Hessen: Mehr Tierwohl und weniger Antibiotika im Stall beschlossen

Tierarzt Tierarzt; „Das Tierwohl in der Landwirtschaft zu stärken, ist mir ein großes Anliegen", sagte Priska Hinz
Bild: Bayer

Der Runde Tisch Tierwohl in Hessen hat am Mittwoch vier Vereinbarungen getroffen, die Landwirtschaftsministerin Priska Hinz nun unterzeichnet hat. "Von diesen werden nicht nur die Nutztiere, sondern auch wir Verbrauchern sowie die Umwelt eindeutig profitieren“, sagte Hinz anschließend auf dem Erlenhof in Friedrichsdorf-Burgholzhausen.

In einer der getroffenen Vereinbarungen verpflichten sich Landwirte und Tierärzte, den Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen auf das therapeutisch notwendige Minimum zu reduzieren. Laut Hinz ist es erklärtes Ziel der Landesregierung, den Einsatz der Antibiotika in der Tierhaltung zu verringern.

„Die jetzt unterzeichnete Vereinbarung mit Handlungsempfehlungen zum Antibiotikaeinsatz zur Behandlung von Eutererkrankungen und beim Trockenstellen von Milchkühen ist ein Beleg für das Bemühen, die Landwirte in ihrer alltäglichen Praxis abzuholen. Denn sie enthält konkrete Hilfestellungen für die Tierhalter. Anhand von klar beschriebenen Symptomen sind Handlungsempfehlungen zur Diagnostik aufgelistet, die eine Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Antibiotika erleichtern", sagte die Grünen-Politikerin.

Kastration bei Rindern und Schwänzekürzen von Lämmern

Drei weitere Vereinbarungen, die von Ministerin Hinz und den Mitgliedern des Runden Tisch Tierwohl unterzeichnet wurden, betreffen die Kastration bei Wiederkäuern und das Schwänzekürzen bei Lämmern. „Eine Betäubung bei der Kastration von Rindern, Schafen und Ziegen im Alter von unter vier Wochen ist gesetzlich nicht vorgeschrieben – dennoch haben sich alle Unterzeichnenden verpflichtet, die Kastration bei diesen Tierarten zukünftig nur noch unter Schmerzausschaltung und mit Schmerzmitteln durchzuführen“, sagte die Ministerin.
 
Die „Vereinbarung zum Schwanzkürzen bei Lämmern“ wiederum betrifft das Tierwohl von Lämmern, bei denen das Kürzen der Schwänze bis zum siebten Lebenstag mittels elastischer Ringe ohne Betäubung rechtlich zulässig ist. „Oberstes Ziel muss es auch hier sein, einen solchen Eingriff, sofern er unbedingt erforderlich ist, so tierschonend wie möglich durchzuführen“, betonte Hinz. Mit der Vereinbarung verpflichten sich die Unterzeichnenden, den Eingriff nur noch bei Zuchttieren, nur bis zum dritten Lebenstag und zudem nur mit einer Schmerzbehandlung durchzuführen. Flankierend sollen zu diesem Thema Aus- und Fortbildungsveranstaltungen durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) angeboten werden.
  
Verbot der Schlachtung tragender Rinder
 
Trotz mehrfacher Ankündigungen und Aufforderungen gibt der Bund bisher keine einheitliche Regelung zum Verbot der Schlachtung trächtiger Rinder vor. „Mit der neuen Vereinbarung wollen wir diese gesetzliche Lücke schließen und schützen das ungeborene Leben aus einer ethischen Verpflichtung heraus. Denn es besteht in der Wissenschaft mittlerweile Konsens darüber, dass ungeborene Kälber Schmerzen und Leiden beim Schlachten der Mutterkuh erfahren und qualvoll unter Sauerstoffmangel im Mutterleib ersticken“, sagte Hinz. Die entsprechende Vereinbarung enthält einen Maßnahmenkatalog – zum Beispiel zu einer geeigneten Trächtigkeitsuntersuchung vor Abgabe einer Kuh. Im Falle einer Hochträchtigkeit ist dann die Geburt abzuwarten.
 

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Jörg Meyer · 1.
    Was soll dass ?

    Es gibt nach meiner Auffassung keinen vernünftigen Grund für solch eine Absichtserklärung. Niemand setz mehr als notwendig Antibiotika in den Ställen ein. Auch beim Tierwohl gibt es jede Menge bundesweite Aktionen und initiativen. Hier wollen Gruppen und Personen ihre Daseinsberechtigung aufzeigen und werden dabei von berufsständischen Gruppen unterstützt, das empfinde ich als kontraproduktiv!

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  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Das ist die alte Taktik,Harald Finzel :

    Teile und hersche.

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  3. von Harald Finzel · 3.
    Erlässt demnächst jeder Landkreis und jede Kommune seine eigenen Regeln? Föderalismus WTF?

    Es wäre ja verständlich, wenn regionale Eigenheiten auf einer regionaler Ebene geklärt werden. Aber regionale Eigenheiten kann ich hier nicht erkennen. Vielmehr werden hier mit regionalen "freiwilligen Vereinbarungen" für deutschlandweit bedeutende Themen neue Standards durch die Hintertür eingeführt. Und sowohl der Hessische Bauernverband als auch BDM und AbL beiteiligen sich als Mitglieder von Hinzens rundem Tisch daran. Auf dass der Flickenteppich an neuen Stadards immer größer und unübersichtlicher wird?!

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