Gibt es Spezialschlachthöfe für kranke Kühe?

Kuh Diese verletzte Kuh wurde laut SOKO Tierschutz mit Elektroschocks getrieben und mit einem Gabelstapler über den Hof geschleift.
Bild: obs/SOKO Tierschutz e.V/anonym

Die Tierrechtsorganisation SOKO Tierschutz behauptet in einer Pressemitteilung, es gebe in Deutschland Schlachthöfe, die sich auf die Verarbeitung von alten und kranken Kühen spezialisiert hätten, die die „normalen“ Schlachthöfe nicht verarbeiten wollen.

So gebe es ein Netzwerk von Unternehmen, das "downer"-Tiere aus der Milchindustrie aufkaufe. Zwei solcher Schlachtbetriebe samt involvierter Viehhändler habe man heimlich mit Kameras beobachtet, so der Verein. Auf den Videos sei zu sehen, wie kranke Tiere per Seilwinde gezogen, per Gabelstapler umher geschleift, geschlagen und mit Elektroschockern getrieben würden.

Das Fleisch werde an einen polnischen Fleischkonzern, eine bayerische Fleischfirma und an Metzgereien der Umgebung verkauft, heißt es weiter. In der Branche spricht man laut SOKO Tierschutz von Industriefleisch oder dem Fleisch "blauer Kühe". Es lande in Wurst, Burgern, Kebab und verarbeiteten Produkten.

In diesem Zusammenhang kritisieren die Tierrechtler, dass deutsche Milchkühe schon nach fünf Jahren ausgebrannt seien und erlöst werden müssten. „Da sowohl die Notschlachtung als auch der Abdecker Geld kosten, wird man kreativ und transportiert die Tiere quer durch Deutschland zu den nur Insidern bekannten Schlachthöfen“, so der Verein weiter.

SOKO Tierschutz hat nach eigener Aussage Strafanzeige gegen die Beteiligten erstattet. Allerdings seien die Behörden Teil des Problems, da keine Kontrollen stattfänden oder vorher angemeldet würde. Zudem seien die Betriebe mit den Überwachern per Du.

Ministerium übergibt Fall der Staatsanwaltschaft

Am Dienstag hat auch das niedersächsische Agrarministerium von dem Fall erfahren und nach Anhörung der Vorwürfe die Polizei informiert. Konkret geht es um einen namentlich bekannten Schlachtbetrieb im Landkreis Osnabrück, dem gravierende Verstöße gegen das Tierschutz- sowie das Fleischhygienerecht vorgeworfen werden.

Laut dem Ministerium ist auch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg eingeschaltet. Der Hinweisgeber wurde aufgefordert, die angekündigten Beweismittel unverzüglich den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu stellen. Die Staatsanwaltschaft ist nun Herrin des Verfahrens.
Das ML hat mit dem zuständigen Landkreis und der Staatsanwaltschaft Oldenburg weitere Maßnahmen abgestimmt:

  • So hat der Landkreis Osnabrück umgehend jegliche Schlachtung untersagt.
  • Grundsätzlich sind bei allen Schlachtungen nebenberuflich für den Landkreis tätige Tierärzte vor Ort und kontrollieren. Die von diesen gezeigten Fällen betroffenen nebenberuflich für den Landkreis Osnabrück tätigen Tierärzte werden nicht mehr eingesetzt, auch nicht in anderen Schlachthöfen.
  • Das ML wird die Maßnahmen der zuständigen Behörden - die des Landkreises, des LAVES und der zuständigen Staatsanwaltschaft - weiterhin intensiv unterstützend begleiten.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Siewecke · 1.
    Sowas kommt eben von "Geiz ist geil"...

    In jeder Tierhaltung kommt es zu Unfällen und Tiere altern eben auch und haben irgendwann ihr Lebensende erreicht. Was spricht dann dagegen, sie durch Schlachtung zu verwerten? Solange, und da bin ich mit Herrn Steffek absolut einer Meinung, mit den Tieren fachgerecht (beinhaltet auch den Tierschutz!) umgegangen wird, sollten sie auch zum Schlachter dürfen. Kein Landwirt kann es sich leisten, Tiere einfach "in die Tonne zu kloppen"! Solche Dinge wie Elektro-Vietreiber, Verladen mit dem Stapler, etc..., geschehen aber auch nur aus Zeit- und Geldmangel, auf Transporteur-, Viehhalter- und Schlachthofseite. Dazu kommt, dass oft unterbezahlte und schlecht ausgebildete Arbeitskräfte am Werk sind. Da gilt die alte Weisheit: Jeder bekommt die Arbeitsleistung, die er auch bezahlt! Und wenn "König Kunde" an der Ladentheke sich für billig entscheidet, dann passiert genau so etwas ....

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Heutzutage darf wohl ein jeder Depp

    irgendeine Behauptung aufstellen und schon wird dem nachgelaufen. Egal ob es spezielle Schlachthöfe für alte und kranke Kühe gibt, wichtig ist das auf jeden Fall mit den Tieren ordentlich umgegangen wird. Interessant dabei ist aber auch die Argumentation der SOKO das Kühe schon nach 5 Jahren "ausgebrannt" sind und deshalb zum Schlachter gehen. Komisch????? nach 5 Jahren sind die Kühe aber noch nicht alt. Und da braucht man dafür extra Schlachthöfe? Abgesehen davon bekunden sie nur mal wieder ihre Unwissenheit und Voreingenommenheit. Ich erkläre es mittlerweile so manchem unserer unwissenden Zeitgenossen das bei einer "Remontierungsrate" von 30 % zwangsläufig im Durchschnitt jede Kuh nach dem dritten Kalb aus den Stall geht. Lege ich dann noch drauf das dies aber eh alles nur hohles Gequake ist, da im Grunde jedes Jahr bei der Milchviehhaltung "ein Leben über den Tisch geht", bekomme ich erst mal ein ungläubiges Gesicht. Mittlerweile wissen ja unsere ach so schlauen Zeitgenossen nicht einmal mehr das die Kuh eben jedes Jahr ein Kalb bekommt, da es in ihrer Natur liegt und sie nur dann Milch gibt wenn sie eben dieses hat. Es sollte zu denken geben, daß solch elementaren Dinge unseres Lebens nicht mehr geläufig sind. Also, der Vorwurf der SOKO ist nur mal wieder übliches Getöse derer und sollte aber dennoch ein für alle mal klargestellt werden. Diese Volksverdummung muß ja nun wirklich nicht sein.

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  3. von Matthias Zahn · 3.
    Eigenverantwortung der Branche

    Natürlich ist so manches Vorgehen dieser SOKO zu hinterfragen. Aber hinter jeder Geschichte steckt ein funken Wahrheit! Sollten wir als Branche nicht alles dafür tun, damit es solche Bilder gar nicht geben kann? Auch wir Bauern sollten überlegen ob so manche Kuh nicht besser von ihren Leiden erlöst werden sollte anstatt sie noch zum Schlachter zu quälen. Vielleicht sollte manchmal Moral und Ethik höher hängen als die Betriebswirtschaft....

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