Fachschaft der Uni Göttingen empört über Spillers Äußerungen

Fachschaft Agrarwissenschaften Fachschaft Agrarwissenschaften der Uni Göttingen
Bild: www.uni-goettingen.de
Prof. Dr. Achim Spiller von der Uni Göttingen hat mit seinem Ruf nach mehr staatlicher Kontrolle der Tierhalter für viel Empörung gesorgt. Spiller hat bekanntlich eine Spezialeinheit ähnlich wie bei der Kripo für unangekündigte Hofbesuche gefordert, weil die heutigen Kontrolleure angeblich mit den Bauern unter einer Decke stecken. Nun hat sich auch die Studentische Fachschaft Agrarwissenschaften der Uni Göttingen in einem Brief an ihren Professor gewandt. Hier der Text im Originalwortlaut:

„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Spiller,
 
mit großer Bestürzung haben wir Ihren Standpunkt in der FAZ am 13.01.2017 gelesen und möchten zu Ihrem Beitrag gerne Stellung nehmen. Wir sind von Ihren Ausführungen und pauschalisierenden Aussagen über den Berufstand der Landwirte, sowie dem dazugehörigen Kontrollsystem für Lebensmittelsicherheit maßlos enttäuscht. Wir erwarten von Ihnen, als Professor der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen, einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten und problemlöseorientierten Artikel. Stattdessen führen Ihre aggressiven, populistischen Schuldzuweisungen nur zu einer weiteren Spaltung der Bevölkerung vom Berufsstand der Landwirte.

Zitat: „...Nicht selten wissen Landwirte am Besten, wo und wie getrickst wird. Sie teilen dieses Wissen aber nicht mit den Kontrolleuren. Hier ist zu überlegen, ob Whistleblowing gefördert werden sollte...“.

Leider können Sie Ihre Aussagen mit keinerlei Fakten untermauern. Wie in jeder Branche hat die Agrarwirtschaft vereinzelt mit „schwarzen Schafen“ unter den Tierhaltern zu kämpfen. Aber ihre Vermutung auf einen gesamten Berufsstand zu beziehen ist unseres Erachtens verantwortungslos. Diese „schwarzen Schafe“ sind selbstverständlich ein Problem. Aber mit „Whistleblowing“ eine fragwürdige Art und Weise einer Kontrolle zu fordern und vorzuschlagen ist ein nicht hinnehmbarer Vorschlag. Ihre Aussagen fördern nur das bereits angespannte Verhältnis von Tierschutzbünden und Landwirten über kriminelle, nächtliche Stalleinbrüche.
 
Desweiteren weisen Ihre Aussagen keinerlei Fachwissen über amtliche und private QS- Kontrollen von Tierhaltern auf. Ihre Vorstellungen über die Durchführung und Organisation von Kontrollen des QS - Systems ist höchst fehlerhaft. Sie zweifeln an, dass Kontrolleure mit einer landwirtschaftlichen Berufsausbildung, inklusive zwei Jahre Berufserfahrung, nicht genügend Sachverstand besitzen um landwirtschaftliche Betriebe zu kontrollieren und zu bewerten.
 
Wir fragen Sie daher: Wer könnte für diese Aufgabe sachlich und fachlich besser aufgestellt sein? Das QS-System arbeitet rechtskonform nach der EU – Leitlinie für eine gute fachliche Praxis für freiwillige Zertifizierungssysteme für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel. Dadurch sichert das QS-System strenge Anforderungen, zu denen alle Tierhalter verpflichtet sind.
 
Zitat: „...Wer weiß, dass am nächsten Tag der Kontrolleur vorbeikommt, wird seine Unterlagen in Ordnung bringen. Tierhalter müssen etwas aufschreiben, welche Medikamente sie ihren Tieren geben. Da lässt sich in einer Nachtschicht einiges nachtragen. Nicht zulässige Antibiotika verschwinden...“

Fakt ist: Jede einzelne Medikamentenabgabe an jedes einzelne Tier wird durch einen fachlich gut ausgebildeten Tierarzt sorgfältig ausgeführt und dokumentiert. Der Tierhalter ist zu einer regelmäßigen und ordnungsgemäßen Dokumentation verpflichtet. Andernfalls drohen starke Sanktionen oder Geldbußen. Demnach ist die sorgfältige Dokumentation im Interesse aller Tierhalter.
 
