Insektensterben: Nur 22 % Rückgang, lückenhafte Daten, keine eindeutigen Ursachen!

Biene Biene
Bild: Pressebild

Um 75 % ist die Insekten-Biomasse in den vergangenen 25 Jahren angeblich in Schutzgebieten zurückgegangen. Diese Meldung war in den vergangenen Tagen verbreitet zu lesen. Widerspruch kommt dazu vom kritischen Wissenschafts-Blog „Science Files“, das die Meldungen zur Studie und die getroffenen Aussagen überprüft hat. Darin werden die Studie und die getroffenen Aussagen regelrecht zerpflückt.
 
In den Daten findet sich ein Rückgang der Insekten-Biomasse. Das ist unbestritten. Die Frage ist aber, was bedeutet dieser Rückgang und welche Schlüsse kann man daraus ziehen? Die wichtigsten Aussagen von Science Files (Zitat):

1. Kann man die Daten auf Prozentwerte herunterbrechen?
 
Um Aussagen darüber machen zu können, wie sich die Anzahl der Insekten über die Zeit verändert hat, benötigt man Messungen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten an denselben Orten durchgeführt wurden. Hallmann et al. haben diese nicht und schreiben das auch selbst.
 
Vielmehr basieren die Aussagen auf Daten, die von 1989 bis 2016 jährlich an zwischen einem und 23 Orten, im Durchschnitt an 3,5 Orten pro Jahr gesammelt wurden. Dabei sind 1.503 Stichproben zusammengekommen, 56 pro Jahr, 16 pro Ort. Dass im Schnitt für 27 Jahre nur 16 Stichproben pro Ort zusammengekommen sind, zeigt, dass Messungen in der Regel nicht an denselben Orten durchgeführt wurden.
 
57 Orte befinden sich in Nordrhein-Westfalen, einer in Rheinland-Pfalz und fünf in Brandenburg. Die Ergebnisse, die Hallmann et al. berichten, kann man nicht auf ganz Deutschland übertragen. Tatsächlich haben sie einen Rückgang sogar nur für einige Orte festgestellt, die sie untersucht haben!
Das beste, was man über die Daten sagen kann, ist, dass die Autoren für 27 Jahre Daten an verschiedenen Orten gesammelt haben, von denen nicht bekannt ist, ob sie in irgendeiner Weise für Deutschland repräsentativ sind.
 
 
2. Kann man den Rückgang der Insekten behaupten?

Um zu den dramatischen Zahlen von 75% Insektenrückgang zu gelangen, haben Hallmann et al. die Daten, die ihnen für die Jahre 2016 und 1989 zur Verfügung stehen, voneinander subtrahiert. Hätten sie das Insektensterben auf Grundlage der Jahre 2014 und 1989 berechnet, das Insektensterben wäre um 70% geringer ausgefallen, also nicht 75% der Insekten, die noch 1989 gezählt wurden, wären gestorben, sondern rund 22,8%.
 
Die Autoren scheinen hier dramatisiert zu haben, was insofern nicht nachvollziehbar ist, als das Jahr 2014 die mit Abstand beste Datenlage aller Messzeitpunkte aufweist. 23 Orte, an denen Stichproben zur Insekten-Population genommen wurden, und 348 Stichproben hätten zur Verfügung gestanden, um Aussagen über ein Insektensterben zu machen, das mit 22,8% allerdings deutlich geringer ausgefallen wäre.
 
Stattdessen haben sich Hallmann et al. mit den 7 Orten, an denen 2016 nur 62 Stichproben gewonnen wurden, begnügt und verkünden ein Insektensterben von 75%.
Zu behaupten, dass in Deutschland die Zahl der Insekten in den letzten 27 Jahren um 76% zurückgegangen wäre, ist durch die Daten in keiner Weise gestützt.

(Anm. d. Red.: Science Files behauptet, dass der Rückgang nur 22 % betragen haben soll. Eine Überprüfung der Passagen in der Hallmann-Studie lässt diesen Schluss aber wohl nicht zu.)
 
