Wolf knurrt Kinder an: Bundespolitik diskutiert jetzt über Lösungen

Wolf Suche nach besenderten Wölfen
Bild: NDR

Der Wolf kommt aktuell nicht aus den Schlagzeilen. Häufiger wurden nun Tiere in menschlichen Siedlungen gesehen. Am vergangenen Wochenende hatte ein Wolf zwei Kinder angeknurrt. Der Landkreis Celle hatte das Land danach zum Handeln aufgefordert. Niedersachsen plant nun Besenderungen. Auch der Bundestag diskutiert am heutigen Freitag über den Wolf, die Anträge von FDP, Grünen und Linken könnten nicht unterschiedlicher sein. 

FDP fordert Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht
 
Für die FDP stellt das neue Zusammenleben von Mensch und Wolf in der heutigen Kulturlandschaft eine Herausforderung dar. Die Rückkehr des Wolfes sei aus Sicht des Artenschutzes zu begrüßen, jedoch sollen die Sorgen in der Bevölkerung und bei Nutztierhaltern ernst genommen werden. Die FDP verlangt in einem entsprechenden Antrag von der Bundesregierung unter anderem, den Wolf als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen.
 
Darüber hinaus sollen einheitliche Standards für ein bundesweites Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring geschaffen und zusätzliche finanzielle Mittel für die Schadensprävention und für Wolfsgeschädigte bereitgestellt werden. Aus Sicht der Liberalen hätten sich die Jäger als ausgebildete Fachkräfte im jeweiligen Jagdbezirk bewährt und seien in Notsituationen sehr schnell mobilisierbar.
 
Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht erkenne die besondere Bedeutung der Jäger an. Sie trügen die Verantwortung für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur in ihrer Jagd und würden nicht zu Helfern in Ausnahmefällen degradiert.

AfD fordert regionale Wolfsobergrenze

Auch die AfD-Fraktion fordert landes- und regionalspezifische Obergrenzen für Wolfspopulationsdichten. In einem Antrag schlägt die Fraktion vor, das Naturschutz- und Jagdrecht so zu ändern, dass unter anderem die Bedeutung der Weidetierhaltung sowie regionale Besonderheiten der Besiedlungs- und Touristikstrukturen besser berücksichtigt werden.

Oberhalb der Obergrenze soll nach Willen der AfD eine Bejagung erlaubt werden. Weiterhin fordert die AfD, den artenschutzrechtlichen Schutzstatus auf den Gemeinen Wolf zu reduzieren und Hybriden, Mischlinge sowie andere Wolfsrassen davon auszuschließen.

Zur Begründung führt die Fraktion unter anderem an, dass der absolute Schutz des Wolfes in einzelnen Regionen zu einer Populationsdichte von Wölfen und Wolfsmischlingen geführt habe, "welche einerseits oberhalb derer liegt, die zur Erhaltung eines gesunden Bestandes notwendig ist, und andererseits mehr und mehr Wölfe zu einer artfremden Lebensweise veranlasst". Der Antrag wird am Freitag erstmals im Bundestag beraten.
 
Linke will Ausgleich für Schäden durch den Wolf
 
Die Fraktion Die Linke plädiert für Sofortmaßnahmen zum Schutz weidetierhaltender Betriebe vor Wölfen. In einem dafür vorgelegten Antrag fordern die Abgeordneten unter anderem die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen und den Ausgleich von Schäden durch Wolfsübergriffe. Dieser Anspruch soll bundeseinheitlich und praktikabel geregelt und finanziert werden.
 
Das Haftungsrecht bei Wolfsübergriffen will die Fraktion ebenfalls klar geregelt sehen und anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Bestandsentwicklung von Wildtieren insgesamt und des Wolfs im Besonderen auf den Weg bringen, um "wolfssichere Herdenschutzlösungen für unterschiedliche Gebietskulissen" zu erarbeiten.
 
Grüne wollen Wolf umfassend schützen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen betrachtet die Rückkehr des Wolfes als einen großen Erfolg für den Artenschutz in Deutschland. Die Abgeordneten fordern daher die Bundesregierung in einem Antrag unter anderem dazu auf, sich auf allen Ebenen für einen umfassenden Schutz des Wolfs einzusetzen. Dabei sei das Ziel, eine stabile und ausreichend große Wolfspopulation zu erreichen und die Bedingungen für die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes zu verbessern.

