Hendricks: Agrarförderung auf mehr Klima-, Umwelt- und Tierschutz ausrichten

Phil Hogan und Barbara Hendricks Phil Hogan und Barbara Hendricks
Bild: Katharina Lütke Holz

Nach Ansicht der früheren Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks muss die EU-Agrarpolitik in der kommenden Finanzperiode ab 2021 stärker die Leistungen der Landwirtschaft für den Klima-, Umwelt- und Tierschutz fördern.

„Mit pauschalen Flächenprämien in Verbindung mit einem Greening, dass zu kompliziert und zu ineffizient sind, können wir die Klimaschutzziele von Paris nicht erreichen“, sagte die SPD-Politikerin, die auch Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken ist, bei der Podiumsdiskussion „Der Bauer und das (liebe) ZeOzwei“ in der vergangenen Woche beim Katholikentag in Münster. Aber auch die Verbraucher könnten etwas für den Klimaschutz tun, wenn sie weniger Fleisch äßen, ist sich Hendricks sicher.

„Deutschland und die EU müssen bei der Gestaltung der künftigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft und den Klimschutz mutig vorangehen“, unterstützte der ehemaligen Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Prof. Dr. Klaus Töpfer, Hendricks Forderungen. Wer immer nur auf den Langsamsten warte, komme nicht voran, ist sich Töpfer sicher.

Töpfer empfahl der Politik, sich die strukturellen Entwicklungen der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten genau anzuschauen. „Wir müssen die Frage klären: Wollen wir diese Entwicklung zu immer größeren Betrieben weitergehen? Dann haben wir in wenigen Jahren nur noch 100.000 Betriebe in Deutschland. Wenn nicht, dann müssen wir überlegen, welche Rahmenbedingungen wir für eine andere Politik benötigen. Von einer Steuer auf Fleisch und Wurst zur Reduzierung des Fleischkonsums hält Töpfer aber wenig. „Wir sollten die Menschen überzeugen und sie nicht bevormunden“, meint der frühere Bundesumweltminister.

Hogan: EU-Agrarpolitik ist nachhaltiger geworden

Prof. Dr. Klaus Töpfer Prof. Dr. Klaus Töpfer
Bild: Katharina Lütke Holz
EU-Agrarkommissar Phil Hogan machte deutlich, dass sich die EU-Agrarpolitik in den vergangenen 25 Jahren bereits fundamental verändert habe. „Wir haben die an die Produktion gekoppelte Förderung weitgehend hinter uns gelassen und fördern die EU-Landwirte in einer Form, die die Märkte in und den Handel mit Nicht EU-Ländern nicht stört“, erläuterte Hogan. Wer etwas anderes behaupte, liege völlig falsch. Die EU-Agrarpolitik spiele eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. „Ohne Fokussierung auf die Landwirtschaft und die Ländlichen Räume werden wir sie nicht erreichen“, ist der Agrarkommissar überzeugt.

Die EU-Agrarpolitik nach 2020 will der Ire deshalb noch stärker auf die UN-Nachhaltigkeitsziele ausrichten. Ende Mai lege die Kommission dazu ihre Vorschläge vor. Hogan kündigte an, dass er zum Beispiel vorschlagen werde, die Erstellung von Nährstoffmanagementplänen und die Teilnahme an Betriebsberatungsdiensten verpflichtend zu machen. Wie dies konkret aussehen soll, lies der Kommissar noch offen.

Hogan ist überzeugt, dass der Agrarsektor in Zukunft mehr Forschung und Innovation braucht. „Die Digitalisierung wird große Fortschritte bringen. Wir müssen den Bauern helfen, moderne Technologien wie Precision Farming schnell anzuwenden. „Die CO2-Emissionen aus der Tierhaltung und der Düngung sind seit 1990 bereits um 20 % zurückgegangen. Hier können wir und hier werden wir noch mehr erreichen“, nannte Hogan einen wichtigen Ansatzpunkt.

Podium

Landwirtschaft Teil des Problems und Teil der Lösung

Die Land- und Forstwirtschaft sei aber nicht nur Teil des Problems, sie sei auch Teil der Lösung, weil dieser Sektor als einziger in der Lage sei, CO2 über natürliche Prozesse zu binden, betonte der Kommissar. Darauf hatte bereits Nicole Podlinski, die Bundesvorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands (KLB), in ihrem Eingangsstatement hingewiesen. „Der Klimawandel bedroht weltweit die Landwirtschaft und die Ernährungssicherung. Er ist damit eine wichtige Ursache für Landflucht“, analysierte die KLB-Vorsitzende. Vor dem Syrienkrieg habe es in dem Land die längste Dürre seit 500 Jahren gegeben. 800.000 Bauern hätten ihre Lebensgrundlage verloren, gab Podlinski ein Beispiel.