 
3. Kann man der Arbeit Informationen über die Ursachen des Rückgangs von Insekten entnehmen?
 
Nein. Und die Autoren sagen das auch deutlich, denn sie finden keinen Zusammenhang mit Klimawandel und auch keinen mit landwirtschaftlicher Bewirtschaftung und schon gar keinen mit Glyphosat. Dieser Zusammenhang ist ausschließlicher Bestandteil der Phantasie der Grünen, die wieder einmal eine Studie für ihre Zwecke missbrauchen.

Vielmehr rufen die Forscher zum Abschluss ihres Beitrags explizit dazu auf, die Ursachen des Insekten-Rückgangs, den sie dramatisch nennen, zu untersuchen. (Zitat Ende)

top agrar meint:
Die Anmerkungen von Scienceblog zeigen, dass es noch viele offene Fragen zum Thema Insektensterben gibt, die die Wissenschaft bearbeiten muss. Dass das Insektensterben Realität ist und dass auch die Landwirtschaft daran einen Anteil hat, ist unstrittig. Inzwischen sind viele landwirtschaftliche Aktivitäten angelaufen, der Abnahme der Biodiversität entgegenzusteuern. Das top agrar Spezial "Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft", das Ende November als Beilage zur Printausgabe 12/2017 erscheint, zeigt Beispiele auf. 

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Metz · 1.
    Augen auf!

    Jungs und Mädels, seid ihr blind? In unserer tollen Kulturlandschaft in kein Platz mehr für Bienen, Schmetterlinge und Falter. Wo nur noch Mais wächst, haben Insekten keinen Lebensraum mehr! Fakt ist aber auch, dass die meisten Bauernhöfe diesen Wahnsinn ebenfalls nicht überleben werden. Denn in unserem kranken System überlebt nur der Kollege >>Vollgas<<!

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  2. von Gregor Schmitz · 2.
    Gs

    Früher gab es in jedem größeren oder kleinerem Dorf oder Hof ein oder mehrere Bienestöcke bei den Bauern ! Heute sind es noch wenige ! Bauern und Bienen ! Ursache und Wirkung!,

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  3. von Bernd Müller · 3.
    Wo bleibt ...

    ...eigentlich der Kommentar von Herrn Eckhard Niemann zu diesem interessanten Artikel

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  4. von Dirk Jensen · 4.

    Viele Fluginsekten fallen der zunehmenden Lichtverschmutzung zum Opfer. An viel befahrenen Strassen gehen sie durch Abgase zu Grunde.

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  5. von Bernd Croonenbroek · 5.
    Eilmeldung " Ursache für Insektensterben gefunden"

    Es hängt zu 99% mit den Grünen und Nabu zusammen, da diese den Fleischverzehr einschränken wollen sind die Grünen und Nabu zu Insektenburger übergegangen. Durch den hohen verzehr sind die Insekten knapp geworden !!! Und es soll durchgesetzt werden das beim Schlepper mit offener Front und Heckscheibe gefahren werden soll, damit die Insekten durchfliegen können. Aber die eigentlichen Insekten heißen Grüne und Nabu !!!!

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  6. von Willy Toft · 6.
    Nach dem Motto, wir hauen erstmal diese negative Meldung raus, dann bekommen wir die Aufmerksamkeit!

    Der Insekten- Druck nimmt durch milde Winter sogar zu. Unterm Strich sind es die letzten 20 Jahre aber weniger geworden. Sonst haben vor allem Mücken und Fliegen im nassen milden Herbst zugenommen. Die Bienen haben die Milben als Feinde, und sie sollten im März schon mal fliegen dürfen, sonst können schon mal ganze Bienenstöcke ausfallen! Die Sachlichkeit sollte auch bei dieser Diskussion überhand gewinnen, mit Polemik verhärten sich die Fronten noch mehr. Jeder Landwirt ist bemüht, so sachgerecht wie möglich an den Pflanzenschutz heranzugehen.

