Insektensterben: DBV sieht großen und dringenden Forschungsbedarf

Wiese Wiese
Bild: AGCO

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in der aktuellen Diskussion über das so genannte Insektensterben erhebliche Lücken bei der Datengrundlage, die dringend geschlossen werden müssen. „Aussagen wie ‚früher waren mehr Insekten auf der Windschutzscheibe‘ eignen sich möglicherweise für den Autofahrer-Stammtisch, werden aber der Bedeutung und Tragweite des Problems nicht im Ansatz gerecht“, kommentierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Krüsken verwies auf die Feststellung des Insektenforschers Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein, der gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. Juli 2017 die Diskussion „in einer Wolke der Unwissenheit“ verortete.
 
„Die Krefelder Insektenforscher bestätigten, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, denn es fehlten flächendeckende Bestandszahlen und systematische Forschungsreihen oder ein Langzeitmonitoring. Den großen Klärungsbedarf, den die Wissenschaftler sehen, können wir in vollem Umfang bescheinigen“, so Krüsken.
 
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte am Wochenende erneut die Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich gemacht. „Diese Aussagen sind in dieser Form nicht zu begründen. Es gibt leider keine repräsentativen Untersuchungen oder belastbaren Studien über Umfang und Ausmaß von Veränderungen des Insektenbestandes. Umso dringender brauchen wir verlässliche Daten, um diese Debatte auf eine seriöse Grundlage stellen zu können“, forderte Krüsken. Den Landwirten werde es nicht zuletzt durch bürokratische Hindernisse schwergemacht, die Verhältnisse für die Insekten durch Blühstreifen und artenreiche Feldränder noch weiter zu verbessern. Die Potenziale im Greening würden derzeit durch komplizierte Antrags-und Kontrollverfahren ausgebremst.
 
Zudem werde nach wie vor zu wenig gegen den Flächenverbrauch unternommen. Der Lebensraum von Insekten und anderen Tieren gehe überall dort verloren, wo Felder, Wiesen, Weiden und Wälder unter Asphalt und Beton verschwinden, derzeit immer noch 66 Hektar täglich. Hier sieht der DBV auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bauen in der Verantwortung.
 

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Festbeleuchtung

    Die Beleuchtung der Städte und selbst der kleinen Dörfer seit Jahrzehnten sollte man nicht vernachlässigen. Erst gestern wieder gesehen, wie sehr die Insekten von diesen Lampen angezogen werden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das keine negativen Auswirkungen auf die Insektenpopulation hat.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Und -

    wenn am Chiemsee die Mücken überhand nehmen schreien die Bürgermeister nach Bti zur "biologischen" Mückenbekämpfung damit die Touri's nicht abhauen. Voriges Jahr hätten sie den zuständigen Sachbearbeiter des Landratsamtes am liebsten nackt an einen Baum genagelt, da er den Einsatz des Mittels nicht genehmigte.

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  3. von Paul Maier · 3.
    Die Zahl der Bienenvölker wird alljährlich bei der Viehzählung erhoben.

    Dabei wurde jüngst sogar wieder von einem Ansteig der Bienenvölker berichtet. Was das Vorkommen der zahllosen, anderen Insektenarten angeht, gibt es tatsächlich nur Mutmaßungen, die aber gekonnt als Fakten verkauft werden. Ob exakte Zählungen hier überhaupt möglich sind, das ist kaum vostellbar. Fest steht aber auch, dass einige Arten, die es hier nie gab, inzwischen ebenfalls vorkommen, wie z.B. die Gnitzen als Überträger der Blauzungenkrankheit oder die Anopheles- und die Tigermücke. Sogar eine Warnung vor der Griebelmücke war schon zu lesen. Wenn es um eine Erhebung der Insektenbestände geht, dann fürchte ich, dass dieselben Methoden angewandt werden, wie bei der Zählung der Gartenvögel, wo jeder noch so unkundige Gartenbesitzer jährlich augefordert wird, die Vögel in seinem Garten zu zählen und das Ergebnis zu melden. Die so gewonnenen Zahlen werden dann der staunenden Öffentlichkeit als wissenschaftliche Studie verkauft.

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  4. von Egge Mansholt · 4.
    Ich denke

    es handelt sich hier um Fakenews, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.

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