Niedersachsen will Wölfe besendern

Wolf Angst in der Südheide - Wolf soll Kinder angeknurrt haben
Bild: NDR
Im Zuge der Ausarbeitung eines neuen Wolfskonzeptes für Niedersachsen hat Umweltminister Olaf Lies (SPD) angekündigt, deutlich mehr Wölfe mit Sendern auszustatten. Die dadurch gesammelten Daten sollen Grundlage für ein verbessertes Wolfsmanagement sein. Eckpunkte will er nach NDR-Informationen aber erst in einigen Monaten vorstellen.

Wolfsberater hatten seit Jahren gefordert, mehr Wölfe zu besendern. Dementsprechend verärgert reagieren sie, dass sie erst jetzt erhört werden. Wolfsberater Klaus Bullerjahn aus Bad Bevensen (Landkreis Uelzen) etwa spricht gegenüber dem NDR von einer "unglaublichen Zeitverschwendung". "Wir hätten vor Jahren schon damit anfangen können und wären heute vielleicht an einem ganz anderen Wissensstand", sagte er NDR 1 Niedersachsen.

Bullerjahn glaubt, dass die Daten der Wolfssender in Zukunft auf der einen Seite helfen werden, die Tiere besser zu verstehen und Ängste abzubauen, aber auch dazu beitragen können, die Wölfe auszumachen, die den Menschen zu nahe kommen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

In den vergangenen Wochen hatten sich Berichte über Wolfssichtungen gehäuft. Mitunter wurden die Tiere dabei mitten in menschlichen Siedlungen angetroffen. So hatte Mitte Januar das Foto eines Wolfs an einer zentralen Kreuzung in Walsrode für Aufsehen gesorgt. Womöglich dasselbe Tier wurde in den vergangenen Tagen in Meißendorf bei Winsen (Aller) sowie im Winsener Ortsteil Bannetze gesichtet. Dort soll ein Wolf am vergangenen Wochenende zwei Kinder angeknurrt haben. Der Landkreis Celle hatte das Land danach zum Handeln aufgefordert.

WWF kritisiert "populistisches Schaulaufen"

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Der WWF warnt hierzu vor einer Scheindebatte, mit der Weidetierhaltern nicht geholfen ist. „Der Ruf der AfD und der FDP nach Jagdrecht und Obergrenzen ist populistisches Schaulaufen und führt die Debatte am Thema vorbei. Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, trägt nicht zur Lösung der Konflikte bei. Wer Tierhaltern wirklich helfen will, setzt sich dafür ein, dass sie beim Herdenschutz schnell und unbürokratisch unterstützt werden“, sagt Dr. Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz in Deutschland beim WWF.
 
Weidetierhalter benötigten individuelle Beratungen, Geld für geeignete Zäune und gut ausgebildete Herdenschutzhunde. Die Unterstützung sollte nicht nur Sachkosten umfassen. „Insbesondere naturnah wirtschaftende Tierhalter leisten einen wichtigen Beitrag für den Naturschutz und die Landschaftspflege. Das ließe sich zum Beispiel durch eine Weidetierprämie honorieren“, so Pretzell. Dafür sollten sich Politiker auf Landes- wie Bundesebene stark machen, anstatt den Wolf und die Tierhaltung gegeneinander auszuspielen.
 
Die Bestimmungen zur Förderung von Herdenschutzmaßnahmen gleichen in Deutschland nach Ansicht des WWF einem föderalen Flickenteppich. In Bayern würden Landwirte zum Beispiel immer noch auf klare Regelungen und Ansprechpartner warten. Eine zentrale Bündelung von Kompetenzen und Know-how im Herdenschutz sei längst überfällig, um Weidetiere zu schützen und die Halter bei Wolfsrissen schnell zu entschädigen.
 
Der WWF stellt klar, dass diverse Managementpläne der Bundesländer die Entnahme einzelner Wölfe bereits erlauben. Tiere, die trotz fachgerechter Schutzmaßnahmen Nutztiere reißen oder die eine mögliche Gefahr für Menschen sind, könnten getötet werden, wenn sie sich nicht vergrämen lassen. Dies mache eine Aufnahme ins Jagdrecht überflüssig.

