Erträge reichen nicht, um Tiere über den Winter zu bringen

Rundballen Die extrem angespannte Futtersituation in den viehhaltenden Betrieben Thüringens zwingt zu einem zusätzlichen Ankauf von Futtermitteln.
Bild: Archiv

Mindererträge von 25 Prozent bei der Ernte von Silomais und bis zu 30 Prozent weniger Ertrag auf Grünlandflächen gefährden die Versorgung der Tierbestände, warnt die Interessengemeinschaft Benachteiligtes Gebiet (IG BENA) aus Thüringen.

Grund ist die ausergewöhnliche Trockenheit von April bis August, die vielerorts dazu geführt hat, dass der Mais nur sehr dünne, kleinwüchsige Bestände hervorbrachte, die kaum einen Kolbenansatz zeigten. Auf dem Grünland bzw. auf den Ackerfutterflächen konnte zudem häufig nur ein erster Schnitt geerntet werden, so die IG BENA weiter. Der zweite Schnitt sei oftmals ausgeblieben und ein dritter wäre gar nicht möglich gewesen.

Dadurch reichten bei vielen Landwirten die Erträge nicht aus, um ihre Tiere, vor allem Rinder und Schafe, bis nächstes Jahr zu versorgen, sagte Astrid Hatzel, Vorsitzende der IG BENA: „Bereits jetzt müssen viele Tierhalter die Wintervorräte verfüttern. Viele werden ihre Tierbestände abbauen müssen, einzelne Betriebe gar um ein Viertel des Bestandes“, so Hatzel.

Die extrem angespannte Futtersituation in den viehhaltenden Betrieben Thüringens zwingt zu einem zusätzlichen Ankauf von Futtermitteln. Das sei aber für viele Landwirte keine Option, so die Einschätzung von Hatzel: „Der Futtermittelmarkt ist leergefegt, die Preise gehen durch die Decke. Vielen Landwirten, gerade im benachteiligten Gebiet, fehlt derzeit schlicht das Geld“ so Hatzel.

Damit die Tierhalter Futtermittel erwerben und ihre Bestände retten können, fordert die IG BENA, dass die Direktzahlungen vorgezogen und möglichst bereits im Oktober an die Tierhaltenden Betriebe ausgezahlt werden. Auch die Gelder aus der Ausgleichszulage und dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) müssen früher bereitgestellt werden, um hier Abhilfe zu schaffen.

Hintergrund

Die Interessengemeinschaft Benachteiligtes Gebiet (IG BENA) ist beim Thüringer Bauernverband e.V. angesiedelt und setzt sich für die Belange der Bauern in Thüringen, die auf Flächen wirtschaften, die im benachteiligten Gebiet liegen. 

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Eibo Eiben · 1.
    Erträge ...

    … reichen nicht, um die Tiere durch den Winter zu bringen; endlich wird mal das "wahre" Problem angesprochen - … - das mit den "Erlösen" ( > 40 ct/kg müssten doch drin sein … !) wird wohl der Markt "richten" - ...

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  2. von Harald Finzel · 2.
    Schlachtprämie für Milch- und Mutterkühe einfordern!

    Die Bauernverbände und zugehörige Organisationen sollten lieber eine Schlachtprämie für Milch- und Mutterkühe einfordern. Das würde auch den Milchpreis stützen. Aber in Zeiten, in denen bei immer mehr Familien der Hund am Mittagstisch sitzt, während Opa ins Altersheim abgeschoben wurde, ist das wohl keine politisch opportune Forderung...

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  3. von Tobias Rausch · 3.
    @Muenzebrock

    Sehr gut erkannt! :) Wollen wir hoffen das die nächsten Jahre keine Dürrejahre werden, sonst darf man nichts mehr ausbringen ;).

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  4. von Heinrich-Bernhard Muenzebrock · 4.
    Schlechte Zeiten für Großviehhalter

    Die ungenügende Versorgungslage in einige Gebieten wird einige Betriebe in Bedrängnis bringen. Es bleibt teilweise nur noch der Zukauf von Futter zu hohen Preisen oder die Teilabstockung des Tierbestands. Die Ackergrasaussaat, nach der Hauptfrucht, wird keine Entspannung der Lage bringen. Es ist für die Großviehhalter wirklich eine sehr schwierige Zeit. Auf der anderen Seite kann ich aber einige Betriebe, hier in unserer Umgebung, nicht verstehen, dass immer noch Wirtschaftsdünger wie in alten Zeiten ausgebracht wird. Die neue Düngeverordnung wird für diese Betriebe zum Boomerang. Max. 45-50 cbm Rindergülle können im Jahr ausgebracht werden ohne die Phosphorgrenze gravierend zu überschreiten. Der Phosphor im Boden spielt dabei keine Rolle, da er festliegt. Es geht um den Phosphorbedarf der Hauptfrucht in einem Jahr. Da die Erträge, in diesem Jahr, geringer ausfallen und damit die Menge des Ernteguts niedriger ist, ist die Phosphorbilanz noch schlechter einzuhalten. Ich bin der Meinung, dass einige Landwirte die Tragweite der neuen Düngeverordnung noch garnicht verstanden haben. 170 kg aus Wirtschaftsdünger/Jahr wird man so kaum noch erreichen. Die Folge ist, dass, wenn die Bilanz im Durchschnitt von 6 Jahren über den Sollwert liegen, die Flächen für Wirtschaftsdünger gesperrt werden.

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