Europäisch-kanadisches Freihandelsabkommen setzt Fleischbranche unter Druck

Das europäisch-kanadische Handelsabkommen (CETA) könnte nach Einschätzung von DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken die europäischen Fleischproduzenten unter Druck setzen.

In einer Anhörung des Bundestagsernährungsausschusses vergangene Woche in Berlin verwies Krüsken auf die niedrigeren Tierschutz- und Umweltauflagen in Nordamerika und die damit einhergehenden Wettbewerbsvorteile für die dortigen Produzenten.

Vor diesem Hintergrund begrüßte Krüsken ausdrücklich die Festlegung von sensiblen Produktbereichen. Dazu zählen seinen Angaben zufolge einige EU-Milchprodukte sowie Rindfleisch, Schweinefleisch und Süßmais aus Kanada. Gleichzeitig kritisierte Krüsken jedoch die vereinbarten Tarifquoten für Kanada im Bereich Rind- und Schweinefleisch als zu hoch. Dies werde zu zusätzlichem Druck in beiden Sektoren in der EU führen. Umgekehrt sei der landwirtschaftliche Berufsstand in Kanada unzufrieden mit dem zusätzlichen Marktzugang für europäische Milchprodukte.

Krüsken verwies auf Schätzungen der EU-Kommission, nach denen sich der Export von europäischem Käse nach Kanada verdoppeln werde. Für nicht gerechtfertigt hält der DBV-Generalsekretär Befürchtungen, mit dem Abkommen würden EU-Standards im Lebensmittelbereich ausgehöhlt. Kanada habe in den Verhandlungen die europäische Gesetzgebung mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) akzeptiert. Darüber hinaus stelle das Land weder das europäische Verbot des Einsatzes von Hormonen und Wachstumsförderern in der Fleischproduktion noch den Schutz geographischer Ursprungsbezeichnungen in Frage.

Milchwirtschaft profitiert

Insgesamt optimistisch beurteilt Prof. Peter Michael Schmitz von der Universität Gießen die Folgen eines Freihandelsabkommens mit Kanada: „Die Milchwirtschaft wird zusätzlich profitieren“, prognostizierte der Agrarökonom. Allerdings rechnet auch Schmitz mit „Druck“ auf die europäischen Produzenten im Rind- und Schweinefleischbereich.

Der Wissenschaftler widersprach der Einschätzung, das Handelsabkommen werde negative Auswirkungen auf die Entwicklungs- und Schwellenländer haben. „Es trifft Drittländer nicht, wenn die EU und Kanada stärkeren Handel treiben“, sagte er. Seiner Ansicht nach würde der durch solche Handelsabkommen bestärkte Trend, Handelsschranken abzubauen, das Geschäftsklima insgesamt begünstigen, weil Zölle reduziert würden. Eine Öffnung der Märkte sei für die Entwicklungsländer „grandios“.

Lesen Sie mehr

Leserkommentare Kommentieren

  1. von klaus1618 · 1.
    I can resist everything but temptation. (Oscar Wilde)

    CETA / TTIP haben nur ein ausschließliches Ansinnen im Lebensmittelumfeld: Die Lebensmittelbranche sowie das vor- u. nachgelagerte Gewerbe sollen noch effizienter Umsätze generieren können, durch Einsatz modernster Techniken in der Urproduktion ein Produktionspotential geschaffen werden in noch nie dagewesenem Ausmaß. Dass selbige Turbo-Produktion zwangsläufig einhergeht mit einer massiven Arbeitsplatzvernichtung im landwirtschaftlichen Umfeld in den ländlichen Räumen nimmt man gerne billigend in Kauf. KEINE Zunahme an landwirtschaftlichen Betrieben, ausschließliche Wachsen-und-Weichen-Strategie: nachhaltigst befeuerter TURBO-STRUKTURWANDEL!!!____Wissenschaftlicherseits wird fatalerweise weiterhin über Absatzchancen in übersättigte Märkte rauf- u. runterdiskutiert, mit spitzesten Bleistiften werden Erfolgsquoten betriebswirtschaftlich bewertet. Sobald man nur im Cent-Bereich „schwarze Zahlen“ rechnerisch zu schreiben vermag, brandet rosender EIGEN-Applaus auf, ein euphorisches Klopfen auf die eigene Schulter in narzzistisch verfallendes Eigenlob. Feinste Stellrädchen werden justiert, um Schwachstellen innerhalb der Urproduktion im nur Zehntel-Prozentbereich zu analysieren um Betriebsleiter auf den landwirtschaftlichen Höfen zu brandmarken, dass selbige dem Turbo-Strukturwandel geweiht seien.____Bei bereits nur gemutmaßter Minimalstüberversorgung der Märkte bekommen wir aktuell doch mehr als anschaulich statuiert, was dann den wahren Wert unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausmacht: Der Bauer als Billigheimer, entlohnt auf Ramschpreis-Niveau, sowohl jenseits und als auch diesseits des Atlantiks. Produktionsalternativen, die selbiges auch nur ansatzweise zu unterbinden vermögen, lagern diese vernachlässigt und verstaubt im hintersten Wissenschaftler-Regal oder vielleicht gar wohlbehütet unter Verschluss verwahrt in den Schubladen verantwortlicher Entscheidungsträger??? Chapeau - enthusiastischer Applaus, Applaus!!! Von wem, für wen?____Ob sich wohl unsere hochbefähigten Agrarökonome sowie unsere selbstverliebte Politikergilde auch auf einem Einkommensniveau auf Basis Ihrer Väter und Urväter reduzieren lassen wollten!?!?!? - Beim kleinen Bäuerlein steht diese Frage mal überhaupt nicht im Raum. Dieser wird einkommensmäßig STABIL eben auf selbigem Niveau „festgezurrt“ - über Jahrhunderte!? Aber bitte, meine Damen und Herren, auch eine Art von „PLANUNGSSICHERHEIT“, wer hat denn hier nur stetig zu meckern???____Unsere vorausschauend befähigte Wissenschaft tangiert es nicht im geringsten, dass wir derzeit zu Bedingungen produzieren, die in eben dieser Form von unseren Kunden, der Vielzahl der Verbraucher, so nicht gewünscht werden. Beide Abkommen, sowohl CETA als auch TTIP, werden diese Produktionskriterien unter ausschließlichen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten noch weiter befeuern. Großkonzerne-Cent-Fuchsereien mit Dollarzeichen in den Augen und die Melodien der Gelddruck- und Zählmaschinen in den Ohren vernebeln gekonnt den Zugang zu realen Bauern- und Verbraucherwelten. Fortschritt in Technik gigantischen Ausmaßes u. die Menschheit rettende(?) grüne Gentechnik: JA!!! - Sozialverträgliche, mitmenschliche Fortentwicklung: NEIN, fehl am Platze!!! Ausschließlich ergebnisorientiert wedelt auch weiterhin der Schwanz zielführend mit dem Hund. Übertitelt ist das ganze mit fortschrittlicher landwirtschaftlicher MODERNE unter politiker- und wissenschaftlicherseits schon ritualisiert anmutender Huldigung der GLOBALEN, äußerst volatilen(!) MÄRKTE zum Wohle unserer GLOBAL PLAYER. - Wenn man da mal eben nicht die Rechnung ohne „Mutter NATUR“ gemacht hat!!!! Die Bauern ließen sich schon immer ausbeuten, Mutter NATUR präsentiert uns dafür aber in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft hoffentlich nicht gnadenlos ihre Rechnung.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren