Federpicken läßt sich eindämmen

Dr. Ludwig Diekmann Dr. Ludwig Diekmann (links) auf dem Symposium
Bild: BLE
Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen lassen sich auch mit ungekürzten Schnäbeln unter Kontrolle halten. Der Aufwand dafür lässt allerdings die Kosten pro Ei spürbar ansteigen. Das ist das gemeinsame Ergebnis von drei Beratungsinitiativen, die im Rahmen des „Modell- und Demonstrationsvorhabens Tierschutz“ von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert werden.

„Hennen mit ungekürzten Schnäbeln verzeihen aber keine Fehler“, sagte Dr. Ludwig Diekmann, Fachbereichsleiter Tierproduktion bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen eines Symposiums in der vergangenen Woche in Bonn. Durch Optimierung der Aufzucht von Junghennen, intensivere Tierbetreuung, Stressvermeidung in der Umstallungsphase der Jungtiere, hochwertige Fütterungskonzepte, angepasste Einstreu und eine gute Materialbeschäftigung der Tiere sei es unter Begleitung einer fachkundigen Beratung gelungen, das Federpicken messbar einzudämmen. Neben dadurch bedingten höheren Produktionskosten, hätten allerdings Verschlechterungen beim Gefiederzustand, dem Futterverbrauch und der Verlustrate hingenommen werden müssen.

Für eine intensive Beratung und Schulung der Erzeuger zur Vermeidung von Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen plädierte auch die Fachgebietsleiterin Nutztierethologie und Tierhaltung der Universität Kassel, Prof. Ute Knierim. Das von ihr und ihren Mitarbeitern entwickelte Managementtool ermöglicht es, den Zustand der Tiere zu bewerten und eine Schwachstellenanalyse vorzunehmen. Das könne durch Berater oder über eine Eigenkontrolle der Betriebsleiter erfolgen, erläuterte Knierim. Das Projekt zeige, dass die Ursachenkenntnis von Federpicken und Kannibalismus sowie die Früherkennung dieses Verhaltens entscheidend für die Einleitung von Gegenmaßnahmen sind. Dazu zählten unter anderem die Gewichtsüberwachung, die intensive Abstimmung mit dem Aufzuchtbetrieb und ein größeres Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten. Ein Einstieg in die Haltung schnabelungekürzter Tiere solle deshalb erst erfolgen, wenn „das Management im Griff“ sei.

Mehr Beratung notwendig

Dieckmann und Knierim machten deutlich, dass die aufgezeigten Ergebnisse und Tierwohlverbesserungen nur mit intensiver Beratung möglich seien. Das Beratungsangebot müsse deshalb ausgebaut werden. Dies forderte auch der Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), Friedrich-Otto Ripke. Nach seinen Angaben ordern bereits heute 80 % der Erzeuger Junghennen mit ungekürzten Schnäbel, um sich auf den gemäß Branchenvereinbarung ab 2017 geltenden Verzicht auf das Schnäbelkürzen vorzubereiten. Damit dürften alle Produzenten klar kommen. „Es wird Rückschläge geben“, ist Ripke sicher und forderte zugleich den Handel auf, die Leistung der Tierhalter zu honorieren. Nach seinen Angaben führt der Verzicht auf das Schnabelkürzen bei den Erzeugern zu Mehrkosten von 4 Cent je Ei, weshalb der Lebensmitteleinzelhandel bereit sein müsse, für mehr Tierwohl auch mehr Geld zu zahlen.

Damit die in den Projekten gewonnenen Erkenntnisse auch andere Erzeuger erreichen, werden Leitfäden erstellt, der in Kürze zur Verfügung stehen sollen (www.mud-tierschutz.de).

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Doris Peitinger · 1.
    Federpicken als Wissenschaft?

    Erst werden Hühner so gehalten, dass es absolut nicht mehr artgerecht ist, damit es möglichst billig ist, dann werden Pöstchen geschaffen und angeblich sind intensive Beratungen und Schulungen durch die "Fachexperten" nötig. Vielleicht sollten sie sich mal auf Bauernhöfen umsehen, die ihre Hühner noch so richtig "altmodisch" halten. Da gibt es dann trotz spitzen Schnäbeln absolut kein Federpicken.

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  2. von Christian Bothe · 2.
    Federpicken

    Wieder so eine typische "Erfindung" der Deutschen.Was soll das Ganze?Jahrelang hatte man gute Leistungen und Verhaltensmuster bei der Legehennenhaltung,insbesondere nach Wegfall der Käfighaltung zu verzeichnen und jetzt das!Tierschutz ist natürlich das Schlagwort,was wir ja schon aus der Schweinehaltung(Diskussion Schwanzkupierung,Kastration etc.)kennen.Alles das,was sich über Jahre bewährt hat,wird infrage gestellt,obwohl steigende Leistungen bei den Nutztieren auch ein Ausdruck des Wohlbefindens sein könnten... Bin gespannt,ob der LEH 4ct je Ei mehr bezahlt? Aber Europa ist ja groß.

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