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Bahnmüller · 1.
    Pest und Cholera

    Wann fordert jemand deren Wiederansiedlung? Wäre ja auch was für die Artenvielfalt (Ironie aus)

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  2. von C. Schmidt · 2.

    Wieder einmal ein einziger Witz was die Politik hier vor allem der Landbevölkerung vorspielt und zumutet. Es gibt für etliche andere Wildarten (Rot-, Dam-, Sika-, Muffelwild) Bewirtschaftungsbezirke innerhalb derer die Population auf eine bestimmte Bestandesdichte beschränkt ist, außerhalb ist jedes Stück Wild zum Abschuss frei. Wie soll es vor allem in Grünlandregionen demnächst aussehen wenn alles durch einen Wolfssicheren Zaun (der auch nicht immer schützt) gesichert werden soll. Die Grünen wollen doch das die Weidehaltung zum Standard wird.

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Vorhersehbar!!

    Das kam ja jetzt schneller als ich erwartet habe. Bei den Grünen frage ich mich, was sie eigentlich dann tun wollen, wenn die "gesicherte Population" erreicht ist. Wieviel Tiere erachten sie als eine gesicherte Population? Im Großen und Ganzen ist ihre Sicht der Dinge aber nur das ihnen und auch den Linken typische Verweigern der Realität.

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  4. von Karlheinz Gruber · 4.
    Gerade eingefallen

    Um solche Situationen mit Wölfen in der Zukunft zu vermeiden und dem Wolf und Co. eine gute Grundlage für die Zukunft zu schaffen ohne Probleme mit den Menschen zu bekommen bin ich für folgenden Vorschlag: Die Menschheit wird jetzt in ein Gehege verbracht. Denn dann kann sich die Natur wieder frei entfalten und es passiert nichts. Ironie aus

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  5. von Karlheinz Gruber · 5.
    Solange die Befürworter

    nicht selber von den Wölfen gebissen wurden (die leichtere Variante, die andere erspare ich hier mal), wird der Wolf bei vielen weiterhin nur als Schmusetier gesehen. Hoffentlich passiert nicht den unschuldigen was, sondern nur denen, die jetzt das Schiff darauf hinsteuern. Wölfe in Siedlungen haben die Scheu vor den Menschen verloren.... Mehr gibt's dazu nicht zu sagen..... Außerdem hoffen wir, daß keine Kinder mal das Ausbaden müssen was Fanatiker hier anrichten.... Aber die Sender werden wahrscheinlich dafür gebraucht, daß man dann im Radio die Durchsage hört: Zur Zeit läuft ein Wolf durch die Straßen von ... nach... Wir bitten die Leute bis zum Abziehen des Wolfes in den Häusern und Fahrzeugen zu bleiben. Wir melden uns wieder wenn der Schmusewolf weitergezogen ist... Sind diese Senderhalsbänder überhaupt Tiergerecht? Der Wolf könnte sich ja darin in einem Ast verfangen und daran ersticken. Wo sind denn die Tierschützer... Ironie aus.

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  6. von Alexander Audrit · 6.

    Unsere Vorfahren haben den Wolf nicht ohne Grund ausgerottet. Wir brauchen den Wolf in Deutschland nicht. Da gibts überhaupt nichts zu diskutieren. Deutschland ist viel zu dicht besiedelt. Wenn dann mal der Ein oder Andere hier rum läuft, kein Problem aber wir haben jetzt schon in einigen Bundesländern die höchste Populationsdicht in ganz Europa. Hier wollen sich ein paar Naturschützer und NGO’s die sonst nichts Sinnvolles auf die Kette bekommen ein Denkmal Setzen, weiter nichts! Muss wirklich erst ein Kind sterben damit Vernunft einkehrt??

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  7. von Werner Kriegl · 7.
    Abwarten

    Warten wir doch mal bis zum nächsten strengen Winter mit viel Schnee. Dann sind die Raubtiere etwas hungriger und sind leichter Beute sicherlich nicht abgeneigt. Da bin ich mal gespannt, wie die Wolfsbefürworter sich aus der Verantwortung winden....

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