Die Landwirtschaft habe weltweit einen Anteil von 24 % am gesamten Treibhausgasausstoß. In Deutschland seien es 15 %. „Ein Teil ist das Methan der Wiederkäuer. Es entsteht Lachgas bei der Düngung. Die N-Überschüsse führen zu Ammoniakausgasungen. Aus der Gülle wird CO2 frei und natürlich auch beim Kraftstoffeinsatz in der Landwirtschaft“, nannte Podlinski die wichtigsten Klimagasquellen.

Damit sei klar, wo angesetzt werden müsse. „Man müsste den zusätzlichen Ausstoß von Klimagasen durch Landnutzungsänderungen verhindern, die Tierbestände oder zu hohe Düngung verringern oder die Ökolandwirtschaft fördern“, beschrieb die KLB-Vorsitzende Beispiele. Das sei aber nicht so leicht umzusetzen, weil es zum Beispiel weltweit mehr Grünland als Ackerland gebe und viele Bauern von der Tierhaltung lebten.
„Wenn die Landwirtschaft klimafreundlicher werden will, steht sie vor einer ihrer größten Anpassungen“, glaubt Podlinski.

Der größte Hebel sei dabei das Verbraucherverhalten. „Wir müssen weniger Lebensmittel verschwenden und unseren Fleischkonsum überdenken“, appellierte sie an die Zuhörer. Zumindest ein Teil der rund 400 Besucher der Podiumsdiskussion in Münster sind dazu bereit. Das zeigte sich bei einer Publikumsumfrage, der der Bundesvorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung (KLJB), Stephan Barthelme, im Rahmen der Podiumsdiskussion durchführte.

Veranstaltet wurde „Der Bauer und das (liebe) ZeOzwei“ von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB).

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Anke Möbius · 1.
    @ Wilhelm Grimm

    Bitte an die Redaktion TA: Der einfachste Weg, schwachsinnige Kommentare zu vermindern, wäre, sie sofort zu löschen.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    24 zu 15 %

    Selbst wenn es 30 % wären so muß man sich fragen, was wollen die denn? Jede Aktion ergibt eine Reaktion und wenn ich Ackerbau und Viehzucht betreibe, dann hat das seine Auswirkungen. Jede Kuh, die rumsteht produziert halt mal einen Furz, aber sie gibt auch Milch und Fleisch, im Gegensatz zu manch einem zweibeinigem Rindvieh das nur Sch..... produziert und damit unproduktiv die Umwelt versaut. Was wollen die? Wollen sie etwas zum beißen haben, oder wollen sie lieber verhungern, nur um die Umwelt nicht mit CO2 zu belasten. Bei manch einem wäre letzteres für die Umwelt definitiv besser. Landwirtschaft ist nunmal ein essentieller Wirtschaftszweig zum Überleben der Menschheit und daß man dies auch effektiv und Umweltschonend betreiben kann sieht man an der deutschen LW alleine schon an dem Unterschied der 24 zu 15 %. Komisch, daß nicht angesprochen wird wo man sonst um ein gut Ding mehr sparen könnte. Tourismus und Flugverkehr z.B. (jeder Touri nur noch aufs Rad), Straßenverkehr, Güterverkehr etc., manches ist hier wirklich unnötig.

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  3. von H. Bogen · 3.
    Mal überzogen gefragt

