Klöckner bestreitet Zerwürfnis mit dem Wissenschaftlichen Beirat

Julia Klöckner Julia Klöckner
Bild: julia-kloeckner.de

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat Verlautbarungen über eine Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) zurückgewiesen.

„Es gibt kein Zerwürfnis zwischen mir und dem Beirat“, stellte die CDU-Politikerin gegenüber AGRA-EUROPE klar. Irritationen, die nach einer Medienveröffentlichung über eine angebliche Kritik des Beiratsvorsitzenden Prof. Harald Grethe an ihr entstanden waren, seien inzwischen ausgeräumt.

Klöckner spielte damit auf eine Veröffentlichung in „Spiegel Online“ an, in der Grethe nach eigener Aussage falsch zitiert wurde. Seine Aussagen waren nach einer Beschwerde des Wissenschaftlers bei der Redaktion aus dem veröffentlichten Text entfernt worden.

Keinen Hehl machte die Ministerin daraus, dass sie inhaltlich mit der vorgelegten Stellungnahme des Beirats zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nicht übereinstimmt. Ihr Hauptkritikpunkt bezieht sich auf eine fehlende Folgenabschätzung der Beiratsempfehlungen. „Wissenschaft kann das ausblenden, Politik nicht“, so Klöckner. Sie komme daher hinsichtlich der Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik bekanntermaßen zu anderen Schlussfolgerungen als der Beirat.
 
Wichtiger Beitrag zur politischen Meinungsbildung

Nicht gelten lassen will die Ministerin die Kritik einer unzureichenden gesellschaftlichen Akzeptanz der EU-Agrarpolitik, die grundlegende Änderungen erfordere. „Die GAP muss in erster Linie bei denen Akzeptanz finden, die unmittelbar und teilweise existenziell von ihr betroffen sind, nämlich den Landwirten“, betonte Klöckner. Eine Agrarpolitik, die bei den Landwirten auf völlige Ablehnung stoße, sei für sie keine Option.

Die Ministerin wies zugleich darauf hin, dass sich ihr Haus ungeachtet inhaltlicher Differenzen mit der Beiratsstellungnahme eingehend auseinandersetze. Sie selbst habe mit den Mitgliedern intensiv und kontrovers über die Inhalte diskutiert. Klöckner: „Ich werte wissenschaftliche Einschätzungen als wichtigen Beitrag zur politischen Meinungsbildung.“ Dies gelte auch dann, „wenn ich mit deren Inhalt nicht in allen Punkten übereinstimme“.

Lesen Sie mehr

9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Christian Bothe · 1.

    Muss mich doch noch einmal äußern,denn ich lese gerade top Agrar 07 die Diskussion Krüsken/Grethe.Zitat Grethe: „Landwirte haben kein größeres Unternehmerrisiko als andere Wirtschaftsbereiche.“ Ob der Herr Professor weiß,was er da sagt...Welcher Wirtschaftsbereich arbeitet ganzjährig in Gottes freier Natur und muss da Geld verdienen? Und das jetzt,wo die Witterungsumbilden ganze Ernten vernichtet haben und das Grobfutter für die Nutztiere knapp wird.Was für eine These!

    Anmerkung der Redaktion:
    Für alle zum Nachlesen der Link (PREMIUM) https://www.topagrar.com/news/Schwein-News-Schwein-Fuers-Tierwohl-brauchen-wir-ein-Gesamtpaket-9356199.html

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Otto Müller · 2.
    rein politische Empfehlungen des Beirats

    Wie wissenschaftlich ist ein Beirat, der die Folgenabschätzung ausblendet?

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Wilhelm Grimm · 3.
    Besetzung der Wissenschaftlichen Beiräte ist politisch gesteuert.

    Ein weiter so darf es nicht geben !

    Das meinen unsere Leser:
  4. von Christian Bothe · 4.

    Das wäre auch kein Verlust, wenn Prof.Grethe als wissenschaftlicher Beiratsvorsitzender seine wenig landwirtschaftlich-freundlichen Perspektiven nicht mehr so publizieren könnte... Es gibt andere Möglichkeiten der wissenschaftlichen Beratung des Landwirtschaftsministeriums über Weiterentwicklung einer modernen zukunftsfähigen Landwirtschaft. Für mich macht Frau Klöckner bisher einen guten Job.

