Ende der Zuckermarktordnung: Heute beginnt eine neue Ära

Eine neue Zeit für die Zuckerrübenbauern bricht an.
Bild: Agrifac

Mit dem am 1. Oktober 2017 beginnenden Zuckerwirtschaftsjahr bricht für die deutschen und europäischen Zuckerrübenanbauer eine neue Ära an. Nach knapp 50 Jahren läuft die bisherige Zuckermarktordnung aus, die durch die Zuckerquote und die Rübenmindestpreise das Mengen- und Preisgefüge am Zuckermarkt wesentlich bestimmte. Zuckerrübenanbauer drängen auf faire Wettbewerbsbedingungen.
 
Damit wird eine der letzten Marktordnungen als Element der Agrarpolitik des vergangenen Jahrhunderts beendet und der europäische Zuckermarkt liberalisiert. Die deutschen Zuckerrübenanbauer werden dann mehr denn je im globalen Wettbewerb mit den großen Zuckererzeugern Brasilien und Thailand stehen, aber auch mit den europäischen Rübenanbauregionen, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV) anlässlich der historischen Veränderung. Jetzt gelte es, die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen.
 
„Die Zuckerrübenanbauer haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich lange und intensiv auf diesen wichtigen Zeitpunkt vorbereitet“, sagte Bernhard Conzen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauerverbände und damit Vertreter der rübenanbauenden Landwirte im DBV. Schließlich würden die über den Sommer herangewachsenen und in diesen Tagen gerodeten Rüben schon unter den neuen Bedingungen des freien Zuckermarktes verarbeitet und vermarktet werden. „Durch Züchtungsfortschritte und verbesserte Anbau- sowie Erntebedingungen konnten wir die Rübenerträge in den vergangenen Jahren nachhaltig steigern und die für die Fruchtfolge wertvolle Zuckerrübe im Anbau erhalten“, so Conzen weiter. Dies solle auch zukünftig so bleiben, weswegen die gesamte Branche erhebliche Anstrengungen unternommen hat, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. „Mit der Ausweitung der Anbaufläche stellen wir den Zuckerfabriken den Rohstoff für eine längere Verarbeitungskampagne zur Verfügung. Das senkt die Kosten der Zuckerproduktion“, erläuterte Conzen.
 
Den gerade für den ländlichen Raum wichtigen wirtschaftlichen Beitrag können die Zuckerrübenanbauer und ihre rübenverarbeitenden Fabriken jedoch nur dann auch zukünftig leisten, wenn die neue Bundesregierung die richtigen Rahmenbedingungen setzt. Die in bisher zehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union gewährten gekoppelten Direktzahlungen benachteiligen deutsche rübenanbauende Betriebe im Wettbewerb mit den europäischen Nachbarn. Durch den Wegfall der Zuckerquote als produktionsbeschränkende Maßnahme könnte es in den Ländern mit gekoppelten Zahlungen zu einer Ausweitung der Produktionsflächen kommen, was jedoch nicht den Vorgaben der EU-Kommission zur Gewährung dieser gekoppelten Zahlungen entspricht. Die strikte Überprüfung des Produktionsumfangs der Mitgliedstaaten mit gekoppelten Direktzahlungen und eine Abschaffung dieser mit der nächsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik gehören daher zu den vordringlichen Anliegen der deutschen Zuckerrübenanbauer. Auch außereuropäische Zuckererzeuger stützen die Erzeugung bzw. den Export von Zucker, weswegen Zucker aus Deutschland in keinem fairen Wettbewerb mit Zucker aus Brasilien oder Thailand steht. Die Aufrechterhaltung des Außenschutzes ist daher essentiell für den deutschen Zuckerrübenanbau. Dies beinhaltet auch, dass es in zukünftigen Freihandelsabkommen nicht zu weiteren Zugeständnissen hinsichtlich der Einfuhr von Zucker kommen darf. Vielmehr ist Zucker unbedingt als sensibles Produkt zu betrachten. Positiv ist aus Sicht der Zuckerrübenanbauer die mit dem Ende der Zuckermarktordnung verbundene Aufhebung der von der Welthandelsorganisation verhängten Exportbeschränkung. Zukünftig darf die Europäische Union somit wieder unbeschränkt Zucker exportieren. Dies erfordert nach Jahren der Exportrestriktionen allerdings die Erschließung neuer Absatzmärkte.
 

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Grimm · 1.
    Wenn man uns die modernen Beizmittel wegnimmt,

    ist die Rübe sowieso tot.

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  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Wir brauchen gentechnisch verbesserte Rübensorten,

    sonst ist die Königin des Ackerbaus tatsächlich tot.

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  3. von Dr. Willi Billau · 3.
    Die Königin des Ackerbaus ist tot!

    Unsere Bauern werden durch ein Bonussystem ermuntert 40% mehr Rüben zu produzieren. Die Zuckerindustrie kann ihre Anlagen voll ausreizen, die Fixkosten auf die größere Menge verteilen und aggressiv am Weltmarkt anbieten. Abgerechnet wird am Schluss, der Bauer kriegt die Brosamen. Im März noch große Hoffnungen wegen Weltmarktpreis, dieser ist jedoch momentan im freien Fall. Bauern werden ihre Hosen verlieren, mussten sich mit ihrer Anbaufläche aber schon jetzt auf 2018 festlegen, damit die Fabriken Planungssicherheit haben. Und Alternativen: Weizen?, Kartoffeln? Gemüse? Dass ich nicht lache, alles übervolle Märkte. Nix anderes wie bei der Milch. Da gibts wenigstens den BdM.

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  4. von Hans Nagl · 4.
    Vorteil der Zuckerrübenanbauer gegenüber den Milchbauern.

    Wenn der Preis nicht passt kann man nächstes Jahr Weizen oder oder Anbauen . Ein Milchviehstall bindet schon mal für 20 Jahre.

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  5. von Eckehard Niemann · 5.
    Bauern-bedrohende Überschuss- und Weltmarkt-Strategie der Zuckerkonzerne

    Gegenüber den aktuell nochmals bekräftigten Forderungen der Süßwaren-Konzerne nach Wegfall des Import-Außenschutzes beim Zucker hat die Zuckerindustrie nun ziemlich schwache Argumente, seit sie nicht mehr „nur“ den EU-Binnenmarkt beliefern will, sondern nunmehr eine massive Überproduktion für den Export auf den Weltmarkt ankurbelt. Das bedroht massiv die Rüben-Erzeugerpreise. Wer findet endlich den Mut, im Interesse der Rübenanbauer dieser Strategie entgegenzutreten und sie zu stoppen – durch EU-weiten Zusammenschluss der Rübenbauern in einer konzernunabhängigen Erzeugervertretung ?

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  6. von Gerd Uken · 6.
    So so Zucker ist ein sensibles Produkt

    Denen wird auch der frische Globale Wind noch um die Nase wehen - Frankreich hat kurzfristig die Anbaufläche gesteigert und wie will man sich denn vom Markt abschotten? Quoten gibt es nicht mehr! Es lebe der freie Markt!

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  7. von Matthias Zahn · 7.
    Rahmenbedingungen und Vorbereitung

    Die Zuckerrübenbauern haben sich mithilfe des DBV auf die Quotenfreie Zeit vorbereitet. Warum tat das der DBV im Milchbereich nicht genauso? Es wird sich, laut dem oberen Artikel, eingesetzt für faire Rahmenbedingungen inkl. Aussenschutz und Einstufung als besonders sensibles Produkt. Warum tat das der DBV im Milchnereich nicht genauso?

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