GB: Erste Aussagen zur britischen Agrarpolitik ohne EU

Andrea Leadsom Andrea Leadsom
Bild: Youtube
Großbritannien will seine Agrarförderung nach dem Austritt aus der Europäischen Union komplett neu aufstellen und gerade erst umgesetzte EU-Agrarumweltvorschriften wieder zurücknehmen.

Wie Landwirtschaftsministerin Andrea Leadsom auf der „Oxford Farming Conference“ ankündigte, will sie vor allem „bürokratische Hürden“ abbauen und die Vorgaben zur Anbaudiversifizierung innerhalb der Greeningmaßnahmen streichen. Insbesondere die vorgeschriebenen drei Kulturen für Landwirte mit mehr als 30 ha Ackerland sind der Ministerin ein Dorn im Auge. Sie nannte diese Vorschrift „lächerlich und bürokratisch“.

Es dürfe auch keine „existenziellen“ Debatten mehr darüber geben, was als Busch, Hecke oder Baum gelte. Zu lange sei man in einem bürokratischen System gefangen, dass den Bedürfnissen von 28 Ländern gerecht werden müsse, so Leadsom. Aber jetzt bestehe die Chance, einen britischen Nachfolger für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union zu entwerfen.

Gleichzeitig versicherte die Ressortchefin, dass die britischen Bauern bis zum EU-Austritt des Landes keine Kürzungen bei den Beihilfen erfahren würden. Unter anderem verwies sie auf den nächste Förderwelle im Rahmen der ländlichen Entwicklung und kündigte 120 Mio £ (140 Mio Euro) in den nächsten Monaten an Fördergeldern an.

Der britische Bauernverband (NFU) begrüßte die Ankündigung, die drei-Kulturen-Regel aufzuheben. NFU-Präsident Meurig Raymondzeigte sich ansonsten aber eher ernüchtert von den in seinen Augen zu vagen Aussagen. Es gebe unmittelbare Bedenken, die angesprochen werden müssten, sagte Raymon und nannte als Beispiele den Zugang zum EU-Binnenmarkt und zu Arbeitskräften sowie die mögliche Ausgestaltung von Handelsabkommen mit der EU und anderen. Unterdessen stellte auch der Umweltausschuss des britischen Unterhauses einen Bericht zur Lage des Sektors nach dem Brexit vor. Er sieht die Situation kritischer.

Wichtiger Wirtschaftszweig

Die Wirtschaftsleistung der Land- und Lebensmittelwirtschaft bezifferte Leadsom auf 110 Mrd £ (129 Mrd Euro) im Jahr. Die Lebensmittelbranche stelle den größten Sektor im verarbeitenden Gewerbe dar, mit einer größeren Wertschöpfung als Auto- und Luftfahrtindustrie zusammen.

Die Ministerin berichtete zudem von steigenden Agrarexporten Großbritanniens nach Drittstaaten. Sie zeigte sich überzeugt, dass die Land- und die Lebensmittelwirtschaft zentraler Bestandteil der erfolgreichen Austrittsverhandlungen sein werden. Im Ministerium würden sich acht Arbeitsgruppen mit dem EU-Exit-Programm befassen und in einem ersten Schritt detaillierte Analysen dazu durchführen. Diese bezögen sich auf den Marktzugang, die Arbeitskräfte, den Handel und die landwirtschaftliche Flächennutzung.

Als Arbeitsthemen nannte Leadsom auch den Umgang mit Wetter- und Marktrisiken, die Steigerung der Produktivität sowie die Investitionsförderung. Daneben werde ein großer Schwerpunkt auf die Exportentwicklung und Erschließung neuer Märkte gelegt. Mit Blick auf die künftige britische Agrarpolitik kündigte die Ressortchefin zudem Konsultationen über zwei Grünbücher an, und zwar zu den Themen Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie Umwelt. Leadsom rief die Bauern auf, sich dabei umfassend einzubringen.

EOS Studie

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Gebken · 1.
    Natürlich ist staatlich verordnete Anbaudiversifizierung Schwachsinn.

    Wer sarkastisch die Frage stellt, ob Landwirte nicht in der Lage sind, mindestens drei Kulturen anzubauen, hat wohl nicht verstanden worum es geht: Anbaudiversifizierung, Greening u. a. Auflagen die es reichlich gibt, führen immer öfter dazu, dass nicht die Frucht angebaut werden kann, die am dransten ist, sondern diejenige, die zur Erfüllung der Quote angebaut werden muss. Auf meinen Flächen werden acht! verschiedene Kulturen angebaut und ich sage: Staatlich verordnete Anbaudiversifizierung ist Schwachsinn.

  2. von Michael Behrens · 2.
    Die Zeit wird es zeigen!

    Vielleicht kann ja die Top Agrar 10 Betriebe in England begleiten und immer mal wieder berichten wie es ihnen ergangen ist?

  3. von Heinrich Esser · 3.

    Die Bürokraten werden mindestens so lange Vorschriften machen, wie Gelder aus Brüssel für die Landwirte fließen. Wenn Sie für etwas Geld ausgeben, erwarten Sie schließlich auch eine Gegenleistung, oder etwa nicht? Und wenn die Anbaudiversifizierung unser größtes Problem ist, geht es uns damit doch ganz gut. Ich denke davon sind unter 10% der Landwirte wirklich betroffen.

  4. von Otto Müller · 4.

    Mal wieder diejenigen Kommentatoren, die glauben, Landwirte haben keine Ahnung von dem was sie tun. Dann lasst Euch doch von den Bürokraten vorschreiben, was gut für Euch ist!

  5. von Alois Riedl · 5.
    Nur eine Kultur,

    als Monokultur bzw um "weniger" Arbeit zu haben. 100ha Ackerbau mit Weizen Und oder Mais soll doch nebenbei zu einem Vollzeitjob ganz gut machbar sein heißt es oft.

  6. von Heinrich Esser · 6.
    Anbaudiversifizierung - Schwachsinn?

    So was Blödes habe ich ja selten gehört. Der deutsche Landwirt ist so gut ausgebildet wie sonst niemand und schafft es trotzdem nicht, mehr als drei Kulturen anzubauen? Das ist ja schon sehr traurig. Ich habe mich vor 3, 4 Jahren gewundert, dass so etwas Voraussetzung ist, um die Prämien zu erhalten. Vielleicht ist für manche der Blick über den Tellerrand doch zu viel verlangt...

  7. von Wilhelm Grimm · 7.
    Wie sagte es doch Präsident Herzog:

    "Es muss ein Ruck durch unser Land gehen" ! Aber In der Agrarpolitik ist daraus ein grüner Zuück -. Ruck geworden. Ein ernsthaftes Bemühen um einen Vorwärts-Ruck wird es mit unseren Parteien nicht geben !?

  8. von Otto Müller · 8.
    Von den Briten lernen:

    Anbaudiversifizierung, Debatten über Busch, Hecke oder Baum und weitere Schwachsinns-Debatten abschaffen. Leider gehen wir in Deutschland einen ganz anderen Weg.

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