Ihr Vorwurf über den Einsatz nicht zugelassener Antibiotika beschämt nicht nur uns Landwirte, sondern auch die Berufsgruppe der Tierärzte. Die Abgabe von Medikamenten (einschließlich Antibiotika) wird streng geregelt und ausschließlich vom zuständigen Tierarzt verordnet. Ihre Falschaussage über die Abgabe illegaler Antibiotika ist nichts weiter als blinder Populismus über ein sensibles Thema. Sie sprechen in Ihrem Artikel dem sehr gut ausgebildeten Berufsstand der Landwirte nicht nur die Fähigkeit ab, ordnungsgemäß zu dokumentieren, sondern werfen den Tierhaltern außerdem ein großes Maß an krimineller Energie vor.
 
Wir, ihre Studierenden der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen können Ihren Forderungen und Aussagen nicht folgen. Zudem weist Ihr Artikel keinerlei Quellen für Ihre Behauptungen auf. Dies ist unserer Meinung nach kein wissenschaftliches Arbeiten, wie wir es von unseren Professoren erwarten. Wir wünschen uns in Zukunft, dass Sie Probleme oder persönliche Meinungen sachlich und problemlöseorientiert vortragen. Es hilft nicht, die allgemeine Bevölkerung mit Behauptungen zu verwirren und einen gesamten Berufsstand zu denunzieren. Wir sind enttäuscht, dass sich jemand aus dem renommierten wissenschaftlichen Bereich der Agrarwissenschaften mit solchen Artikeln Gehör verschaffen muss.
 
In Zukunft wünschen wir uns eine sachliche und fachlich korrekte Diskussion über die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland. Im Namen der Studierendenschaft der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen."

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15 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Friedrich Tröster · 1.
    Friedrich Tröster

    Auch ein Prof Spiller sollte mal ein Jahr in einem landw. Betrieb arbeiten(nicht nur 40 Std.sondern wie jeder Tierhalter mit einer 7 Tage/Nacht-Woche), und von dem Leben was er hier erwirtschaftet. Natürlich stehen ihm auch dann die Erträge bzw. Verluste des Folgejahres zu!

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  2. von Gerd Kempken · 2.

    Professoren mit solch krimineller Energie gehören nicht an eine Universität, denen muss der Titel aberkannt werden !! Danke an die Studenten für Ihre höchstvernünftige Meinung und vor allem diese auch noch kund zu tun!

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  3. von Wilhelm Schulte · 3.

    Ich habe mich vorhin persönlich bei einer Studentin für den Einsatz der Fachschaft bedankt. Diese sind wohl Geistig reifer wie ihr Professor. Zu diesem bleibt mir nur zu sagen, wenn er etwas Ehrgefühl hat entschuldigt er sich beim Berufsstand und anschließend nimmt er an der Uni und im Wissen schaftlichem Beirat seinen Hut. Seine Vorlesungen sollten boykottiert werden um ihm zu zeigen das es so nicht geht.

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  4. von Matthias Zahn · 4.
    Herzlichen Dank!

    Vielen Dank für euren Einsatz!

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  5. von Karlheinz Gruber · 5.
    Respekt, Respekt und riesen Freude

