Gemeinschaftsprojekt von Naturschutz und Landwirtschaft soll Vorbild für GAP 2020 sein

Kuratoriumsvorsitzender der Otto-Stiftung für Umweltschutz, Michael Otto, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und DBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Eröffnung des Projektes F.R.A.N.Z.
Bild: Frank Rothe

Landwirtschaftsminister Schmidt und Umweltministerin Hendricks haben ein Gemeinschaftsprojekt von Naturschutz und Landwirtschaft gestartet. Zehn Betriebe führen darin über zehn Jahre praxistaugliche und ökonomisch tragfähige Maßnahmen ein. Die Erfahrungen sollen in die GAP-Reform 2020 einfließen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) haben zu Beginn der Woche ein Naturschutz- und Landwirtschaftsprojekt mit dem Namen F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft) vorgestellt. Darin erproben auf zehn ausgewählten konventionellen Betrieben Landwirte Naturschutzmaßnahmen auf ihre Praxistauglichkeit und ihre ökonomische Tragfähigkeit. Dabei soll auf den sieben Ackerbaubetrieben und den drei Grünlandbetrieben der ganze Betrieb und nicht nur einzelne Flächen betrachtet werden. Federführend für das Projekt sind die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und der Deutsche Bauernverband (DBV). Die beiden Minister für Landwirtschaft und Umwelt haben die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Vorbild für die GAP-Reform 2020

Das Projekt kommt im Hinblick auf die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) im Jahr 2020 „wie gerufen“, sagte Schmidt bei der Vorstellung vor Journalisten in Berlin. Aus seiner Sicht habe die Ausgestaltung des Greenings und der ökologischen Vorrangflächen noch Verbesserungspotenzial und das sowohl für die Entlastung von Bürokratie als auch bei den Maßnahmen. „Unsere Agrarumweltmaßnahmen haben noch nicht zu einer Bremsung des Artenschwundes geführt“, sagte Schmidt. Die Maßnahmen müssten jedoch auch „praktikabel sein“, betonte er.

Schmidt und Hendricks noch "in guten Gesprächen" zum Greening

Von dem Projekt erhofft sich Schmidt Anregungen für die Weiterentwicklung der Agrarförderung. Für die nächsten Monate kündigte er einen ersten eigenen Vorschlag zur GAP-Reform an. Mit Hendricks sei er derzeit „in guten Gesprächen“ über Korrekturen am Greening. Schon in diesem Jahr müssen sich die beiden darauf einigen, ob etwa die Größe der ökologischen Vorrangflächen von fünf auf sieben Prozent angehoben wird. Schmidt und Hendricks verwehrten eine konkrete Antwort darauf, ob und welche Einigung sie dazu schon erzielt haben. „Wir können die Agrarlandschaft nur gemeinsam mit den Landwirten erhalten“, sagte Hendricks. Sie hoffe, dass das Projekt mehr zu einer gemeinsamen Basis von Naturschutz und Landwirtschaft führen werde.

Finanzierung kommt von der Rentenbank und der Otto-Stiftung

Initiator des Demonstrationsprojektes ist Michael Otto, der Vorsitzender der nach seinem Namen benannten Stiftung für Umweltschutz ist. „Ich setze mich dafür ein, dass dieses Thema auf die politische Agenda kommt“, sagte Otto bei der Vorstellung. Finanziert wird das Projekt von der Otto-Stiftung, der Landwirtschaftlichen Rentenbank und zu einem kleineren Anteil vom Umweltministerium. Für die erste Projektphase bis Ende 2019 gibt es Mittel von 3,7 Millionen Euro, wovon die Landwirtschaftliche Rentenbank knapp 2,9 Millionen Euro und das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums rund 0,8 Millionen Euro beiträgt. Hinzu kommen rund 2 Millionen Euro von der Otto Stiftung.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Grimm · 1.
    Meine volle Unterstützung, Herr Henken !!!

    Die Dinge sind uns Landwirten bekannt. Frau Hendricks ist natürlich noch `ne Nummer schlauer und braucht den Bauernverband nur als Werbeträger in Form einer Schmuckbeigabe. Und Herr Otto steckt viel Geld in seine Umweltstiftung, wo unser Fachwissen nur stört. Frau Hendricks hat ihren Nitratbericht derart verlogen und trickreich der Öffentlichkeit über die Presse vorgestellt, mehr Unredlichkeit geht nicht. Das wird doch hier nicht anders werden.

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  2. von Wilhelm Gebken · 2.
    Solche Projekte gehören an landwirtschaftliche Hochschulen,

    dorthin wo Leute studieren, die mit einem Bein in der Landwirtschaft stehen. Solche Projekte lassen sich dann prima für anspruchsvolle Masterarbeiten nutzen, bei denen das Ergebnis erst nach denTests feststeht. Ich z. B. habe sehr viele Fragen an die Forschung, leider kann man mit dem Geschwurbel, was uns derzeit als "Studie" o. ä. verkauft wird überhaupts nichts anfangen.

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  3. von Lars Henken · 3.
    Verstehe ich nicht ganz....

    Der Ansatz mag ja richtig sein, aber ich sehe da einen fundamentalen Fehler. Man nimmt 10 Betriebe, um eine 10jährige Langzeitstudie durchzuführen und will die Ergebnisse bereits 2020 (also nach 3 Jahren) für GAP verwenden? Viele Auswirkungen werden dann aber noch gar nicht abschätzbar sein. Würde man z.B. auf eine reduzierte Düngung setzen, so könnte in den ersten Jahren noch aus der Bodenreserve Nährstoff geliefert werden, so dass die Auswirkungen gar nicht so gravierend wären. Nach 10 Jahren wäre der Bodenzustand aber ein ganz anderer. Gleiches gilt z.B. für den Verzicht auf Pflanzenschutz. Bei einem relativ sauberen Acker, wird die Entwicklung von Wurzelunkräutern in den ersten Jahren noch recht verhalten sein, nach 10 Jahren könnten auf dem Acker aber nur noch Disteln wachsen. Solche Erfahrungen haben doch viele Bio-Betrieb nach der Umstellung gemacht, die ersten Jahre läuft es noch, bis die Probleme dann überhand nehmen. Ich gehe davon aus, dass man uns in 3 Jahren ganz tolle Ergebnisse präsentieren wird und diese werden dann ins Greening eingearbeitet, schließlich hat man ja alles getestet und der Knall kommt dann später.

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  4. von Albert Maier · 4.
    Türöffner

    Solche Aktionen sind Türöffner für die nächste Auflagenwelle, welche auf die Bauern zukommt. Und der DBV mischt mit! Schlimm ist die Begründung für diese Aktion seitens des Landwirtschaftsministers:„Unsere Agrarumweltmaßnahmen haben noch nicht zu einer Bremsung des Artenschwundes geführt“, sagte Schmidt". Das ist billigster,unbewiesener Umweltpopulismus!!

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