Fleischkennzeichnungsvorschlag des DBV erregt Aufmerksamkeit

So sehen Tierschützer die Schweinehaltung in Deutschland gern.
Bild: Vier Pfoten, Fred Dott

Der Vorschlag für eine Haltungs- und Herkunftskennzeichnung von Fleisch des Deutschen Bauernverbandes (DBV) macht die Runde in der Agrar- und Lebensmittelbranche. Der DBV will damit vor allem die Initiative Tierwohl (ITW) stärken. Und er passt auf die Formulierung im Koalitionsvertrag.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat seinen Vorschlag für eine Haltungskennzeichnung auf Fleisch noch einmal konkretisiert. In dem vorgeschlagenen Modell würde die Stufe 0 beinhalten, was nicht dem deutschen, gesetzlichen Standard entspricht. Stufe 1 entspräche dem deutschen, gesetzlichen Standard, Stufe 2 wären höhere Standards, z. B. mit mehr Platz im Stall, was dem Standard der „Initiative Tierwohl“ gleichkäme und Stufe 3 wäre dann „Premium“, beispielsweise mit Auslauf ins Freie. Bio-Fleisch habe darüber hinaus ohnehin einen eigenen, höheren Standard, heißt es beim DBV weiter. Der Vorschlag soll laut DBV allem für die Kennzeichnung von Schweinefleisch voran bringen.

Von der vielfach geforderten Übertragung der Eierkennzeichnung auf Fleisch grenzt sich der DBV allerdings ab. „Anders als bei der Eierkennzeichnung sollen hier jedoch nicht einzelne Stalltypen entscheidend sein, sondern die gegenüber den gesetzlichen Anforderungen erhöhten Standards“, so der DBV. Sinnvoll ist aus Sicht des DBV eine Haltungsformkennzeichnung allerdings nur, wenn nicht nur Frischfleisch, sondern die gesamte Palette der Fleischwaren und Verarbeitungserzeugnisse einbezogen wird, heißt es weiter. Denkbar sei, dass die „Initiative Tierwohl“ oder vergleichbare Institutionen die Organisation eines solchen Systems übernehmen können.

Der Vorschlag ist eine im DBV abgestimmte Aktion, heißt es aus dem Verband gegenüber top agrar. Eine offizielle Ausarbeitung des Vorschlages oder einen Präsidiumsbeschluss dazu gibt es allerdings nicht. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hatte sich am Wochenende erstmals in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa für die Einführung einer Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für Schweinefleisch ausgesprochen.

GroKo legt Wert auf mehrstufiges Tierwohllabel

Die neue Große Koalition hat im am Montag unterzeichneten Koalitionsvertrag die Schaffung eines staatlichen Tierwohllabels versprochen. Die Formulierung ist recht offen gehalten und legt sich nur auf das Kriterium „mehrstufig“ fest. „Die Erkennbarkeit von tierischen Lebensmitteln, die über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen, wollen wir verlässlich, einfach und verbraucherfreundlich gestalten. Dazu brauchen wird den mehrstufigen Aufbau einer staatlichen Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung (Tierwohllabel) und schaffen dafür bis zur Mitte der Legislaturperiode die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen“, steht dort.

Ostendorff: Labelwirrwarr auf Lebensmitteln beenden

Bei den bisherigen Befürwortern der Haltungskennzeichnung stößt der DBV auf offene Ohren. „Es ist schon bemerkenswert, dass der nicht gerade als besonders innovationsfreudig bekannte Bauernverband nun auf eine verpflichtende Haltungskennzeichnung setzt. Damit ist das BMEL mit den halbgaren Plänen für eine freiwillige Kennzeichnung isoliert“, reagierte der Sprecher für Agrarpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen Friedrich Ostendorff. Er forderte die zukünftige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, eine verpflichtende staatliche Haltungskennzeichnung einzuführen, um das Labelwirrwarr auf Lebensmitteln zu beenden. Er pocht allerdings anders als der DBV weiter auf einer Kennzeichnung ähnlich derer bei Eiern. „Dabei muss als Vorbild die Eierkennzeichnung dienen, eine Umkehrung der Nummerierung wäre widersinnig und verwirrend“, sagte Ostendorff.

