Effizienter füttern, punktgenauer düngen

Matthias Bröker und Marcus Arden Matthias Bröker und Marcus Arden, top agrar-Redaktion
Bild: top agrar

Das Vorwort von Marcus Arden und Matthias Bröker aus dem neuen top agrar-Ratgeber Düngeverordnung:
 
Nach langem politischem Gezerre gelten beim Düngen jetzt neue Spielregeln. Die Umsetzung der neuen Düngeverordnung ist für viele Landwirte indes eine echte Herausforderung. Allein die Verlängerung der Lagerdauer für Gülle von sechs auf neun Monate kostet in den nächsten Jahren Millionen.

In Schleswig-Holstein z. B. müssen die Schweinehalter gut 140 000 m3 zusätzlichen Güllelagerraum schaffen. Kostenpunkt: Weit über 7 Mio. €. Mancherorts ist auch die Genehmigung für den Behälterbau eine echte Hürde für die Betriebe.

Die Reduzierung der zulässigen Stickstoffüberschüsse, die glatte Halbierung der Phosphorsalden und die deutliche Absenkung der anrechenbaren N-Verluste bei der Fest- und Flüssigmistlagerung kosten ebenfalls viel Geld. Denn Gülleflächen bleiben durch die schärferen Grenzwerte rar und teuer. Das umso mehr, weil die 170-kg-Grenze für Stickstoff, die bislang nur für N aus tierischen Produkten galt, jetzt auch für Gärreste gilt. Entlastung bringen könnte allenfalls die Derogation.

Für die Tierhalter wird es künftig noch wichtiger, ihren Nährstoffeinsatz zu optimieren. Denn jedes Kilogramm Stickstoff, Phosphor, Kalium und Co., das nicht verfüttert wird und von den Tieren somit auch nicht ausgeschieden wird, muss auch nicht aufwändig gelagert, teuer abgegeben und ausgebracht werden.

In der Schweinehaltung liegt der „Nährstoffhebel“ in der weiteren Optimierung der Futterrationen. Denn wer auf N-/P- oder stark N-/P-reduzierte Fütterungsstrategien umstellt, entlastet sein Nährstoffkonto deutlich. Im Vergleich zur Universalmast sparen Mäster zwischen 15 und 20 % Stickstoff bzw. Phosphor ein. Und ganz nebenbei profitieren auch die Schweine davon, da ihr Stoffwechsel entlastet wird.

Auch in der Rinderhaltung gehört der nährstoffreduzierten Fütterung die Zukunft. Sicherheitszuschläge bei Protein sind heute ohnehin überflüssig und teuer. Eine neue Herausforderung wird die Phosphor-Versorgung. Denn Molkereien und Handel zwingen die Milcherzeuger zur GVO-freien Produktion. Dadurch steigt der Rapsanteil in den Rationen an. Raps aber enthält viel Phosphor, dass macht die Mineralfutterergänzung schwieriger.

Im Ackerbau geht es vor allem darum, die Nährstoffe noch effizienter in die Pflanze zu bringen. Es gilt, die Kulturen optimal zu ernähren und Bilanzüberhänge dabei möglichst zu vermeiden. Lösungsansätze dazu gibt es: Mit dem Strip Till-Verfahren kombiniert mit einer Gülle-Unterfußdüngung lässt sich z. B. der Gülleeinsatz verbessern. Wer zusätzlich Nitrifikationshemmer einsetzt, kann sogar Mehrerträge erwarten. Das System ist mittlerweile aus den Kinderschuhen und verbreitet sich in der Praxis. 

Einen Beitrag zum effizienteren Nährstoffeinsatz bietet auch die teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Sensoren ermöglichen es, auch heterogene Flächen punktgenau zu düngen. Unser neuer Ratgeber soll Ihnen dabei helfen, die richtige Strategie für die Umsetzung der neuen Düngeregeln in Ihrem Betrieb zu finden.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hermann Stroemer · 1.
    Für praktische Umsetzung

    als auch für die "theoretische" Dokumentation werden viele Betriebe Unterstützung in Form von Beratung und Buchführung in Anspruch nehmen. Das kostet die Betriebe Geld, welches von den Höfen runter hinein in unserer (teils verbeamtete) Kontrollindustrie fließt. Angeschoben von Grünen und NGO's und unter den Augen sämtlicher großer und kleiner Bauernverbände durchgewunken von der "GroKo". Da die Düngebürokratieverordnung keinen Einfluss auf Natur und Nitratwerte haben wird, kann man an alle Beteiligten nur sagen: Herzlichen Glückwunsch.

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  2. von Kirsten Wosnitza · 2.
    wenn es stimmt

    Dass bezüglich der Effizienz des Nährstoffeinsatzes noch so viel Luft nach oben ist, dann sind wir Landwirte in der Vergangenheit schlecht beraten worden. Wer hat davon profitiert?

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  3. von Gerd Uken · 3.
    und zu guter letzt sstzt dann so wie R F/C noch einen drauf

    Mit dem Kringlopwijzer wer sich nicht dran hält , dessen Milch wird nicht mehr abgeholt.......!

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