Gericht erteilt Wald-Betretungsverbot für Wisente

Der Trägerverein Wisentwelt Wittgenstein muss ab sofort dafür sorgen, dass die freilaufende Wisent-Herde das Waldgrundstück des Waldbauern Hermann-Josef Vogt aus Schmallenberg nicht mehr betritt. Dieser hatte das Verbot per einstweiliger Verfügung beim Schmallenberger Amtsgerichts durchgesetzt. Bei Misachtung drohen entweder ein Ordnungsgeld bis zu 25 000 Euro oder eine Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

Mittlerweile hat auch Georg Feldmann-Schütte aus Oberkirchen geklagt, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 125 Jahre alt sind manche Buchen auf seinem Grund. Die Arbeit dreier Generationen steckt in ihnen. Dass die Wisente diese nun zerstören, will der Waldbauer nicht ohne Weiteres hinnehmen.

„Es geht um Rechtssicherheit“, erklärt Vogt. Und auch Feldmann-Schütte sorgt sich darum, dass er irgendwann einmal keinen Schadensersatz mehr bekommt, wenn die ausgewilderten Wisente als herrenlose Wildtiere gelten. Ein Standpunkt, den offenbar auch eine Versicherung vertreten hat, die für die Schälschäden nicht mehr aufkommen will.

Wenn sich diese Auffassung aber durchsetze, müsste die Jagdgenossenschaft für die Schäden aufkommen, erklären die Grundeigentümer weiter. Und das käme die Mitglieder teuer zu stehen. „Und wenn die Tiere nach dem Bundesnaturschutz ausgewildert werden, dann müssen wir beim Bundesumweltministerium Antrag auf Entschädigung erstellen“, erklärt Feldmann-Schütte. „Das ist zu aufwändig.“ Deshalb will der Waldbauer nun mit Blick auf die Zukunft vom Gericht klar stellen lassen, dass der Wisent-Trägerverein Eigentümer und Halter der Tiere ist.

Wisente verlassen Wald des Fürsten Sayn-Wittgenstein

Hintergrund sind die massiven Schälschäden, die die Wisente an Bäumen in privaten Forsten und jüngst offenbar auch in Weihnachtsbaum-Kulturen verursachen. Sie summieren sich bislang auf mehrere Tausend Euro. Angesiedelt wurden die Rinder ursprünglich in den Wäldern des Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Knackpunkt aus Sicht des Trägervereins bleibt die Versicherung, die für die entstehenden Schälschäden der Wisente haften soll. Zwar hat der Verein seit Juli eine neue gefunden, aber auch die ist nicht bereit, für die Schälschäden zu zahlen. Wer soll also künftig für die Entschädigungen aufkommen?

Remmel sucht nach Lösung

Mittlerweile hat sich auch Landwirtschaftsminister Johannes Remmel eingeschaltet. Noch in dieser Woche will er mit allen Beteiligten über Ausgleichsregelungen sprechen, um das Projekt zu retten, so die WAZ weiter. Ansonsten sehe er „die Gefahr, dass ein so einzigartiges und anspruchsvolles Artenschutzprojekt in langwierigen Rechtsstreitereien zerrieben wird“, erklärte er auf Anfrage der Zeitung.

Die Sorgen der Waldbauern nehme er sehr ernst, betont der Minister. Andererseits „ist die Wiederansiedlung des Wisent ein einzigartiges und neues Projekt: Von daher wollen wir dieses Projekt weiter begleiten und beobachten, wie sich der Wisent verhält. Letztendlich geht es darum, die Sprache der Natur neu zu erlernen.“
Der Wisent-Trägerverein, der Widerspruch gegen diese einstweilige Verfügung einlegen will, sucht nun gemeinsam mit Wissenschaftlern, die das Projekt begleiten, nach kurzfristigen „praktikablen Lösungen“.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von bananenbaer · 1.
    Den Wisenten (und dem Wolf) wünsche ich alles Gute...

    ... schön dass diese Tiere bei uns wieder eine Chance erhalten sollen. Muss aber auch das finanzielle geregelt sein. Lachen muss ich allerdings über Herrn Remmel, der beklagt, dass so "ein einzigartiges und anspruchsvolles Projekt in langwierigen Rechtsstreitigkeiten zerrieben wird". Dieser Kerl, der das Verbandsklagerecht für rechtlich nicht einwandfrei arbeitende Organisationen eingeführt hat und darauf abzielt, dass Landwirtsfamilien mit Baubürokratie regelrecht zugeschüttet und in den Dörfern quasi ins Abseits gestellt werden, hat dafür gesorgt dass mancher Stallbau, der für den jeweiligen Betrieb ebenso ein einzigartiges und anspruchsvolles Projekt darstellt, auch in Rechtsstreitigkeiten zerrieben worden ist. Mein Mitgefühl für ihn hält sich dahingehend in sehr engen Grenzen.

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  2. von lürade · 2.
    Remmel will die Sprache der Natur neu erlernen !

    Das ist auch bitter nötig, denn Land- und Forstwirtschaft gehören seit 10000 Jahren auch zur Natur. Mit welchen Naturkaspern müssen wir Landwirte uns eigentlich immer und immer wieder in Diskussionen herumschlagen. Wenn dem Irrsinn von den von uns gewählten Politikern kein Einhalt geboten wird, dann haben wir es bald satt !

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  3. von user10 · 3.
    @Wolf

    beim Wolf zeigt sich das gleiche Problem: Es handelt sich um "herrenlose Wildtiere, die freiwillig und selbstständig nach Deutschland eingewandert sind", so im Leserbrief eines "Wolfsschützers" in der NOZ zu lesen. Damit ist auch klar, dass evtl. derzeitige Entschädigungen lediglich Beruhigungstropfen sind. Ab einem bestimmten Punkt werden die Geschädigten mit Ihrem Schaden allein gelassen. Oder will man etwa die guten Umweltschutzverbände für das Verhalten von ihnen gar nicht gehörenden Wölfen verantwortlich machen?

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  4. von yvain · 4.
    Wer

    kommt eigentlich für die Schäden des Wolfes auf?

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