Grüne wollen ihre Position zur Gentechnik hinterfragen

Die neuen Parteivorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, stoßen eine offene Debatte über Gentechnik in der Landwirtschaft an.
Bild: Die Grünen/ Dominik Butzmann

Die Grünen wollen in ihrer am Wochenende startenden Programmdebatte ihre kompromisslose Ablehnung der Grünen Gentechnik hinterfragen. Die beiden neuen Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck geben dafür eine ungewöhnlich offene Formulierung vor. In der Partei regt sich aber schon Widerstand.

Die Grünen wollen sich ein neues Grundsatzprogramm geben. Die Debatte darüber soll am Wochenende bei einem Startkonvent in Berlin beginnen. Die neue Parteispitze aus Annalena Baerbock und Robert Habeck, die seit Ende Januar im Amt ist, überrascht zum Auftakt mit dem Vorschlag für eine Öffnung der Partei für die Grüne Gentechnik.

In einem Auftaktpapier zum Konvent, das Spiegel Online vorliegt, hinterfragen Baerbock und Habeck die restriktive Grüne Position zum Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Man müsse sich überlegen, ob neue Technologien nicht auch helfen könnten, die Versorgung mit Nahrungsmitteln gerade dort zu garantieren, wo Klimawandel für immer weniger Regen sorge, zitiert Spiegel Online aus dem Papier. Zwar wird die Ablehnung gentechnisch veränderter Lebensmittel bekräftigt, aber es wird auch gefragt, ob neue Technologien nicht helfen könnten, trotz ausbleibender Regenfälle und versalzener Böden die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu garantieren. Gemeint ist damit wohl die neuere Züchtungsmethode Crispr/Cas. Außerdem wolle man auch über den Einsatz von Gentechnik zur Bekämpfung von Krankheiten eine "offene und faire" Debatte führen, heißt es weiter. Für die Grünen sind dies radikale Überlegungen, die weit von ihren sonst eher konservativen Positionen beim Thema Gentechnik entfernt sind.

Ebner und Häusling widersprechen der Parteispitze

In der Partei gibt es auf Habecks und Baerbocks Vorstoß daher schon den ersten Widerstand. Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner und der EU-Abgeordnete Martin Häusling, widersprechen der Parteispitze, „Was Mittel zur Lösung von Welternährungsfragen und Klimakrise angeht, so zeigen alle Erfahrungen, dass es dazu Gentechnik nicht braucht“, sagte Ebner gegenüber Zeit online. Auch neue Gentechniken seien im Grunde ein Teil der alten Gentechnik, halten Ebner und Häusling dagegen. Bis jetzt habe „die Gentechnik nur dazu geführt, dass wir pestizidresistente Pflanzen haben und der Chemie mehr und nicht weniger Raum gegeben wird“, sagte Häusling. Auch Ebner warnte davor, sich von gentechnisch veränderten Pflanzen eine Wende in der globalen Landwirtschaft zu versprechen. „Pflanzen, die gut mit wenig Regen klarkommen, verspricht die Gentechniklobby schon seit Jahrzehnten ohne Ergebnis“, sagte er.

Die Aussagen zur Gentechnik sind Teil eines Absatzes zum Thema Wissenschaft, den Baerbock und Habeck in ihr Auftaktpapier geschrieben haben. Das Auftaktpapier der Grünen-Chefs gliedert sich in folgende sechs Teilbereiche: Ökologie, Wirtschafts-und Sozialpolitik, Digitalpolitik, Wissenschaft, Außen- und Sicherheitspolitik und Gesellschaft. Im Kapitel zur Ökologie fordern Habeck und Baerbock unter anderem ein sozial-ökologisches Welthandelssystem. Außerdem wollen sie über eine europäische Energieunion und eine ökologische Steuerreform reden.

Das neue Grundsatzprogramm der Grünen soll im Frühjahr 2020 zum 40. Jahrestag der Grünen-Gründung fertig sein. Das letzte Programm der Partei ist 16 Jahre alt. Die Programmdebatte startet offiziell am Freitagabend mit einem das Wochenende über laufenden Konvent und soll dann zwei Jahre dauern.
 

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    @Paul Siewecke

    Nun denn, das Auto hat aber heute auch schon mal 100 Jahre auf dem Buckel. Also, "Gut Ding will Weile haben". Wobei man auch hier fairerweise sagen muß, daß alles zwei Seiten hat. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Was einem wichtiger ist, ist dann immer eine Frage des Betrachters. Oder, wie Shakespeare einst zu sagen pflegte: "Nichts ist weder gut noch Böse, erst das Denken macht es dazu". Also lieber Paul Siewecke, lieber dem ganzen mal die entsprechende Zeit geben, um darüber urteilen zu können. Denn hier muß man dann halt mal sagen: "Nur für den der Warten kann, wir aus einem Korn ein Laib Brot".

