"Nach Tierwohl rufen, aber nichts bezahlen wollen"

Schweine Den Schweinen sieht man nicht an, dass sich der Landwirt um Tierwohl bemüht und viel investiert hat. Im Laden wird das Fleisch immer billiger.
Bild: Heil
Den Nutztieren in Deutschland geht es heute besser als je zuvor, die Tierhaltungsstandards werden immer höher. Nur diese Mehrkosten müssen die Verbraucher nicht zahlen, klagt der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV). Wegen abgebrochener Vermarktungswege insbesondere nach Russland gebe es ein Überangebot auf dem Markt, das den Preis gnadenlos drückt, heißt es.

Die Bauern würden gerne den Verbraucherwünschen nachkommen und die Tierhaltung, die sie bisher nach bester Beratung und aufgrund von Forschungsergebnissen aufgestellt haben, weiterentwickeln. Der RLV unterstützt bereits nach eigener Aussage Veränderungen in der Tierhaltung mit zahlreichen Maßnahmen, wie die Hornloszucht bei Rindern. Oder Projekte für den Ausstieg aus dem Schnabelkürzen bei Geflügel und dem Schwänzekupieren bei Ferkeln.

Landwirte seien allerdings bisher kaum für mehr Tierschutz entlohnt worden. Ohne kostendeckende Erlöse für die Landwirtschaft leide die Wettbewerbsfähigkeit und die Tierhaltung könnte ins Ausland abwandern. Daher müssten die Lebensmittel eigentlich mehr kosten, würde man ihren „wahren“ Preis bezahlen, so der RLV.

Laut dem Verband zeige die hohe Beteiligung an der Initiative Tierwohl den Willen der Landwirte für Verbesserungen. Aber auch bei der Initiative Tierwohl sei das Problem der Finanzierung und Ökonomie offenbar geworden. Das Geld vom Handel zur Förderung des Tierwohls reiche bei weitem nicht aus, alle interessierten Schweine- und Geflügelhalter auf dem Weg mitzunehmen. Hier fehle es einerseits am Mut, den Verbraucher beim Wort zu nehmen und mehr für die Produkte zu verlangen. Andererseits profitiere dieser aber vom Überangebot, das etwa durch das Russlandembargo entstanden ist.

Den Landwirten in Deutschland ist es nach RLV-Angaben gelungen, ihre Tierhaltung auch unter erheblich wirtschaftlichen Problemen zugunsten des Tierschutzes zu optimieren. Die Haltungs-, Klima- und Fütterungsbedingungen seien mit enormem Aufwand in den zurückliegenden 60 Jahren mit Begleitung von Wissenschaft, Forschung und Beratung kontinuierlich verbessert worden. Frühere Haltungsbedingungen waren in allen Belangen sehr viel schlechter für die Tiere, auch wenn diese Formen der Tierhaltung heute immer wieder positiv und idealisiert dargestellt werden, meint der RLV. Ein Stall in den 80er Jahren sei mit den heutigen modernen Haltungsformen nicht mehr vergleichbar. Heutige moderne Ställe seien hell, klimatisiert, mit einem angemessenen Platzangebot und Beschäftigungsmaterial. Für die Gesundheitsvorsorge seien regelmäßige Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen und eine intensive Bestandsbetreuung selbstverständlich, erklärt der RLV.

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Leserkommentare Kommentieren

  1. von Doris Peitinger · 1.
    Ablenkung von der Realität

    Bei Milch wurde jedenfalls das Russlandembargo schon längst durch andere Exporte ersetzt und ein Export nach Russland wegen dem gesunkenen Rubel ohnehin nicht lukrativ - diese dauernd wiederholte Russlandgeschichte ist also nichts anderes als Blödsinn. Ebenso frage ich mich, wie denn der Verbraucher im Supermarkt seinen Obolus entrichten soll, wenn er den Bauern mehr Geld zukommen lassen will. "Müller Milch" kaufen, damit Herr Müller mehr in die Schweiz schaffen kann? Das Problem ist nur zu lösen, wenn die Produkte entsprechend der Nachfrage verknappt werden - dann bezahlt der Verbraucher immer noch an der Kasse, was auf dem Preisettikett steht ( wie die Landwirte auch ), aber der Preis schlägt auch auf die Erzeuger durch und wird nicht dazwischen abgegriffen.

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