Grüne sehen EU-Agrarexport nach Afrika als Ursache für Flucht

Maria Heubuch Maria Heubuch
Bild: EU-Parlament

In ihrer kritischen Haltung zu den Agrarexporten der Europäischen Union sehen sich die Grünen durch Aussagen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bestätigt. Der Luxemburger hatte Medienberichten zufolge in einem Interview auf einen möglichen Zusammenhang von der EU-Agrarpolitik mit den Fluchtgründen für aus Afrika kommenden Menschen hingewiesen, und, dass diesem Aspekt in der kommenden Reform besondere Aufmerksamkeit geschenkt werde.

Wahr sei, dass in Sachen europäischer Agrarexportpolitik einiges überdacht werden müsse, so der Kommissionspräsident. Zudem forderte Juncker von den Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung der Fluchtursachen mehr Engagement, etwa bei der Bereitstellung von Finanzmitteln.

Die entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament, Maria Heubuch, begrüßte die Aussagen Junckers. Die „rücksichtslose“ Exportorientierung der EU führe dazu, dass Afrika in Dumpingprodukten wie Milchpulver und Hähnchenteilen versinke, während in der EU täglich Bauernhöfe geschlossen werden müssten, so Heubuch. Europa müsse endlich umdenken „und diesen Dampfer auf einen sicheren Kurs führen“.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) dürfe die Anstrengungen der Armutsbekämpfung nicht länger untergraben und müsse ab ihrer nächsten Reform die Bekämpfung von Fluchtursachen zum Ziel haben. Denn „Politikkohärenz für Entwicklung“ sei eine Vorgabe des Vertrages von Lissabon, die auch für EU-Agrarkommissar Phil Hogan gelte, betonte die Grünen-Politikerin. Sie warf dem Iren eine zu starke Konzentration auf den Export vor. In Zukunft brauche es außerdem ein Monitoringsystem, das die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf Entwicklungsländer systematisch analysiere und dabei die Folgen für die afrikanischen Kleinbauern besonders im Blick habe.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Konrad Darscheid · 1.
    Die Grünen haben eine Weltanschauung...

    ...ohne sich die Welt angschaut zu haben. Ägypten z.B. ist einer der größten Getreideimporteure der Welt (natürlich nicht nur aus der EU). Von dort kommen aber kaum Flüchtlinge! Vielleicht können die Grünen mal erklären, wie 94 Millionen Ägypter von der in Ägypten nutzbaren Agrarfläche- es gibt nämlich kaum welche- ernährt werden sollen. Wenn man es zynisch betrachten will: Insofern haben die Grünen Recht: Mit dem Stop der Agrarexporte werden auch die Flüchtlingsströme geringer. Die Leute werden es nämlich vor Hunger erst gar nicht mehr bis zum Mittelmeer schaffen.

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  2. von Bernhard Hellweg · 2.

    Afrika muss 20 - 25% seiner Nahrungsmittel importieren. Wenn keine Nahrungsmittel mehr nach Afrika exportiert werden, müssen entweder 20 bis 25% aller Afrikaner verhungern oder zu uns kommen.......

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  3. von Henrik Oevermann · 3.
    Exporte

    Auch keine Autoexporte ? Dafür MB- BMW - VW-produktionen nach Mali, Sudan, etc. verlagern ? Natürlich nur noch E-Autos ! Ganz wichtig -- alles muß schon morgen passieren. Wenn Nahrungsmittel exportieren, dann nur vegan, weil Veganer früher aussterben.

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  4. von Harald Finzel · 4.

    interessanterweise erwähnt die Afrikanische Entwicklungsbank bei ihren Bemühungen, der Überalterung der afrikanischen Landwirtschaft entgegenzuwirken, die Weltmarktkonkurrenz mit keinem Wort und setzt stattdessen darauf, "die afrikanische Landwirtschaft zu einem Billionen-Dollar-Geschäft zu entwickeln": https://afrika.info/newsroom/afrika-durchschnittsalter-von-bauern-liegt-bereits-bei-60-jahren/ Wie lässt sich das mit der romantischen Vorstellung der Grünen von einer afrikanischen Subsistenzwirtschaft (also Knochenarbeit wie im tiefsten Mittelalter) vereinbaren?

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  5. von Harald Finzel · 5.
    Grüne Blödsinnsargumente werden nicht wahrer...

    ...wenn man sie - wie in diesem Fall Frau Heubuch - gebetsmühlenartig wiederholt. So bezieht Afrika beispielsweise den Großteil seiner Geflügelfleischimporte aus Brasilien (Google z.B. nach "geflügel-charta.de afrika"). Und ausgerechnet diejenigen Länder haben die niedrigsten Flüchtlingsströme zu verzeichnen, die Getreide importieren anstatt ihre Bevölkerung hungern zu lassen. Auch Deutschland spielt mittlerweile eine wichtige Rolle als Getreidelieferant mit p.a. rund 5 Mio t exportiertem Weizen: http://www.proplanta.de/Fotos/image/Bilder/Weizenexporte-in-Drittlaender_Bild_idb14266995999news_1024.gif --- Wie sich die Flüchtlingszahlen in den Krisenregionen Afrikas und des nahen Ostens wohl verändern würden, wenn dieses Getreide fehlen würde?

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  6. von Wilhelm Gebken · 6.
    @ Wilhelm Grimm

    Nicht die Grünen sind einfältig, sondern die Zielgruppe der Grünen ist einfältig

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  7. von Paul Maier · 7.
    Europa importiert auch viele Güter des Ernährungssektors aus Afrika.

    Kaffee und Kakao sind zwei wesentliche Exportartikel aus Afrika und werden bei uns viel nachgefragt. Dabei kümmert es die Verbraucher kaum, unter welchen Bedingungen (z.B. Kinderarbeit) diese erzeugt werden. Globale Konzerne üben Druck auf die Erzeugerpreise der Bauern nicht nur in Europa aus. In jüngster Zeit war zu lesen, dass echte Vanille inzwischen 500 € je kg kostet. Ob dieser horrende Preis aber wirklich bei den Erzeugern ankommt das müsste man in Madagaskar erfragen. Der Import von frischem Obst stieg erneut um 16 000 to an und auch davon kommt manches aus Afrika. Mein Schwager lebte über dreissig Jahre in Westafrika, in Burkina Faso und der Elfenbeinküste am Rande der Sahel Zone, wo das Wohl und Wehe der Menschen eng mit einer guten Regenzeit verbunden war. Dort wurde auch Baumwolle angebaut und er berichtete, dass der Preis solange gedrückt wurde, bis die Bauern ihre Baumwolle an die Händler verkauft hatten. Die europäischen Agrarexporte zu einer der Ursachen für die Fluchtbewegungen zu erklären mag zwar populistisch sein und im Wahlkampf manchen hilfreich erscheinen, dürfte aber weit überschätzt sein. Nirgend auf der Welt hat das Landgrabbing solche Ausmaße angenommen, wie in Afrika und von der Seite drohen den dortigen Kleinbauern die grössten Gefahren. Ist Europa daran wirklich ganz schuldlos?

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  8. von Wilhelm Grimm · 8.
    Die Grünen sind an Einfältigkeit

    nicht zu toppen.

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