziehen wollen, lassen wir sie machen. Das liegt nicht in der Verantwortung der Europäischen Kommission“, so Andriukaitis weiter.

Die Kommission habe eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat vorgeschlagen, weil es keine Belege gebe, dass das Mittel krebserregend sei, begründete Andriukaitis weiter. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte unmittelbar nach der Entscheidung für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat auf EU-Ebene um 5 Jahre am Montag angekündigt, dass sein Land nun national ein Verbot binnen drei Jahren auf den Weg bringen wolle. Bis dahin müssten Alternativen für den Einsatz gefunden werden, hatte Macron angefügt.

Auch in Deutschland richten sich die Diskussionen nach dem Abstimmungsstreit von dieser Woche nun darauf, wie die Verlängerung der Zulassung national umgesetzt wird. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte sich bereits im Vorfeld der EU-Entscheidung offen für eine nur dreijährige Verlängerung ausgesprochen. Anders als Frankreich, wollte er jedoch kein festes Ausstiegdatum akzeptieren. Auch hatte Schmidt sich im Laufe der Glyphosat Debatte immer wieder für Einschränkungen bei der Anwendung und Auflagen zur Steigerung der Biodiversität ausgesprochen. Bei einem ersten Versöhnungstreffen mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Donnerstag sagte er: „Wir werden gemeinsam an einer Lösung arbeiten, um den Einsatz von Glyphosat künftig restriktiver zu gestalten“.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Über den Tellerrand schauen,

    bzw. auch weit genug vorausschauen, sollte nach Möglichkeit jeder, auch eine Doris Peitinger! Nicht das sich auch da einige Resistenzen herausbilden. Beratungsresistenz ist auf die Dauer genauso tödlich für einen Betrieb wie Resistenzen bei Bakterien oder auf dem Acker. Betriebsblindheit nennt sich ein ähnliches Symptom, bei dem man in seiner eigenen Welt lebt und die Veränderungen drumherum nicht mehr sehen will, bzw. sieht. Aber wenn man in seiner eigenen kleinen Welt lebt und dort versucht zu überleben, dann sollte man über dieses Gelingen froh sein und nicht auf die "Kollegen", die versuchen ihren eigenen Weg zu gehen, mit dem Finger zeigen. Es reicht schon, wenn man sich als "heile Welt Biobauernhof" hinstellt. Diese mögen zwar für den einzelnen unbefangenen Besucher schön aussehen, helfen aber der Landwirtschaft als solches nicht. Im Gegenteil sie mutieren damit zum Nestbeschmutzer. Sicher - man könnte natürlich auch sagen, daß, wenn alle Betriebe auf Bio umstellen würden, es das Problem der gegensätzlichen Probleme nicht gäbe. Verständlicherweise - nur stellt sich dann die Frage: wie ernährt sich dann Deutschland? Haben sie sich und ihre Urlaubsgäste schon mal gefragt, ob es mit einer Landwirtschaft wie der ihren möglich ist, Deutschland diesen Lebensstandard, wie wir ihn heute kennen und schätzen, von vielen außerhalb unseres Landes neidvoll erstrebenswert scheint, zu gewährleisten? Bedenken sie, wenn allein die Lebenshaltungskosten von jetzt ca. 10 % auf 20 % steigen würden (weil alles nur noch Bio), dann wäre es für manche auch vorbei mit dem Urlaub auf dem Bauernhof. Dann müssten sie auch wieder am Rad drehen. An dem Rad, wie so jeder andere Betriebsleiter auch, der versucht seinen Betrieb so gut wie möglich über die Runden zu bringen - und sei es auch mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmittel, oder wie hier Glyphosat. Dessen Einsatz, betrachtet man die Aufwandmengen, in Deutschland eher in hömoöpathischen Mengen erfolgt, als mit der Gießkanne. Man braucht nicht auf Amerika verweisen, wenn man meint Glyphosat in Deutschland verbieten zu müssen. Die Amerikaner würden sich höchstens freuen, würden wir in Deutschland unsere eigene Landwirtschaft an die Wand fahren und mit einem breiten Grinsen ihre "glyphosatertränkten" Sachen liefern.

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  2. von Thorsten Schäfer · 2.
    Frau Peitinger mag die Brasilianer aus Arte kennen

    aber ein Blick auf die europäische Anwendung von Glyphosat dürfte eigentlich reichen, um zu verstehen, dass hier niemand Glyphosat tolerantes Soja in Monokultur anbaut, weil das nicht zugelassen ist. Soweit hätte der Blick über den Tellerrand dann doch reichen können? Wäre noch interessant, warum die brasilianischen Farmer trotzdem noch RR-Soja anbauen und nicht die konventionellen Sorten, immerhin kann Frau Peitinger und das BR da Probleme erkennen, die die Landwirte vor Ort vielleicht doch anders einschätzen? Das alles hat aber genau NICHTS mit Deutschland oder der EU zu tun.