    Warum wollen wir Tierhalter nicht mit weniger Tieren mehr Geld verdienen? Das wäre doch viel einfacher, die Politik schreibt uns EU-Weit vor das wir nicht mehr als eine Großvieheinheit auf einem Hektar Fläche der in der EU zur Verfügung stehenden Landwirtschaftsfläche halten dürfen, was zu einem drastischen Rückgang der Tierzahlen führen würde. Somit wäre keine Überproduktion mehr von Fleisch mehr möglich, kein Import von Soja und anderen Futtermitteln aus nicht EU-Ländern nötig. Das Angebot an landwirtschaftlichen Produkten wäre knapp und der Preis hoch und nebenbei würden wir noch die Umwelt retten. Wäre doch toll! Aber genau das will ja unsere Politik nicht, den um das durchzusetzen müsste sie ja gigantische Einfuhrzölle auf landwirtschaftliche Importware erheben, denn schließlich kann der Weltmarkt ja jetzt schon billiger produzieren als wir, fragt ja auch keiner nach -> Wie? W ürde aber wahrscheinlich auch dazu führen das unsere Exporte drastische zurückgehen würden dank Einfuhrzöllen auf Autos und Co. in nicht EU-Staaten, also könnte sich kaum jemand mehr unsere teuren Lebensmittel in der EU leisten die Leute wäre unzufrieden mit unseren Politikern anstatt mit uns Bauern und das kann doch unsere Politik bestimmt nicht wollen, oder? Also lieber weiter diskutieren und alles so lassen wie es ist. Vorsicht Ironie.

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Der einfachste Weg, Treibhausgase zu vermindern ist das Verbot der

    "Ökologischen" Landwirtschaft.

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  5. von Christian Bothe · 5.

    Liebe Frau Podlinski, wenn Sie schon Zahlen nennen, sollten diese auch richtig sein! Der Anteil der Landwirtschaft an der nationalen THG-Emission liegt bei ca. 12 % und der reinen Fleischerzeugung so das sich Minderungsmaßnahmen im Bereich von unter 1 % der nationalen THG-Emission bewegen. Der Anteil der Rinderhaltung an der nationalen THG-Emission beträgt etwa 2,5 %, davon 1,8 % aus der ruminalen Methan-Emission.(Mehr Infos: http://www.agrarfakten.de/treibhausgase). Das die Ökolandwirtschaft weniger Emissionen verursacht, ist natürlich ein Trugschluß, welcher gern von NGO's verbreitet wird. Was die Verschwendung von Lebensmitteln betrifft, gebe ich der KLB Vorsitzenden recht. Warum ist das so, weil diese zu billig sind und man Nahrungsabfälle nicht mehr über den Tiermagen veredelt. Den Menschen vorzuschreiben wieviel Fleisch sie essen sollen, ist natürlich Unsinn und entbehrt jeder Grundlage. Das ist nichts weiter wie ein theoretisches Szenario und würde eine ganze Branche verunsichern. Wie Hogan betonte, sind die CO2 Emissionen seit 1990 aus Tierhaltung und Düngung um 20% zurückgegangen und das insbesondere im Bereich der konventionellen LW. Zusammenfassend kann man sagen, das die LW ihren Beitrag leistet und weiter leisten wird, um die Klimaerwärmung zu mindern.

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  6. von Albert Maier · 6.
    Oh...

    .... mein Gott.

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  7. von Wilhelm Grimm · 7.
    Sind die denn alle high oder hicks gewesen?

    Es wird doch auch christlich gesinnte Katholiken geben ?

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  8. von C. Schmidt · 8.

    Liebe Frau KLB-Vorsitzende Podlinski, den CO2 Austoß der Landwirtschaft durch umstellung auf Bio-Landwirtschaft zu senken wird leider nicht funktionieren denn der CO2 Austoß pro kg erzeugtem Getreide oder Fleisch ist höher als bei konventioneller bewirtschaftung. Vielleicht erst mal über die Fakten informieren bevor man schlaue Reden hält. Die Kirchen sind für mich auch nicht mehr besser als die zahlreichen Umwelt-NGO's.

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  9. von Richard Huber · 9.
    Wer fragt denn heute noch

    die Verfasserin der aus Steuergeldern bezahlten "Bauernregeln"? Reicht ihr die damalige Diffamierung des Berufsstandes immer noch nicht?

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  10. von Heinrich Roettger · 10.
    Frau Hendricks hat sich komplett disqualifiziert

    Diese Frau überhaupt noch zur Landwirtschaft zu befragen , ist für uns Bauern eine der größten Zumutungen des Tages.!!

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  11. von Harald Finzel · 11.
    15% der Treibhausgase aus der Landwirtschaft? Nein!

    Selbst laut Umweltbundesamt soll die Landwirtschaft gerade einmal für gute 7% der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich sein. Die von Frau Podlinski genannten 15% werden bevorzugt von den NGOs verbreitet, um zu dramatisieren. Siehe https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas Siehe auch https://www.bauernverband.de/faktencheck-methanemissionen

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