Geflügelpestsituation verschärft sich

Puten
Bild: Archiv

Trotz zahlreicher Sicherheitsmaßnahmen ist kein Ende des Geflügelpestgeschehens in Sicht. In der vergangenen Woche kam es sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern der EU zu zahlreichen Neuausbrüchen in Nutzgeflügelbeständen.

Im Bundesgebiet war dabei Niedersachsen am stärksten betroffen. Zuletzt bestätigte sich am vergangenen Freitag bei einem Putenmäster in Hurrel im Landkreis Oldenburg eine Infektion mit der hochpathogenen aviären Influenza vom Typ H5N8. Die 7 300 Tiere im Ausbruchsbetrieb sowie 13 800 Puten einer damit verbundenen Mastanlage wurden getötet.

Zu Beginn letzter Woche mussten wegen der Geflügelpest bereits ein Bestand von 18 800 Putenhähnen in Wardenburg im Landkreis Oldenburg und einer mit 8 200 Tieren in Garrel im Kreis Cloppenburg gekeult werden. Insgesamt gab es damit in Niedersachen seit November 2016 zwölf Ausbrüche in Nutzgeflügelhaltungen, dem rund 250 000 Tiere zum Opfer fielen.

In der vergangenen Woche war erneut auch Sachsen-Anhalt von der aggressiven Tierseuche betroffen. Rund 33 000 Legehennen mussten auf einem Geflügelhof in Brumby im Salzlandkreis getötet werden. Zudem wurde in dem Bundesland ein mit dem H5N8-Virus infizierter Schwan im Tierpark Köthen gefunden. Aufgrund dessen mussten rund 130 Gänse, Enten, Schwäne und Weißstörche, die sich dort aufgehalten hatten, gekeult und der Tierpark bis auf weiteres geschlossen werden. Das gleiche Schicksal ereilte am vergangenen Donnerstag auch den Zoo in Schwerin, nachdem dort eine Schneegans an dem Virus verendet war. Alle Gänse und Enten des Zoos wurden vorsorglich getötet.

Massenkeulung in Frankreich

Unterdessen hat sich die Geflügelpest auch in anderen EU-Ländern ausgebreitet. Zu drastischen Mitteln greift nun Frankreich, um die Ausbreitung des hochansteckenden Virus zu stoppen. Bis zum 20. Januar werden im Südwesten des Landes hunderttausende Enten und Gänse aus Freilandhaltungen vorsorglich getötet.

Die Biosicherheitsmaßnahme hatte das Pariser Landwirtschaftsministerium am 4. Januar beschlossen. Zuvor war die Zahl der H5N8-Fälle in Nutzgeflügelbeständen auf 95 gestiegen; rund 300 000 Tiere, meist Enten und Gänse für die Stopfleberproduktion, mussten gekeult werden. Bis dahin wurden jedoch nur die Tiere in den Ausbruchsbetrieben getötet; nun werden in 150 Gemeinden der Departements Gers, Landes, Hautes-Pyrénees und Pyrénees-Atlantique alle freilebenden Enten und Gänse gekeult und die Haltungen gereinigt und desinfiziert. Zunächst betrifft das die Betriebe, die in der Sperrzone mit einem Radius von 3 km um einen Ausbruchsbetrieb liegen. Danach sollen auch die Bestände der Halter im Umkreis von 10 km getötet werden, was etwa 1 Million Tiere betreffen würde.

Ausgenommen von der „Säuberungsaktion“ sind laut Ministerium Geflügelhalter mit Tieren in geschlossenen Ställen und teilweise auch ältere Tiere im Produktionszyklus. Die Kosten für die Keulungen und die Tierkörperbeseitigung werden vom Staat getragen. Auch die Erzeuger sollen entschädigt werden. Der interprofessionelle Ausschuss für Stopflebergeflügel (Cifog) bezifferte in einer ersten Schätzung die Verluste durch die vorsorglichen Tötungen auf 75 Mio Euro bis 80 Mio Euro.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Siewecke · 1.
    Es muss aufhören..

    Dieser Wahnsinn "ein Tier ist krank, also schlag ich alle tot" muss aufhören! Wann sehen unsere Behörden endlich ein, dass die angeordneten "Schutzmaßnahmen" absolut wirkungslos sind? Warum werden nicht Antikörper-Bildungen / Immunisierungen gefördert? Nur wegen diesen elenden Exportauflagen / Handelsinteressen? Die Mortalität der Virenstämme ist doch wohl bekannt, schließlich sind von den Millionen von Wildvögeln nur wenige hundert tot gefunden worden. Rechnet man hier noch einen Sicherheitszuschlag für nicht gefundene Vögel (oder eben vom Fuchs "gefunden") hinzu, bewegen wir uns immer noch im Promillebereich hinterm Komma. Was passiert zum Beispiel, wenn das Virus mal in einem "Arche-Dorf" zuschlägt? Will man dann eventuell eine ganze Haustierrasse ausrotten??? Umdenken und neue Strategie sind hier dringend erforderlich!

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  2. von Alois Riedl · 2.
    Die wilden auch?

    Die sind doch auch "freilebend"?

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