Fleischskandal: EU erwägt Importstopp gegen Brasilien

Die EU droht mit einem Importverbot für brasilianisches Fleisch.
Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de

Der Fleischskandal in Brasilien könnte auch die EU betreffen. Der EU-Botschafter in dem Land bringt bereits einen Importstopp von brasilianischem Fleisch in die EU ins Gespräch. Brasiliens Präsident Michel Temer hat deshalb die Botschafter der EU-Länder zu einem Gespräch eingeladen.

Brasiliens Fleischproduzenten sollen verdorbenes Rindfleisch und gestrecktes Hühnerfleisch exportiert haben. Ob und wie viel davon ins Ausland exportiert wurde, ist bisher unklar. Der EU-Botschafter in Brasilia, João Gomes Cravinho, kündigte nach Informationen des Tagesspiegels an, dass die EU den Import von brasilianischem Fleisch stoppen werde, sollte die Regierung nicht ausreichende Informationen liefern. Die EU ist der größte Importeur von brasilianischem Hühnerfleisch und einer der größten Rindfleischeinkäufer. „Unsere Sorge gilt dem europäischen Konsumenten, und ein Importstopp ist eine Option“, zitiert der Tagesspiegel Gomes.

Präsident lädt EU-Botschafter zum Gespräch

Zu den untersuchten Vorgängen gehört laut der Zeitung auch eine Lieferung von sieben Containern Fleisch nach Rotterdam, das mit Salmonellen verseucht gewesen sein soll. Für den heutigen Montag hat Brasiliens Präsident Michel Temer die Botschafter der EU-Länder zu einem Gespräch eingeladen. Der einheimischen Bevölkerung versicherte er, dass der Fleischkonsum sicher sei.

Größte Razzia der brasilianischen Geschichte

Bekannt wurde der Skandal vergangenen Freitag. Brasiliens Bundespolizei durchsuchte in der größten Razzia ihrer Geschichte Büros, Schlacht- und Kühlhäuser von 40 Firmen an rund 200 verschiedenen Orten. Drei Fabriken wurden sofort geschlossen, bei 21 weiteren steht eine Entscheidung noch aus. 38 Personen wurden festgenommen.

Schmiergelder im Landwirtschaftsministerium

Ein weiteres Ziel der Polizeioperation war laut Tagesspiegel Brasiliens Landwirtschaftsministerium. Regierungskontrolleure sollen Schmiergelder erhalten haben, wenn sie Fleisch ohne Kontrollen zertifizierten. Ein Teil der Schmiergelder soll an Politiker von zwei Parteien der aktuellen Regierungskoalition weitergeflossen sein: die kleinere Partido Popular sowie die Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens von Präsident Michel Temer.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Egge Mansholt · 1.
    @Paul S.

    Da haben sie recht, Brasilien ist nicht Argentinien. War auch nur ein Beispiel. Schon mal was vom Welthandelsabkommen gehört? Deutschland war jahrelang verpflichtet um die 200000t Rindfleisch aus Argentinien zu importieren, obwohl hier genug vorhanden ist. Das Fleisch war 4- 6 Wochen unterwegs in Kühlschiffen wo es dann reifen konnte. Durch die landw. Umstellung in Argentinien brach die Eigenversorgung zusammen und hier stieg der Rindfleischpreis. Ich denke mal das so ein Deal auch mit Brasilien stattfindet. Wer Fehler findet, kann sie behalten.

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  2. von Paul Siewecke · 2.
    Welchen Fleischbedarf muss denn die EU überhaupt aus Brasilien decken???

    Rind, Schwein, Geflügel etc. haben wir doch alles selbst bis hin zur Überversorgung! Argentinisches Rind kommt ebenfalls nicht aus Brasilien! Was also importieren wir denn von dort (an Fleisch!) außer Kaffee und Soja und eventuell noch Rohrzucker??? Wie kann außerdem denn daran noch Geld verdient werden, wenn man zur Erzeugung, die dort nicht unbedingt wesentlich billiger ist, noch den aufwendigen Kühltransport durch die tropischen Breiten hinzurechnen muß???

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  3. von Gerhard Lindner · 3.

    Warum ist dies nicht in der Tagesschau drin. Ist doch das gesunde artgerechte Fleisch, könnte unserem europäischen Markt nur beflügeln. BSE und die Hetze gegen unverschuldete Landwirte, mitsamt Quarantäne und in Schutzanzug gekleidete Beamten wurde doch auch wochenlang gesendet, aber gewiß nicht zum Wohle der Produzenten, wie wahrscheinlich in Brasilien auch. Wir sind halt doch nur Bauern, überall.

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  4. von Rudolf Rößle · 4.
    Und wieder einmal

    kann der kleine Bauer nichts dafür. Warum haben wir die Industrie bei BSE nicht verklagt und Milliarden Schadenersatz gefordert?

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  5. von Hans-jürgen Fricke · 5.
    Aber bitte sofort

    Importstopp , wenn nicht jetzt wann DANN.

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  6. von Egge Mansholt · 6.
    Lecker

    Ein schönes argentinisches Steak bei Maredo o.ä. schmeckt erst, wenn es halb vergammelt ist. Die Werbung sagt natürlich was anderes: ist von den riesigen argentinischen Weiden ohne Mastfutter, deshalb soooooo zart. Dann mal guten Appetit.

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