    Solche Zeilen zu lesen, geben mir doch noch einen guten Hoffnungsschub, daß nicht alle Studenten den Ausführungen der Lehrerschaft blind folgen. Ich zolle, auch aufgrund meiner bisher kritischen Zeilen gegenüber den Hochschulen und den Studierenden, dieser Fachschaft meine höchste Anerkennung und ermuntere Sie, hier noch die weiteren Schritte gegenüber solchen "Professoren" weiter zu gehen. Und zwar, mit Unterstützung der Unileitung (die sich jetzt aber evtl. hoffentlich am Ende des Geduldsfadens noch eines besseren Belehren läßt) ein Fernbleiben von allen Studenten von den Vorträgen dieses unsachlichen, ja schon hetzerischen Lehrkörpers. Nur so läßt sich auch nachhaltig eine gute Ausbildung erzwingen. In dem solche Menschen, kein Gehör mehr bekommen und Ihre Reden ins Leere laufen, bzw. man stellt dem Prof. einen Spiegel hin, dann hat er jemanden.... Eigentlich schon schade, daß hier Studenten erst ranmüssen, um einen guten Ruf einer Uni zu retten. Wäre eigentlich Sache der Unileitung. Aber die hält sich hier ja auch hinter dem Berg, bzw. anscheinend hinter dem Rücken von Herrn Spiller, und deckt diesen noch. Viel hat man von denen ja noch nicht gehört auf die unsäglichen Aussagen Ihres Professors....

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  6. von Andreas Weickelt · 6.

    Studierende schlauer als Professor ????????

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  7. von Christoph Blankenburg · 7.
    Die Universitätsleitung...

    ... darf sich nicht mehr wegducken. Die Studierenden haben ein Recht auf eine Ausbildung nach wissenschaftlichen Standards. Wer in seiner Doktorarbeit ein paar Sätze abschreibt ohne Quellenangabe oder Versuchsergebnisse manipuliert in eine von ihm gewünschte Richtung, der riskiert auch nach Jahren noch die Aberkennung seines Titels. Wer als Hochschullehrer ohne Quellenangaben unhaltbare Behauptungen publiziert, für den sollte ähnliches gelten. Wenn Herr Spiller einen Funken Ehrgefühl hat, dann nimmt er freiwillig nach dieser Entgleisung den Hut. Ansonsten wäre es an der Zeit, dass die Leitung der Universität ihm ein Consilium abeundi (den Rat zum Abgang) erteilt.

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  8. von Henrik Plaas-Beisemann · 8.
    Sehr gut, Danke der Fachschaft

    Vielleicht sollte man Herrn Professor Dr.Spiller noch mal erklären, dass er bei dem Ruf nach Denunziantentum und Überwachungsstaat 1968 von seinen Studenten aus dem Hörsaal geworfen worden wäre.

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  9. von Paul Maier · 9.
    Es bleibt also noch Hoffnung,

    weil Professor Spiller mit seinen Ideen, u.a. der Installation einer "Ernährungsstasi" selbst in der Uni Göttingen sehr isoliert dasteht. Aber wie schon von anderen Kommentatoren ausgeführt, stellt sich schon die Frage, warum ein Mann mit solch extremen, nicht mehrheitsfähigen Ansichten weiterhin als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates tätig sein darf.

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  10. von Gerhard Steffek · 10.
    Bravo, gut gebrüllt Löwe!

    Aber damit dieser nicht zahnlos bleibt, sollten sie diesen Brief auch an die FAZ schicken, mit der Aufforderung diesen im Namen eines ausgeglichenen Journalismus' zu veröffentlichen . Ansonsten sind sie einseitig.

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  11. von Wilhelm Grimm · 11.
    Die Gedanken der Jugend sind frei !

    Der Wohlstand hat sie noch nicht versaut !

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  12. von Albert Maier · 12.
    Lob den Studierenden

    Ein dickes Lob an die Fachschaft der Uni Göttingen. Die Politik sollte sich von Leuten wie Spiller nicht mehr in Beräten beraten lassen und die Berufung zurücknehmen!

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  13. von Willy Toft · 13.
    Danke, für die offenen Worte der Agrar- Studenten!

    Ich hoffe Herr Spiller überdenkt seine Aussagen noch mal, sonst wäre er als Dozent untragbar!

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  14. von Wolfgang Daiber · 14.
    Toll!

    Herzlichen Dank ! an die Fachschaft der Agrarstudierenden

    Das meinen unsere Leser:
  15. von Günter Bliwernitz · 15.
    Sehr gut!

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen

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