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  2. von Paul Siewecke · 2.

    Das erste Auto fuhr eine Frau und sorgte damit für die Markteinführung. Es fuhr aber schon definitiv schneller als eine Pferdekutsche... Diese Fortschritte hinsichtlich Ertrag, Ernährungsphysiologie und Sinnhaftigkeit schaffen GVO im Verhältnis gesehen bis heute nicht! Gelöste Probleme werden nur durch neue ersetzt. (das schaffte das Auto übrigens auch!) Und die (seit Jahrzehnten versprochenen) trockenheitsresistenten Nutzpflanzen bzw. die "eierlegende Wollmilchsau" sind noch lange nicht in Sicht.

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  3. von Wilhelm Grimm · 3.
    @ Paul Siewicke

    Bis jetzt, damals . Wie schnell lief das erste Auto ?

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  4. von Günter Bliwernitz · 4.
    Verhinderung von Wettbewerb

    Nicht die Gentechnik treibt die Landwirte in die Abhängigkeit, sondern die Tatsache das neue Unternehmen zumindest in Europa gesetzlich am Markteintritt behindert werden. Eine Aufhebung der Forschungs- und Anwendungsverbote in Europa würde das Interesse weiterer Firmen an dieser Technologie erhöhen.

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  5. von Paul Siewecke · 5.
    bis jetzt hat die grüne Gentechnik...

    nur folgendes bewirkt: Farmer wurden in die Abhängigkeit von Konzernen gedrängt (geschlossene Anbausysteme, Saatgut + passende PSM aus nur einer Hand = Monopolisierung), es wurden herbizidresistente Sorten erzeugt, mit dem Nebeneffekt, dass das Unkraut auf natürlichem Wege nachzieht und Superunkräuter mit den gleichen Resistenzen entstanden. Der BT-Mais, der pflanzeneigene Insektizide bildet, steht im Verdacht, bei langzeitiger Verfütterung Schäden an den Nutztieren zu verursachen (fest steht inzwischen: Tiere fressen weniger und bleiben kleiner! Das ist wissenschaftlich belegt.) Der hochgelobte "goldene Reis" (mit Beta-Karotin angereicherte Reissorte, soll Vitaminversorgung verbessern) ist bislang auch ein Schuss in den Ofen. Die entsprechenden Sorten bringen viel zuwenig Ertrag (Saatgut an keinen Bauern verkaufbar) und die zusätzlich eingebauten Inhaltsstoffe sind nicht länger lagerfähig. Und den gleichen Effekt wie mit dem Golden Rice erziehlt man auch mit normalem Reis und ner viertel Möhre... Diese Beispiele von sinnfreier Genmanipulation lassen sich äquivalent fortsetzen... Die bisherige Forschung erinnert an die Entwicklungsarbeit der NASA, die Hunderttausende Dollar investierte, um einen Kugelschreiber zu entwickeln, der auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Die Russen nahmen Bleistifte....

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  6. von Wilhelm Gebken · 6.
    Es ist völlig egal was die Grünen für richtig oder falsch halten.

    Ihr Konzept ist es, dass was sie für richtig halten, mit Sanktionen, Vorschriften, Strafen und Verunglimpfungen durchzusetzen. Wenn sie etwas für falsch halten (das Meiste was andere Menschen tun halten sie für falsch) so werden diese Menschen, die ja nicht so gut sind wie die guten Grünen, ebenfalls mit Sanktionen, Vorschriften, Strafen und Verunglimpfungen durchs Dorf geprügelt. Also: In unserer Gesellschaft ist kein Platz für diese weltverschlimmbessernden Wolkenkuckucksheimer. Wie wäre es mit Auswandern nach Saudi-Arabien? Schließlich haben die schon mal eine grüne Flagge.

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  7. von Wilhelm Grimm · 7.
    Ein grosser Schritt für die Menschheit,

    der die CDU/CSU vor sich her treibt und die wissenschaftsfeindliche SPD in die Depression stürzen wird.

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  8. von Christian Bothe · 8.

    Das klingt ja erstmal nicht schlecht und man scheint zu erkennen wie wichtig die Gentechnik ,nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch in der LW allen Unkenrufen zum Trotz ist! Bin gespannt,was am Ende im Positionspapier der Grünen davon übrigbleibt... Viel Vertrauen habe ich da noch nicht.

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  9. von Gerhard Steffek · 9.
    Nanu?

    werden die doch mal klüger? Nun ja, die Wirklichkeit hat bisher noch jeden eingeholt. Habeck hat ja als ehemaliger Landwirtschaftsminister schon mal ein bißchen "Realität" schnuppern müssen. Da bekommt dann mal wieder Josh Billings recht mit seinem Satz: "Die beste Methode, einen Narren von seinem Irrtum zu überzeugen, besteht darin ihn seine Dummheiten selbst ausführen zu lassen".

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