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  3. von Karlheinz Gruber · 3.
    @Doris Peitinger

    Die Sendung "Unser Land" ist meiner Meinung nach inzwischen nicht mehr oder weniger eine halbe Propagandasendung der Grünen und der NGO`s. Vor Jahren wollten die mal mit mir einen "sachlichen Beitrag" über die Gülleausbringung im Herbst auf Maisstroh bringen. Das Ergebnis war eine halbe "Hetzjagd" gegen die Gülleausbringung auf Maisstroh. Neutralität ? Fehlanzeige. Die Reporterin outete sich während dem Dreh als Fan der Ukraine. Nach der Sendung habe ich Ihr Angeboten, in die Ukraine zu fahren, auf meine Kosten und ohne Rückfahrkarte. Habe ich auch Ihrem Chef damals mitgeteilt. Und wenn ich mir jetzt noch die interessanten derzeitigen Beiträge in der Mediathek ansehe, dann ist das von neutraler Information weit weg. Das kann sich ein Stadtmensch mit dem Hang zur Bauernromantik anschauen. Aber von moderner Landwirtschaft und Aufklärung. Nein Danke. Sendung einstampfen und gut ist es.... Somit haben die Bauernfeinde eine Sendung weniger! Weiß von anderen Leuten, die wo um Beiträge gebeten wurden, daß Sie riesige Magenschmerzen hatten und im Vorfeld schon nach dem Dreh sagten, Ihnen wäre im Nachhinein lieber nicht mitgemacht zu haben, weil Sie Angst haben, daß Sie im Beitrag nun für Dumm dargestellt würden.

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  4. von Doris Peitinger · 4.
    Mal über den Tellerrand schauen

    Anscheinend haben die Franzosen ihre Hausaufgaben gemacht und über den Tellerrand geschaut. Den Glyphosatverfechtern rate ich dringend, sich bei den brasilianischen Farmern zu informieren, deren Spritzmitteleinsätze aufgrund der Resistenzen immer häufiger und in immer giftigeren Kombinationen zu erfolgen haben. Wer davon profitiert, kann sich jeder ausrechnen! Müssen wir hier auf die gleiche heiße Herdplatte greifen und für kurzfristige Erleichterungen unser Land langfristig immer unbrauchbarer machen??? Schaut Euch mal "Unser Land" ( BR, Freitag19.00 Uhr ) in der Mediathek an! Ob Herr Schmidt so gehandelt hat, weil er BAYER einen Gefallen tun wollte, damit deren Einnahmen zukünftig auf jeden Fall weiter steigen? Und mit diesem Gesundheitsminister hat man wohl auch den Bock zum Gärtner gemacht, was mich bei diesem EU-Wasserkopf nun auch nicht wirklich wundert.

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  5. von Anton Bieg · 5.

    Eine Einschränkung wäre bei Glyphosat angebracht z.B. vor der Ernte in bestehende Bestände. Aber nicht die Landwirtschaft ist der grösste Verbraucher sondern die Kommunen, Deutsche Bahn und die Flughäfen. Aber von denen hört man nichts. Immer nur der Landwirt

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  6. von Wilhelm Grimm · 6.
    Minister Schmidt hat anscheinend auf Befehl von oben auch schon Hendricksche Kreide gefressen.

    Die GROKO soll nicht gefährdet werden. Wenn ich mir aber die Aussagen führender politischer Leithammel dazu anhöre, kann eine GROKO nur im Streit enden oder unselige, faule Kompromisse machen. Wer andere Schlüsse aus den bereits sichtbaren, gegensätzlichen Positionen zieht, sollte sich an das gescheiterte Jamaika-Chaos erinnern. Die CDU hatte in agrarpolitischen Fragen ihr letztes Hemd ausgezogen, auf das jetzt die Hendricks Anspruch erhebt. Wer für ein Glyphosatverbot schwärmt, ist entweder dumm oder charakterlos..

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  7. von Wilhelm Grimm · 7.
    Wer ein Glyphosatverbot in Deutschland fordert,

    ist unglaublich dumm oder charakterlos. Dass der Handel in diese Gruppe einzuordnen ist, wissen wir. Von deutschen Politikern wissen wir das auch. Diese populistische Stimmungsmache spiegelt sich bereits im Wahlverhalten der Bürger wieder. Zu Recht !

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  8. von Erwin Schmidbauer · 8.
    Der Handel wird es "richten"!

    Schon jetzt haben einige einige Molkereien ihren Lieferanten ein Glyphosatverbot beschert. An gesichts der aufgeheizten Debatte und Stimmungsmache in der Bevölkerung wird es wohl früher oder später dazu kommen, dass "glyphosatfrei" bzw. eher "glyphosatfrei erzeugt" zu einem Marketingargument werden. Nicht die EU hat dann den Wirkstoff verboten sondern die Abnehmer haben ihn dann "hingerichtet".

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