Fach- und Führungskräfte in der Agrarbranche bald Mangelware?

Unternehmen und Institutionen der Agrarbranche beurteilen die zukünftige Besetzung offener Positionen als schwierig, obwohl es ausreichend Bewerber gibt. Es handelt sich dabei um ein qualitatives Problem: Bewerber erfüllen oftmals nicht die Anforderungen der Arbeitgeber an persönliche und sozial-kommunikative Kompetenzen. Das zeigt eine vom Berufsverband VDL in Auftrag gegebene Studie. Die Ergebnisse wurden anhand von Datenanalysen in Form von Fragebögen und Expertengesprächen ermittelt.
 
Nach Angaben der befragten Unternehmen wird der Bedarf an Fach- und Führungskräften aus dem Bereich Agrar, Ernährung und Gartenbau in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich um ca. 10 % ansteigen. Wachsende Branchen sind insbesondere der Land- und Viehhandel, die Land- und Verfahrenstechnik sowie die Agrarrohstoffverarbeitung. Gleichzeitig wird von über 80 % der Unternehmen angegeben, dass sie die Suche nach diesen Fach- und Führungskräften als schwierig einschätzen. Besonders betroffen sind die Unternehmensbereiche Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Produktion.

Obwohl die befragten staatlichen Institutionen, Organisationen und Verbände im Gegensatz zu den Unternehmen angeben, dass der Bedarf an Fach- und Führungskräften aus dem grünen Bereich in den kommenden zehn Jahren um 7 % zurückgehen wird, prognostizieren mehr als 70 % der Einrichtungen auch hier zukünftig eine schwierige Suche nach Fach- und Führungskräften. Davon sind Einrichtungen, die im Bereich Lehre und Forschung aktiv sind, besonders betroffen.

Nicht den Erwartungen entsprochen

Ursächlich dafür ist – mit Ausnahme der Ämter auf Landkreisebene und der Kreisverwaltungen sowie der Gartenbaubetriebe – nicht eine zu geringe Bewerberzahl, sondern die Tatsache, dass die Bewerber nicht den Erwartungen der Unternehmen und Einrichtungen entsprechen.
 
Die Diskrepanz zwischen der Erwartung der Unternehmen und Einrichtungen und der Erfüllung durch die Bewerber aus dem Bereich Agrar/Ernährung/Gartenbau ist bei den sogenannten Soft-Skills am größten. So lassen Selbstorganisation, persönliche Eigenschaften und sozial-kommunikative Kompetenzen aus Sicht von Unternehmen und Einrichtungen zu wünschen übrig, während Praktika und Berufserfahrungen als wesentlich besser erfüllt angesehen werden als die Anforderungen an die Soft-Skills.

Bewerber anspruchsvoll

Ausbildung Die Unternehmen bemängeln oft ein fehlendes Verständnis der Bewerber für ökonomische Zusammenhänge.
Darüber hinaus bemängeln die Unternehmen ein fehlendes Verständnis der Bewerber für ökonomische Zusammenhänge. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewerber oftmals nicht bereit sind, in für sie weniger attraktiven Unternehmensbereichen, wie dem Vertrieb, zu arbeiten.
 
Insbesondere der Gartenbau sieht sich mit einem Nachwuchsmangel konfrontiert, da die Arbeitsbedingungen bei mitunter unbeständigem Wetter von vielen Menschen nicht akzeptiert werden. Maßnahmen der Branche zur Steigerung der Attraktivität für junge Menschen scheinen hier besonders empfehlenswert.

Die Tatsache, dass die Bewerberprofile oftmals nicht mit den Stellenprofilen übereinstimmen, erfordert Handlungsbedarf, so der VDL weiter. Vor allem die Qualifizierung von Berufseinsteigern wird von den befragten Unternehmen als wichtig erachtet. Die Berufseinsteiger werden sogar als die Gruppe bezeichnet, für die Weiterbildung am bedeutendsten ist. Mitarbeiter 50+ verfügen hingegen noch über ausreichende Fachkenntnisse.

Weiterbildung und Selbstverwirklichung gefragt

Neben Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten empfehlen sich Angebote der Unternehmen speziell für weibliche Mitarbeiter mit Kindern, um eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Insbesondere flexible Arbeitszeiten werden für Familien als eine geeignete Möglichkeit gesehen, die Kinderbetreuung nach ihren Wünschen zu organisieren.

Im Fokus der jungen Absolvent stehen heute die Selbstverwirklichung und eine gute Work-Life-Balance. Somit werden nichtmonetäre Anreize durch die Unternehmen immer relevanter, um Mitarbeiter für die Unternehmen zu gewinnen und diese auch langfristig halten zu können.

Neben einer besseren Unterstützung von Familien durch die Politik, empfehlen sich zudem langfristig Änderungen im Bildungssystem, um eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung bereits in der Schule und in der Fachschul- sowie Hochschulausbildung zu ermöglichen, heißt es.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von westfront · 1.

    Das Volk will belustigt werden nicht belehrt! Für was soll ich ,mich anstrengen und was lernen,es gibt doch Handys,da steht doch alles drauf,brauchst halt nur die richtige App. ...und falls ich keine richtige Lehrstelle finde weil mein Zeugnis zu schlecht ist (war halt zu faul zum lernen) dann gibts halt Förderprogramme für jugendliche Langzeitarbeitslose.Eh Alter ,nach Harz IV kommt bestimmt Harz V weißt du. Mit Stütze und nebenbei ein paar Jobs läßt sich auch gut leben,wer bin ich dann? meinst du ich mach mich für die paar Kröten krumm? Hab doch meine ganze Bildung von Fernsehen,kommen lauter gute Sendungen:DSDS,Germanys next Topmodel,etc... ich brauch nicht zu arbeiten ,ich werd ein Star! Das war jetzt ein wenig von mir übertrieben dargestellt,beschreibt aber so ziemlich genau die "Denke" der jetzigen Handy-Generation. Handwerksbetriebe schildern die Situation genauso.

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  2. von detmarkleensang · 2.
    Wie in allen anderen Branchen auch wird gejammert und gejault,

    dass es keine passenden Fachkräfte mehr gibt. Anstatt diese mal selber auszubilden! Gerade wenn die sozial-kommunikativen "Soft-Skills" ein Problem darstellen sollte man vielleicht mal grundlegend das Ausbildungssystem überprüfen. Denn von der Landwirtschaftslehre an, so hatte ich es schon vor geraumer Zeit erlebt, wird nur individuell gelehrt. Wirtschaftliche Zusammenhänge und Kommunikation bleiben wohl noch immer meist auf der Strecke. So werden Landwirte "herausgezüchtet", die zwar fachlich und rechtlich fit sein mögen, die aber allein auf ihr eigenes Wohl fixiert sind, die in keiner Weise teamfähig sind. Wenn die einstellenden Firmen sozialkompetente Facharbeiter wollen, dann sollten sie sich jedenfalls nicht rausreden, es gäbe sie kaum, sondern müssen selber entsprechend ihren Erwartungen ausbilden!

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