Freihandelsabkommen mit Japan: EU wird vor allem bei Schweinefleisch profitieren

Jean-Claude Juncker Jean-Claude Juncker
Bild: EU-Kommission

Die EU hat mit Japan ein umfassendes Freihandelsabkommen (JEFTA) ausgehandelt, das am 11. Juli unterzeichnet werden soll und 2019 in Kraft tritt. Das Abkommen soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, um das Wirtschaftswachstum anzuregen. Mit einbezogen sind unter anderem auch Agrarprodukte und Lebensmittel. Wie sich JEFTA auf die europäische bzw. deutsche Land- und Ernährungswirtschaft auswirkt, hat das Thünen-Institut in Braunschweig berechnet.
 
„Es wird deutlich, dass die EU ihren Handel mit Japan intensiviert und im Agrar- und Ernährungsbereich Produktionssteigerungen zu erwarten sind“, sagt Agrarökonomin Dr. Janine Pelikan vom Thünen- Institut für Marktanalyse. In der EU werde die Produktion am stärksten im Sektor Schweinefleisch steigen.
 
Japan ist nach China der zweitgrößte Handelspartner der EU in Asien. Im Jahr 2016 exportierten die EU-Staaten Agrarprodukte im Wert von 6 Mrd. Euro nach Japan; dem standen relativ geringe Einfuhren von rund 0,3 Mrd. Euro gegenüber. Die Umsetzung des Abkommens wird sich direkt auf die Handelsströme und Preise auswirken und auf beiden Seiten zu Produktionsänderungen führen. Durch JEFTA könnten sich die europäischen Agrarexporte nach Japan auf 11 −14 Mrd. Euro erhöhen, so das Thünen Institut weiter. Die Importe von Agrarprodukten aus Japan dürften auf ca. 2 Mrd. Euro steigen, heißt es.
 
Es ist vorgesehen, dass die JEFTA-Vereinbarungen innerhalb von 21 Jahren, also bis zum Jahr 2040, schrittweise umgesetzt werden. Danach wird die EU 99,2 % aller japanischen Produkte zollfrei importieren. Japan wird die Zölle für 97,2 % der Produkte vollständig aufheben. Für einige „sensible“ Agrarprodukte wie Walfleisch, Reis und Seealgen bleibt weiterhin ein Außenschutz in Form von Zöllen und Zollquoten bestehen.
 
Für Getreideprodukte, Kaffee, Tee, Zucker, Milchprodukte und andere verarbeitete Lebensmittel werden neue Zollquoten gegenüber der EU eingeführt. Innerhalb der Quoten kann eine festgelegte Menge zu niedrigeren Zollsätzen oder zollfrei nach Japan exportiert werden. Außerhalb der Quoten bleiben die Zölle häufig so hoch, dass es keine zusätzlichen Exportanreize für europäische Produkte nach Japan geben wird, erklärt das Thünen Institut. Für Weizen liegt der Zoll außerhalb der Quoten bei 32 %, für Zucker bei 37 % und für Milchprodukte bei 69 %.
 
 Dr. Janine Pelikan Dr. Janine Pelikan
Bild: www.thuenen.de
Dennoch wurde der Marktzugang bei Milch laut den Fachleuten verbessert: Für Hartkäse werden die Zölle schrittweise mit einer Übergangsfrist von 15 Jahren beseitigt, für Weich- und Frischkäse wird eine zollfreie Quote eingerichtet, die über die Jahre vergrößert wird. Auch für Butter und Magermilchpulver wird eine Zollquote eröffnet.
 
Der Exportanstieg der EU ist hauptsächlich auf die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Schweine- und Geflügelfleischsektors auf den japanischen Agrarmärkten zurückzuführen. In diesem Sektor soll sich der EU-Handelsüberschuss um 5 Mrd. Euro erhöhen, und die Produktion könnte sich um rund 3 % ausdehnen, während sie in Japan um knapp 14 % sinkt.
 
Im verwendeten Modell werden Schweine- und Geflügelfleisch nur aggregiert abgebildet. Da aber Geflügelfleisch im Handel mit Japan in den vergangenen Jahren nur eine geringe Bedeutung hatte, ist laut dem Institut davon auszugehen, dass ein Großteil des Wachstums auf die Produktionsausdehnung von Schweinefleisch zurückzuführen ist. Deutschland könne davon allerdings im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten eher unterdurchschnittlich profitieren. Dies liege zum einen daran, dass die Schweineproduktion in Deutschland im europäischen Vergleich bereits relativ hoch ist. Darüber hinaus hätten in der Vergangenheit vor allem Dänemark und Spanien die Exportmärkte für Schweinefleisch in Japan für sich erschlossen und würden die bestehenden Lieferbeziehungen voraussichtlich weiter ausbauen.
 
In Deutschland wird der Export von Milchprodukten größere Bedeutung haben. Hier könnte die Produktion um bis zu 0,5 % steigen. In welchem Maße JEFTA auf die deutsche Milchproduktion wirkt, hängt aber im Wesentlichen davon ab, inwieweit die deutschen Exporteure die EU-Quote von 73.840 t pro Jahr nutzen können, heißt es weiter. Im Vergleich zu anderen Abkommen gebe es bei JEFTA zahlreiche Details bei der Definition der Quoten. Dies führe bei den europäischen Exporteuren zu einem relativ hohen Informationsaufwand. Dies kann als Handelsbarriere wirken und dazu führen, dass die Quoten nicht ausgeschöpft werden, schreibt das Thünen Institut.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Jürgen U. Elke Dippel GbR · 1.

    Das Geld macht der Handel was den Schweinebauern bleibt ist die Gülle,und damit immer größere Probleme

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  2. von Hermann Kamm · 2.
    arglistige Täuschung

    unserer Verbraucher,hochwertige Nahrungsmittel werden exportiert damit minderwertige Nahrungsmittel aus den Mercusor Staaten in die EU importiert werden können. Diesbezüglich werden die Nahrungsmittelpreise in der EU wieder künstlich gedrückt. ganz klar ne riesen sauerei.

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Kaffeesatzleserei -

    viele Versprechungen, viele Erwartungen. Am Ende heißt es dann doch wieder: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wie war das noch mit: "Wenn Aldi zickt, geht die Milch nach China". Außerdem was soll das Gequacke mit dem Schweinefleisch? Was helfen eventuelle neue Exportmöglichkeiten, wenn im eigenen Land die Produktion an die Wand gefahren wird. Die Japaner wird es nicht großartig interessieren, ob ein Ferkel bei uns betäubungslos kastriert wurde oder nicht. Hier geht es um den Preis und sonst nichts. Also, vergesst die ganze Schönrederei, das glaubt aus der Branche sowieso keiner mehr.

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  4. von Gerd Uken · 4.
    Könnte hätte

    Wird eine neue Zollquoteeröffnet das alles liest sich wunderbar...... die Unserzung erfolgt in den nächsten 21 Jahren! Bis dahin ist noch viel passiert u. Ich in Rente.......

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