    Das meinen unsere Leser:
  5. von Heinrich Esser · 5.

    Es ist echt unglaublich, dass es tatsächlich Leute gibt, die die Wissenschaft derart infrage stellen. Und das nur, weil diese offensichtliche Fehler der bisherigen Agrarpolitik offenlegt und ein längst überfälliges Umdenken fordert. Natürlich hat Klöckner recht, dass sich das nicht alles 1:1 umsetzen lässt, aber dass die bisherigen Positionen zur GAP von ihr (Beibehaltung der Direktzahlungen, keine Kappung oder Degression, keine Umschichtung,...) vor allem den Großbetrieben in die Karten spielen, sollte mittlerweile allen klar sein. Von daher ist der WBAE von enormer Wichtigkeit und sollte endlich mehr Berücksichtigung seitens der Regierung finden. Selbst der Koalitionspartner hat die mittlerweile erkannt...

    Das meinen unsere Leser:
  6. von Gerhard Steffek · 6.
    Die GAP muß Akzeptanz finden bei denen die davon betroffen sind -

    stimmt! Denn ansonsten stimmen die Landwirte mit den "Füßen" ab. D.h. sie hören auf. Dann haben wir am Ende nur noch das was besonders die Grünen über die GAP verhindern wollten, nämlich nur noch "industriell" und marktwirtschaftlich geführte Großbetriebe. Da mutiert dann aber auch so mancher Betrieb nur noch zum Prämienoptimierer und Landschaftsgärtner. Extensiv geführte Betriebe mit "Ponyhofidylle" um es dem unkundigen Stadtvolk recht zu machen. Das "Futter" kommt zwar dann aus Amerika, Süd wie Nord und Rußland, aber wen juckt das. Um das Gewissen zu beruhigen kann man ja auch dagegen demonstrieren.

    Das meinen unsere Leser:
  7. von Albert Maier · 7.
    Überflüssiger Beirat!

    Aus dem Kreis erlauchter Professoren ist in den letzen Jahren nichts brauchbares zu Tage gefördert worden, sondern allenfalls akademischer Denkmüll. Man kann diesen Breirat bedenkenlos abschaffen.

    Das meinen unsere Leser:
  8. von Harald Finzel · 8.

    Jetzt wäre noch interessant, welche Aussagen von Herrn Grethe bei Spiegel Online falsch zitiert und auf sein Betreiben wieder gelöcht wurden. Auch ich habe mir meine Meinung zu Herrn Grethe und desssen Beirat gebildet - und bin gerne bereit, meine Meinung ggf. zu revidieren, wenn ich denn wüsste, was es zu revidieren gibt. --- Immerhin ist der HartzIV-Vergleich des Herrn Grethe, der mir besonders sauer aufgestoßen ist, immer noch bei SpOn zu finden: "Während jeder Hartz-IV-Empfänger sich bis aufs Hemd ausziehen müsse, um seine Bedürftigkeit nachzuweisen, genüge beim Landwirt die Angabe seiner Hektar." http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/julia-kloeckner-ihre-berater-stellen-sich-gegen-die-eu-agrarpolitik-a-1211149.html

    Das meinen unsere Leser:
  9. von Wilhelm Grimm · 9.
    Ministerin Klöckner. alle Achtung !!!!!

    Die GRÜNEN kämpfen auf allen Ebenen und allen Mitteln und den "passenden" Professoren zielstrebig gegen eine Landwirtschaft, von der sie glauben, diese würde die Natur mit ihren modernen Produktionsmethoden zerstören. Die Ministerin hat sich ganz klar auf die Seite der Landwirte gestellt. Daher werden die Auseinandersetzungen in Zukunft um die Richtung der zukünftigen Agrarpolitik mit Hilfe der "Wissenschaftlichen Beiräte" und des vom NABU gesteuerten Bundesumweltministeriums noch heftiger geführt werden. VORSICHT !

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren