Jessel fordert Umschichtung von Fördermitteln für Agrobiodiversität

Prof. Beate Jessel Prof. Beate Jessel
Wenn artenreiches Grünland in Ackerland umgewandelt wird, entstehen unsichtbare ökonomische Verluste zwischen 500 und 2000 Euro pro Hektar. Das erklärte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, beim Agrobiodiversitätsgipfel in Bruchsal.
 
Kohlenstoffspeicherung, Grundwasserschutz, landwirtschaftlicher Produktionswert und nicht zuletzt die Schönheit einer Landschaft seien maßgeblich von der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft (Agrobiodiversität) abhängig, erklärte sie weiter.
 
Ihrer Meinung nach gibt es in Bezug auf die Ertragswerte der landwirtschaftlichen Produktion einen Widerspruch zwischen kurzfristigen und langfristigen Notwendigkeiten. „Betrachtet man den Gesamtwert der verschiedenen Ökosystemleistungen, dann liegt zwar die landwirtschaftliche Produktionskapazität bei extensivem Grünland deutlich niedriger ist als bei intensivem Grünland oder gar Ackerland. Rechnet man allerdings die Bedeutung des Grünlands für Kohlenstoffspeicherung und Klimaschutz, für den Rückhalt von Nährstoffen und die Grundwasserqualität sowie die Erholung mit ein, dann gleichen diese übrigen bewerteten Ökosystemleistungen das auf lange Sicht mehr als aus. Gerade diese Leistungen, die positiv in die Bilanz eingehen, müssen von der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft entsprechend honoriert werden“, forderte Jessel.
 
Den Finanzbedarf für eine biodiversitätsfreundliche Landbewirtschaftung bezifferte die BfN-Präsidentin auf zwischen 1,1 und 3,2 Mrd. Euro/Jahr. Dieser Bedarf liegt bei 12 – 40 % der gegenwärtigen Ausgaben der Agrarpolitik von ca. 8 Mrd. Euro in Deutschland. „Aufgrund der Zahlungsbereitschaftsanalysen und der Wertschätzung der Bevölkerung für eine vielfältige Landschaft gehen wir davon aus, dass eine solche Umschichtung von Agrarfördermitteln auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen würde“, sagte Jessel.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von schlaumeier · 1.
    Schöne Rechnung

    Wenn man die richtigen Annahmen trifft, kann man alles passend rechnen. Hier gehts einfach um öffentliche Gelder, ums Staatskenete, Ökojobs und politische Macht und Einfluss. Ich denke die gute Frau merkt momentan schon aufgrund der Staatsschuldenkrise und der Wirtschaftsprobleme, dass Subventionen nicht mehr so locker sitzen und dass man all die grünen Gutmenschen evtl bals nicht mehr in Lohn und Brot halten kann...

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  2. von user10 · 2.
    Nicht reden, sondern vorrechnen!

    Wetten dass die Frau Professor das nicht hinkriegt?

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  3. von xf1 · 3.
    Was den Horizont von Frau Jessel überschreitet:

    Wie heute das Grünland dem Klimaschutz zugeschrieben wird, könnte vom BfN im nächsten Artikel schon morgen die daraus resultierende Nutzung durch Wiederkäuer als klimaschädlich kritisiert werden. Das BfN übernimmt jede Meinung, welche dem grünen Zeigeist gegen Mensch, Tier und Umwelt entspricht. Hier ein Beispiel einer Biolandpropaganda: http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/ina/vortraege/2012/2012-Lebensstile-Wehde.pdf Die scheuen sich nichtmal davor, Biolandwirtschaft als klimafreundlicher als Konventionell zu propagieren, obwohl schon aus rein physikalischen Gründen jedes Biokorn mit dem doppelten Ausstoß belastet ist. Anderes Beispiel: http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/ina/vortraege/2008-05-Doyle_Landnutzungen_Vilm.pdf (Auf Seite 6 als Lösungsansatz: "Landwirtschaft extensivieren, bzw. optimieren") Ja was denn nun? extensivieren bedeutet Ineffizienz, klimaschädlich, bio. Optimieren bedeutet Effizienz, größter Ertrag bei bester Qualität und geringsten Erzeugungskosten (Energiekosten), Nachhaltigkeit und beste Form der Tierhaltung - also alles andere, als Bio. Das BfN sollte darauf achten, dass sie nicht zusammen mit dem Umweltbundesamt und Landwirtschaftsminister Meyer zum Comic-Laden Europas verkommen.

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  4. von timbonnie · 4.

    Wenn aufgrund des Strukturwandels keine Grasflächen mehr benötigt werden, was soll der Landwirt denn damit machen? Wenn Schutz der Grasflächen, dann nicht nur durch Landwirte. In der Stadt wird jeder Quadratmeter gepflastert. Für Kunstrasenplätze, Straßen, Bauland usw. wird täglich Fläche verbraucht. Bitte dann auch Erhalt des Grünlandes für alle.

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  5. von bernhardtv · 5.
    jessel...

    antreten... grasfressen. und all diejenigen welche lauthals und fortwährend immer auf grünland und biodiversität herumreiten. irgendwann sollen die endlich verstehen das gras nun mal keine brötchen gibt. also ... morgen groß grasfressen für alle politiker und möchteger nicht-regierungs-organisten...

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  6. von lürade · 6.
    Was sollen Bauern mit dieser Meldung anfangen ?

    Wir sind doch keine Quäker.

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