BÖLW: Fleischkennzeichnung muss sich am Ei orientieren

Auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) will am Vorschlag gemäß der Eierkennzeichnung festhalten. Es sei gut, wenn sich der DBV nun auch für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung ausspricht, sagte der der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. „Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn diese sich an der vom Verbraucher gelernten Eierkennzeichnung orientiert und Bio als höchsten gesetzlichen Standard einbezieht“, so zu Löwenstein weiter. In Anlehnung ans Ei müsse aus seiner Sicht eine Haltungskennzeichnung beim Schwein so aussehen: „3“ gesetzlicher Mindeststandard, „2“ Stroh und mehr Platz im Stall, „1“ zusätzlicher Auslauf und „0“ Bio als Premiumstufe und höchster gesetzlicher Standard der Tierhaltung.

Tierschützer begrüßen Vorschlag des Bauernverbands

Die internationale Tierschutzstiftung VIER PFOTEN begrüßt den öffentlichen Appell des Deutschen Bauernverbands nach einer Haltungskennzeichnung für Schweinefleisch. Sie bescheinigt Rukwieds Vorstoß „Signalwirkung“. „Es ist höchste Zeit, dass die Regierung nun nachzieht und die gesetzlichen Grundlagen schafft“, sagte Rüdiger Jürgensen, Geschäftleiter VIER PFOTEN Deutschland. Die Tierschutzorganisation betrachtet allerdings folgende Kriterien zur Kennzeichnung von Schweinefleisch als unverzichtbar:

  • Intakter Ringelschwanz (kein Kupieren von Ringelschwänzen)
  • Kastration nur mit Betäubung durch einen Tierarzt und anschließender Schmerzbehandlung
  • mindestens 50 Prozent mehr Platz
  • Eingestreuter Liegebereich zum weichen, bequemen Liegen
  • Raufutter zur Beschäftigung und zum Fressen

Außerdem hätten die Tierschützer auch gern die Sauenhaltung mit bedacht. Ein Ende der Dauerfixierung im Kastenstand, ausreichend Bewegung und Stroh als Nestbaumaterial gehörten dazu. Die nächst-höhere Premiumstufe sollte zusätzlich zu den genannten Kriterien einen Auslauf im Freien beinhalten, fordern sie.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Ganz nett!

    Aber leider nur mit einem hohen "Blutzoll" bei den Schweinehaltern durchzuführen. Der Artikel vom 09.03. über die englische Schweinehaltung macht es deutlich. Nach der Umstellung auf die Freilandhaltung schwand der Zuchtsauenbestand von 800.000 auf 400.000 Tiere. Die Betriebe sind zu 80 % in der Hand von Holdings. Wenn hier die Differenzierung auf die Haltungsformen durchgeführt wird, dann werden besonders die kleinen Betriebe darunter leiden. Zum einen die Umstellung, zum anderen die Erfassungskosten machen das teuer und unwirtschaftlich. Auf der Strecke bleibt die bäuerliche Landwirtschaft. Wir hätten die gleiche Entwicklung wie bei den Eiern. Auf das was VIER PFOTEN zum Besten gibt braucht man eh nichts geben. Deren Intention ist doch eigentlich die Abschaffung der Tierhaltung und die Umerziehung des Menschen zum Vegetarier, wenn nicht sogar zum Veganer. Wobei man die Ambivalenz schon anhand ihrer Forderung sieht. Vegetarisch geht ja nun mal nicht ohne Tierhaltung, besonders dann wenn man Haustierhaltung von Katze und Hund hat (außer man mutiert, wieder ambivalent, zum Tierquäler und zwingt die Tiere zu einer nicht artgerechten Ernährung). Das wollen sie nun ganz hinterhältig und perfide dadurch erreichen indem sie Forderungen aufstellen die sich zwar für das Tier schön anhören, nur die Haltung dermaßen verteuern das kein Mensch mehr das Fleisch kaufen würde. Das Ergebnis brauche ich ja wohl nicht mehr beschreiben.

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  2. von Edelhard Brinkmann · 2.
    EU Recht

    Darf nur kommen wenn es in der ganzen EU gleich behandelt wird ansonsten ist es nicht möglich. Bei den Eiern ist das auch so. Ansonsten ist es nur ein neuer Marktzugang mit dem andere ausgegrenzt werden sollen.

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  3. von Wilhelm Gebken · 3.
    Insbesondere die Kennzeichnung "0" gefällt mir.

    Darunter fällt sämtliches Fleisch aus dem Ausland, dass nach schlechteren Kriterien wie wir sie gesetzlich erfüllen müssen hergestellt wurde. Wettbewerbsverzehrungen können mit dieser "Stufe "0" aufgedeckt und beendet werden. Im Übrigen wird damit auch ausgesagt, dass es sich keinesfalls um ein regionales Produkt handeln kann.

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