ARD-Plusminus über modernen Landraub in Ostdeutschland

John Deere Was treibt bekannte Großunternehmen dazu, ostdeutsche Agrarbetriebe aufzukaufen?, fragte das MDR-Magazin Plusminus
Bild: MDR

Bei rund einem Drittel der ostdeutschen Landwirtschaftsbetriebe sind mittlerweile die Mehrheitseigentümer Finanzinvestoren. Damit sind sie auch Eigentümer von ostdeutschem Ackerland geworden. Das zeigte im November eine Studie des Thünen-Institus Braunschweig (Thünen-Report 52). Nun hat das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" das Thema aufgegriffen und weiterrecherchiert.

Wie es in der Sendung vom Mittwoch hieß, sind u.a. der Weltmarktführer bei Luxusmotorjachten, die Lürssen-Werft, und einer der weltgrößten Rückversicherer, die MunichRE, aktiv. "Die Ackerflächen als Kapitalanlagen steigen nicht nur im Wert, sie liefern in Form von Pacht oder Erträgen auch noch Zinsen und sind somit lukrative Geldanlagequellen geworden" so der Autor der Studie, Andreas Tietz, über das sogenannte Landgrabbing. Der Einstieg der branchenfremden Finanzinvestoren blieb nicht ohne Folgen. "Im Osten haben sich die Grundpreise verdreifacht, im Westen nur verdoppelt", erklärt Tietz gegenüber dem MDR.
 
In der Studie wurden 853 Unternehmen in zehn Landkreisen der fünf ostdeutschen Bundesländer daraufhin untersucht, welche Veränderungen es in der Eigentümerstruktur gab. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass Anfang 2017 bei rund einem Drittel der Landwirtschaftsbetriebe ortsfremde, überregional aktive Investoren die Mehrheitseigentümer waren. Diese Quote ist mit 41 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern am größten. In Brandenburg liegt sie bei 36 Prozent, in Sachsen 32, in Thüringen 23 und in Sachsen-Anhalt 22.

Nach Umgestaltung der ostdeutschen Landwirtschaftsbetriebe Anfang der 1990er-Jahre waren vor allem ehemalige ortsansässige Mitglieder der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) Anteilseigner an den neu gegründeten Genossenschaften, Aktiengesellschaften und GmbHs.

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Sießmeir · 1.
    Und welche Partei habt ihr gewählt ???

    Bitte keine Anspielungen auf die Politik, die läßt es nicht nur zu die möchte das auch so. Du mit deinen 20-80ha kannst hat keine Posten oder gar Zuwendungen leisten. Aber lass mich überlegen, wenn haben wir (Bauern) bei der letzten Bundestagswahl gewählt ? Dann noch schnell einen Fendt bestellt und CDU/CSU gewählt bevor ich wieder zum Jammer anfange. Irgendwann ist es auch für euch vorbei, dann habt ihr keine Wahl mehr zumindest keine eigene Landwirtschaft. Gruß

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  2. von Harald Finzel · 2.

    Na Hauptsache, bei alteingesessenen Familienbetrieben kann jeder Nachbar und Neider die Agrarzahlungen auf den Cent genau im Internet abrufen. Warum werden weder MunichRE noch Sarah Wiener namentlich unter https://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/ genannt? Schon zu KTG-Agrar-Zeiten war es nicht möglich, deren gesamte Zahlungen abzurufen, da die einzelnen Standorte unter "unverfänglichen" Namen gelistet wurden. Daran wird sich mangels medialen Drucks auch nichts ändern. Außerdem könnte dann noch jemand auf die Idee kommen, auch alle Zahlungen an NABU oder BUND mit einer Suchanfrage abzurufen zu wollen...

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  3. von Weller GbR Wölfersheim · 3.
    Investoren !

    Unsere Politik schaut noch zu , wie sie mit Hintertürchen verarscht wird ! Grunderwebsteuer zahlen diese Personen nicht !

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Moin Moin, Gerhard Steffek, Wilhelm Gebken und Armin Brader

    Den berufsfremden Anlegern geht es in erster Linie darum, ihr Geld los zu werden. Die durch die kriminelle Zinspolitik verursachte Anhäufung des Kapitals in immer weniger Händen macht manche Menschen so reich, dass sie ständig nach sicheren Geldanlagen suchen, die Verzinsung ist zweitrangig. Die Geschichte wiederholt sich: Wir haben erneut die Aufteilung der knappen und nicht vermehrbaren Flächen in der Hand des (Geld) -Adels und den kleinen Bäuerleins. Die von allen Parteien angeblich gewünschten kleinen bäuerlichen Betriebe werden durch die Auflagen-Politik als erste in die Knie gezwungen.

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  5. von Armin Brader · 5.

    so lange es Flächenprämien und Verordnungen die den Flächendruck verstärken wird das Landkaufen interresant bleiben, die Landwirte bieten auch Pachtpreise wo dazu beitragen

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  6. von Wilhelm Gebken · 6.
    @Gerhard Steffek, einen kleinen Trost gibt es:

    Sollte sich die Landwirtschaft in der Ukraine und in Russland so weiter entwickeln wie es derzeit abzusehen ist, werden die Gewinne der "Investoren" in sich zusammenbrechen. Sie hätten dann viel zu teuer gekauft. Hier im Nordwesten (ist natürlich nicht direkt vergleichbar) sehen viele aus dem Geschäftsbereich "Bodenmarkt" den Einstieg von Investoren lediglich als vorübergehende willkommene "Geldspritze" für die Landwirtschaft: Diese Investoren kaufen viel zu teuer (6 bis 10 €) und werden irgendwann für 2 - 3 € oder weniger wieder verkaufen. Übrigens: Hier im Nordwesten treten Landwirte fast gar nicht mehr als Käufer derartiger Flächen in Erscheinung. Ärgerlich ist es nur wenn der Hofnachbar verkauft und man keine andere Wahl hat als den hohen Preis zu schlucken.

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  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Investoren!

    Das wird auch so weitergehen. Langfristig wird es nichts anderes mehr geben als wie gesellschaftlich geführte Betriebe. Den klassischen Familienbetrieb sehe ich als Auslaufmodell. Alleine schon aus Gründen der Erbschaftssteuer, bzw. Schenkungssteuer. Die Betriebe werden immer größer, das Kapital dahinter immer mehr und wer soll das bei einer Übergabe/Erbschaft zahlen? Somit werden es zwangsläufig mehr "Kapitalgesellschaften" werden. Gleichzeitig wird der Kapitalbedarf durch den Wachstumsdruck immer höher und der finanziert sich durch Investoren unter Umständen leichter als durch den klassischen Kredit von der Bank. Somit ergibt sich auch hier eine Entwicklung, die im Grunde (fast) keiner will, aber jeder kommen sieht, hält er ein kleines bißchen die Augen auf.

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