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  7. von Berthold Lauer · 7.
    Vergebene Mühe

    Das Problem ist: Alles was jetzt hinterherkommt an Analysen, Richtigstellungen und Korrekturen interessiert niemanden mehr. Gestern hat sich der Südwestrundfunk einen ganzen Tag lang mit dem Thema bzw der ebenfalls veröffentlichten Studie über den Rückgang der Vogelarten beschäftigt, ohne auch nur einmal die Zahlen bzw. die Datengrundlage in Frage zu stellen. Und obwohl im Nebensatz in den Nachrichten gesagt wurde, dass die Autoren der Vogelstudie keine Ursache explizit genannt haben, stand für die Moderatoren und die üblichen zu Rate gezogen "Experten" fest, dass dafür nur die moderne großflächige Landwirtschaft und die Pestizidanwendungen verantwortlich sein können.

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  8. von Arnold Friedrich · 8.
    Windschutzscheibe?

    Reden sie mal mit Motorradfahrer oder schauen sie den Helm und die Lederjacke an, die waren vor 20 Jahren übersät mit Insekten, und da ist nix mit Windschnittigkeit. Aber mal ein paar Überlegungen: - Früher wurde mit dem Messerbalken Wegränder und Grünflächen gemäht, heute nur noch mulchen inklusive shredern der Lebewesen. - Keine Misthaufen mehr, Gülle und Festmist muss sofort eingearbeitet werden, Insekten lieben halt auch Scheiße. - Und das durch die immer größer werdenden Betriebe immer mehr Flächen zusammengelegt werden, und dann große Schläge mit gleicher Frucht enstehen , und diese natürlich nicht unbedingt dienlich der Flora und Fauna sind,muss wohl jeder Landwirt eingestehen.

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  9. von Dr. Willi Billau · 9.
    Massenwechsel und Dichteregulation bei Insekten

    ist ein hochkomplexes Thema. Insektenpopulationen können in Abhängigkeit von Wetterlage, Lokalklima, Bodenfeuchte, Trockenheit, Spätfrösten,.... um bis zu 90 % schwanken. Dies kann synchron geschehen (nasses Frühjahr mit hohem Pilzbefall der Brut) oder asynchron (z.B. Maikäferjahre). Kommen warme Jahre (trockene Jahre sind Insektenjahre) und asynchrone Zyklen zusammen, dann sind die Autoscheiben schnell verklebt und die Vögel haben Futter. Aber wir Bauern haben schon lang anhaltende nasse und kalte Frühjahre erlebt, in denen die Schwalben ihre Jungen aus den Nestern warfen, weil sie keine Insekten fangen konnten, um diese zu füttern. Aber da muss dann doch das Gylphosat schuld dran sein!

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  10. von Reinhard Matzat · 10.
    Diese mähr mit der Windschutzscheibe

    Habt ihr schon mal darüber nachgedacht das die Entwicklung der Autofront (auch Lkw) darauf abziehlt einen geringen Luftwiederstand zu haben um Spriteffizienter unterwegs zu sein. Der Nebeneffekt ist dann auch das die Insekten keine Bruchlandung mehr auf der Scheibe machen!!!! Das ist auch ein vergleich von Äpfel und Birnen mit der Frontscheibe!!!!

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  11. von Rudolf Rößle · 11.
    Windschutzscheibe

    Dieses Jahr war unsere Windschutzscheiben das ganze Jahr sauber, Als ich meinen Führerschein gemacht habe und das ist schon ein paar Jährchen her, waren die Windschutzscheiben ein paar mal im Jahr vollgekleistert von Fliegen.

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  12. von Paul Siewecke · 12.

    Auch 22,8% sind eine deutliche Zahl, welche aber immer noch nichts aussagt über die Zusammensetzung der Arten. (Nützlinge, Schädlinge, Bienen, Hummeln, Käfer, Blattläuse, Schmetterlinge, etc....) Und damit gibt es keine klare Aussage darüber, wie intakt oder geschädigt das jeweilige Ökosystem ist.... Jegliches Geschrei vorher ist nur Panikmache! Aber trotdem gut, dass Daten erhoben werden! Wenn sich unsere Universitäten dann mal auch bequemen würden....

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