Kreis Vechta soll 43 Ausgleichsflächen „ignoriert“ haben

Bagger Fehlende Ausgleichsflächen sind für den NABU "ein Betrug an der Natur und der Öffentlichkeit"
Bild: JCB

Laut Bundesnaturschutzgesetz müssen Städte und Gemeinden Ausgleichsflächen schaffen, wenn an anderer Stelle Natur durch Baugebiete oder Infrastruktur verloren geht. Der Landkreis Vechta könnte das jedoch nicht so genau genommen haben, ist auch einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung herauszulesen.

Wie das Umweltministerium NDR 1 Niedersachsen mitteilte, haben Städte und Gemeinden im Landkreis Vechta allein in den vergangenen sieben Jahren in 43 Fällen keine Ausgleichsflächen geschaffen, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Spitzenreiter ist dabei die Gemeinde Visbek: Sie habe sich diesen Aufwand gleich 19-mal gespart.

Kritiker von den Grünen vermuten, dass die jetzt genannten Verstöße keine Einzelfälle sind. Vielmehr liege der Grund offenbar in der Flächenknappheit in Südoldenburg, vermuten sie. Ausgleichsfällen seien hier besonders teuer und für die Gülleausbringung dringend gesucht, so die Opposition. Die niedersächsischen Grünen fordern nun ein Kataster, um die Flächen dauerhaft kontrollieren zu können. Die Landesregierung sieht hierfür aber keinen Bedarf.

Die betroffenen Gemeinden selbst kontern, sie hätten die Umweltauflagen teils deshalb noch nicht umgesetzt, weil die Bauprojekte noch nicht abgeschlossen seien. Deshalb fehlten zum Teil auch die Mittel für den Öko-Ausgleich. Die Kreisverwaltung in Vechta kündigte an, zusammen mit den betroffenen Städten und Gemeinde alle Defizite bis zum Jahresende aufzuarbeiten.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Maier · 1.
    Der wahre Irrsinn mit den Ausgleichsflächen liegt doch darin,

    dass versiegelte Flächen für die Ökologie dauerhaft (zumindest solange es Menschen gibt) verloren sind und es einfach unmöglich ist auf dieser Erde Flächen neu zu erschaffen. China schüttet zwar gerade Inseln auf im Meer auf, aber nur für militärische Zwecke. Der einzige Weg wäre die Renaturierung inzwischen brachliegender, versiegelter Flächen, die aber schon aus Kostengründen vermieden wird, weil es eben billiger ist, den Landwirten Nutzflächen zu entziehen. Um unsere Nachbargemeinde führt eine neu gebaute Umgehungsstrasse mit einer Länge von 6,5 km nebst dem ökologischen Ausgleich. Die alten Strassen blieben aber erhalten.. Eine andere Kreisgemeinde erhielt laut Pressebericht von einem ortsansässigen Landwirt das Angebot, dass er bereit sei für eine Entschädigung von über 200 000 Euro durch die Umwandlung von 3,5 ha Ackerland in extensiv genutztes Grünland die erforderlichen Ökopunkte für das neue Wohngebiet zu erbringen. Der Vorschlag wurde mit einer Gegenstimme vom Gemeinderat gutgeheissen. Die Presse titelte den Beitrag dann mit der Überschrift: "Ein Platz für die Dicke Trespe".

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  2. von Klaus Weimer · 2.

    Wann hört dieser Wahnsinn mit zusätzlichen Ausgleichsflächen auf. Hab jetzt auch 5.5 ha Ackerfläche wegen der A 3 BAB verloren die jetzt mit Streuobst u. Wald bepflanzt werden.Frage mich,wer pflegt diese Flächen? Hier müssen andere Lösungen gefunden werden. Truppenübungsplätze ,stillgelegte Kasernen,Steinbrüche ,Kiesgruben, Trockenhänge und vieles mehr könnte man heranziehen und gestalten.

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  3. von Paul Siewecke · 3.

    Warum werden den nicht "Industriebrachen" als Ausgleich hergenommen? Dachbegrünungen (wo es geht!) wären auch eine Möglichkeit. Aber Nutzflächen zu versauen....

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Wir brauchen für den Ausgleich intelligentere Lösungen.

    Die Ausgleichsflächen sind für die landwirtschaftliche Nutzung verloren.

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